Markenlexikon
Die beiden Kaufleute Benno Orenstein (1851 – 1926) und Arthur Koppel (1851 – 1908) gründeten 1876 in Schlachtensee bei Berlin das Handelsunternehmen Orenstein & Koppel, das zunächst mit Ausrüstungen für Feldbahnen handelte (Bahnschienen, Kipploren, Weichen), bald aber auch selbst Lokomotiven und Waggons produzierte. Da die Gründer nicht besonders gut miteinander auskamen, trennten sie sich schon 1885 wieder. Orenstein führte das deutsche Unternehmen weiter und Koppel gründete eine eigene Firma, die im Ausland tätig wurde. Alfred Koppel baute von 1903 bis 1906 für die Otavi Minen- und Eisenbahn-Gesellschaft die Otavibahn in Deutsch-Südwestafrika (Namibia). Nach der Jahrhundertwende nahm Orenstein den Bau von Eimerkettenbaggern auf. Ab 1905 arbeiteten beide Unternehmen wieder zusammen und 1909, ein Jahr nach Koppels Tod, kam es schließlich zum vollständigen Zusammenschluss.
Ab 1933 wurde das Unternehmen arisiert. Alfred Orenstein ging daraufhin ins Exil nach Südafrika, wo er noch bis 1938 für die dortige O&K-Niederlassung arbeitete. Um die jüdische Herkunft des Gründers zu verschleiern, wurde Orenstein & Koppel 1940 in Maschinenbau und Bahnbedarf Aktiengesellschaft (MABAG) umbenannt. 1941 ging die MABAG in den Besitz des Stahlkonzerns Hoesch über. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurden die Werke im Osten Deutschlands enteignet und verstaatlicht (Babelsberg, Dessau, Drewitz, Neuendorf, Nordhausen). In Westdeutschland firmierte das Unternehmen ab 1949 wieder als Orenstein & Koppel. 1961 wurde der Firmensitz von Berlin nach Dortmund verlegt.


O&K produzierte in den Werken Berlin (West), Bochum, Dortmund-Dorstfeld, Hagen, Hattingen/Ruhr, Kissing, Lauf an der Pegnitz und Lübeck Diesellokomotiven, Feldbahnlokomotiven, Gabelstapler, Getriebe, Grader, Güterwaggons, Hydraulikbagger, Kompressoren, Omnibusse, Rangierlokomotiven, Schiffsbagger, Radlader, Rolltreppen, Tagebau-Geräte für die Braunkohleförderung und Windkraftanlagen. 1986 übernahm O&K den Nutzfahrzeug- und Baumaschinenhersteller Faun. Die Produktion der Lokomotiven wurde 1981 aufgegeben.
Der in den 1990er Jahren einsetzende Niedergang von O&K hing eng mit den Fusionen von Krupp und der O&K-Mutter Hoesch (1992) sowie Thyssen und Krupp (1998) zusammen. Krupp-Hoesch verkaufte die Rolltreppen-Fertigung in Hattingen 1996 an den finnischen Kone-Konzern. Die Herstellung schwerer Hydraulikbagger für den Tagebau (O&K Mining Dortmund) ging 1998 an Terex, den Rest der Baumaschinensparte übernahm kurz darauf Fiat/New Holland (ab 1999 CNH Case New Holland). Den Achsen- und Getriebebau in Hattingen erwarb der italienische Getriebehersteller Carraro. Die Produktion der Mobilkrane und das Werk in Lauf an der Pegnitz waren schon 1990 an den japanischen Tadano-Konzern verkauft worden. 1999 wurde das Unternehmen Orenstein & Koppel schließlich aufgelöst. Das Werk in Lübeck blieb bei ThyssenKrupp.
CNH verlagerte die Baumaschinenproduktion schrittweise nach Italien. Das Werk in Kissing wurde 1999 geschlossen, das Werk in Berlin-Spandau 2015. Terex verkaufte seine Mining-Sparte (inkl. O&K) 2010 an Bucyrus International, einen US-Hersteller von Bergbaumaschinen, der noch im selben Jahr von Caterpillar übernommen wurde.
Text: Toralf Czartowski • Fotos: Pixabay.com, Public Domain