Markenlexikon
Im Jahr 2000 schlossen sich die US-Softwarefirmen X.com, eine 1999 von Elon Musk gegründete Onlinebank, und Confinity, ein 1998 von Max Levchin, Peter Thiel und Luke Nosek gegründeter Anbieter von Sicherheitssoftware und einem E-Mail-Bezahlsystem für PDAs wie den Palm Pilot, zusammen. Das fusionierte Unternehmen hieß zunächst X.com und hatte seinen Sitz in Palo Alto/California.
Das Bezahlsystem wurde in Anlehnung an das englische Wort pen-pal (Brieffreund) auf den Namen PayPal (Pay = bezahlen, Pal = Kumpel/Freund) getauft. Da man nach Umfragen Befürchtungen hatte, die Kunden könnten bei X.com an Sex- oder Pornoseiten denken, wurde das Unternehmen 2001 schließlich ebenfalls in PayPal umbenannt.
Die Entwicklung von PayPal und anderer E-Mail-Bezahlsysteme war eine Folge davon, dass in den USA der bargeldlose Zahlungsverkehr lange Zeit ausschließlich mittels Schecks abgewickelt wurde, die sich für die Bezahlung von Online-Geschäften nicht eignen. Überweisungen waren umständlich und teuer, über die Grenzen von Bundesstaaten hinweg zeitweise sogar verboten. So blieb als einzige Zahlungsmöglichkeit die Kreditkarte übrig.
2002 ging PayPal an die Technologiebörse NASDAQ. Kurz darauf verkauften die Eigentümer das Unternehmen für 1,5 Milliarden US-Dollar an das Online-Auktionshaus Ebay, das seit 1999 ein eigenes Online-Bezahlsystem besaß. Allerdings verwendeten die Ebay-User bereits zu dieser Zeit PayPal wesentlich häufiger als Ebay Payments. Nach dem Kauf von PayPal stellte Ebay sein eigenes System ein.
2015 spaltete sich Ebay auf Druck der Aktionäre in zwei unabhängige, börsennotierte Unternehmen auf (Ebay, PayPal), die – so der Wunsch der Investoren – schneller und besser wachsen können.
2007 erhielt PayPal von der luxemburgischen Finanzaufsichtsbehörde CSSF eine Banklizenz, die in der gesamten EU gültig ist. Zuvor war die PayPal Europe in Großbritannien als E-Geld-Institut registriert gewesen. Die bereits existierenden Accounts (virtuelle Konten) wurden daraufhin automatisch auf die neue Gesellschaft in Luxemburg übertragen. Inzwischen kann PayPal über verschiedene Apps auch im stationären Handel zur Bezahlung verwendet werden.
PayPal verdient sein Geld mit Gebühren (Grundbetrag je Transaktion + einem prozentualen Anteil), die die Verkäufer entrichten müssen. Für Käufer ist der Dienst weitgehend kostenlos (außer beim Bezahlen in Fremdwährungen). Auch Transaktionen zwischen Privatkonten sind kostenlos, vorausgesetzt, auf dem PayPal-Konto ist ein Guthaben vorhanden oder es wird Bankeinzug genutzt. Nur wenn das PayPal-Konto an eine Kreditkarte geknüpft ist, fällt eine Provision an.
Der Hauptsitz von PayPal befindet sich in San José/California, weitere Standorte gibt es in Austin/Texas (Data Service Office), Berlin/Deutschland (Customer Support), Chandler/Arizona (Customer Support), Chennai/Indien (Software Development Center), Dublin/Irland (Customer Support), Dundalk/Irland (Customer Support), Kuala Lumpur/Malaysia (Global Center of Operations), La Vista/Nebraska (Operations Center), Luxemburg (Europa-Zentrale), Omaha/Nebraska (Customer Support), Shanghai/China (Customer Support), Scottsdale/Arizona (Technology Center) und Singapur (Internationale Zentrale).
Text: Toralf Czartowski