Markenlexikon

Pemex

Mexiko

Erdöl wurde in Mexiko schon vor Ankunft der Spanier in kleineren Mengen von der Bevölkerung u.a. zur Reparatur von Kanus und als Weihrauch verwendet. Infolge des Ausbaus des mexikanische Eisenbahnsystems in den 1880er und 1890er Jahren begann 1901 mit der Eröffnung des Ebano-Ölfelds bei Tampico durch den kalifornischen Ölunternehmer Edward Laurence Doheny (1856 – 1935; Pan American Petroleum and Transport Company, Mexican Petroleum Corporation, Huasteca Petroleum Company) die industrielle Förderung des Öl. Durch die Ölfelder in der Umgebung wurde Tampico in der Folgezeit zu einem der wichtigsten Ölhafen der Welt ausgebaut.

Ein weiterer Akteur in der mexikansichen Ölindustrie war der britische Ingenieur, Unternehmer und Politiker Sir Weetman Pearson (1856 – 1927), der Gründer der Compañía Mexicana de Petróleo El Aguila S.A. (Mexican Eagle Oil Company). Pearson entdeckte Ende 1910 eine weitere Ölquelle am Golf von Mexiko zwischen Tampico und Veracruz. Die Ölgesellschaften von Doheny und Pearson gingen später in den Besitz der Ölkonzerne Royal Dutch Shell (Mexican Eagle; 1919), Standard Oil Company of Indiana (Pan American; 1925) und Standard Oil Company of New Jersey (Mexican Petroleum, Huasteca Petroleum; 1932) über.

Das Eindringen von Meerwasser in einige Fördergebiete veranlasste die Ölgesellschaften in den 1930er Jahren dazu, so schnell wie möglich große Ölmengen zu fördern. Die USA und andere Unternehmen begannen bereits mit der Suche nach alternativen Bezugsquellen, u.a. in Venezuela und im Nahen Osten. Hinzu kamen in dieser Zeit Arbeitskämpfe, die von mexikanischen Gerichten zugunsten der Arbeiter entschieden wurden. 1937/1938 verstaatlichte der damalige Präsident Lázaro Cárdenas del Río die nationale Eisenbahngesellschaft, die Ölgesellschaften und die Elektrizitätswerke, die sich alle mehrheitlich in ausländischen Besitz befanden. Die mexikanische Ölindustrie wurde daraufhin in das Staatsunternehmen Petróleos Mexicanos (Pemex) eingebracht.

Als Reaktion auf die Verstaatlichung versuchten Standard Jersey und Royal Dutch Shell mit Hilfe des US-Außenministeriums und anderen US-Unternehmen zu verhindern, dass Pemex die für die Öl-Raffination erforderlichen Chemikalien (u.a. Tetraethylblei) und Spezialmaschinen (Bohrausrüstung, Pumpen, Kompressoren) erwerben kann. Die USA erhöhte die Einfuhrsteuer auf mexikanisches Öl und importierte stattdessen mehr venezolanisches Öl. Der Kauf von mexikanischem Silber wurde ausgesetzt, Regierungsbehörden untersagten ihren Angestellten die Verwendung von mexikanischem Benzin und Schifffahrtsunternehmen wurden unter Druck gesetzt, kein mexikanisches Öl zu transportieren. Den Mexikanern gelang es jedoch bald Tetraethylblei (TEL), das damals als Benzinadditiv (Antiklopfmittel) eingesetzt wurde, selbst zu synthetisieren und damit die Patente der Ethyl Gasoline Corporation (eine Tochterfirma von General Motors und der Standard Jersey) zu umgehen. Die Androhung, die benötigten Maschinen in Europa zu kaufen, ließen auch die an dem Boykott beteiligten amerikanischen Firmen nach und nach einknicken.

Mit dem Beginn des 2. Weltkriegs normalisierten sich die Beziehungen zwischen Mexiko und den USA wieder. Präsident Franklin Delano Roosevelt hatte nun andere Probleme und setzte im Angesichts eines neuen Feindes in Europa auf eine Politik der Guten Nachbarschaft mit seinen Nachbarstaaten.

Zwischen 1938 und 1971 stieg die mexikanische Ölproduktion mit einer durchschnittlichen Jahresrate von sechs Prozent, auch dank neuer Öl- und Erdgasfunde bei Chicontepec/Veracruz, in der Landenge von Tehuantepec und in der Nähe der nordöstlichen Grenzstadt Reynosa, trotzdem reichte die Produktion nicht aus, um die lnlandsnachfrage vollständig zu decken. Ab 1957 musste Mexiko daher zusätzlich Erdöl importieren.

1976 wurde in der Bucht von Campeche vor der südlichen Golfküste Mexikos durch Zufall das Cantarell-Ölfeld entdeckt; ein Fischer hatte zuvor in diesem Gebiet Ölflecken gesichtet. Cantarell war vom Produktionsbeginn 1981 an lange Zeit das größte Ölfeld Mexikos und eines der produktivsten. Nach der Überschreitung des Fördermaximums irn Jahr 2004 wurde es 2009 vom Ku-Maloob-Zaap-Ölfeld, das 2002 entdeckt wurde und ebenfalls in der Bucht von Campeche liegt, als produktivstes Ölfeld Mexikos abgelöst.

Im Juni 1979 ereignete sich in der Bucht von Campeche bei einer Explorationsbohrung im Auftrag von Pemex ein schwerer Unfall, der die bis dahin größte Ölpest seit Beginn der industriellen Ölförderung auslöste. Durch das Versagen der Bohrspülung in rund 3000 Metern Tiefe traten unkontrolliert Erdgas und Rohöl aus, das sich entzündete und die Schlumberger-Ölplattform Sedco 135 zerstörte. Das Bohrloch lxtoc I konnte erst im im März 1980 geschlossen werden. lm November 1984 verursachte eine undicht gewordene Gasleitung eine rund fünfstündige Serie von Gasexplosionen in einer Pemex-Raffinerieanlage bei San Juan Ixhuatepec (San Juanico) nördlich von Mexiko City. Mindestens 500 Menschen kamen bei diesen Unglück ums Leben. Im Januar 2013 forderte eine Gasexplosion im Pemex-Hauptsitz, dem 214 Metern hohen Torre Ejecutiva Pemex in Mexico City, 37 Tote und über hundert Verletzte.

Der Pemex-Konzern gliedert sich in die Bereiche/T'ochtergeselIschaften »Exploration und Produktion« (PEMEX Exploración y Producción), »Raffinerien« (PEMEX Refinación), »LPG/Flüssiggas und einfache petrochemische Erzeugnisse« (PEMEX Gas y Petroquímica Básica) und »Import und Export aller Pemex-Produkte« (PMI Comercio Internacional). Pemex erwirtschaftet etwa ein Drittel des mexikanischen Staatshaushalts.

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 20.06.2019 | 18:24