Markenlexikon

Orange

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Die Hongkonger Handels- und Immobiliengesellschaft Hutchinson-Whampoa erwarb 1993 gemeinsam mit dem britischen Luft- und Raumfahrtkonzern British Aerospace (heute BAE Systems) eine von vier digitalen Mobilfunklizenzen, die damals in Großbritannien gerade neu vergeben wurden. Nachdem sich Hutchinson-Chef Li Ka-Shing durch 1400 Namensvorschläge gearbeitet hatte, benannte man die 1990 gegründete BAe-Tochter Microtel Communications 1994 in Orange um. Im gleichen Jahr bot Orange erstmals seine Dienste an und 1996 ging das Unternehmen an die Börse – Hauptaktionäre waren Hutchinson-Whampoa und British Aerospace. 1998 verkaufte British Aerospace seine Orange-Anteile an die Bank SBC Warburg Dillon Reed und 1999 erwarb die deutsche Mannesmann AG die Hutchinson-Whampoa-Anteile. Li Ka-Shing wurde dadurch mit rund 10 Prozent zum Mannesmann-Großaktionär.

Da er die Mannesmann-Anteile möglichst schnell und zu einem hohen Kurs wieder loswerden wollte, fädelte er im Februar 2000 die feindliche Übernahme der Mannsmann AG durch den britischen Mobilfunkkonzern Vodafone AirTouch ein, nachdem zuvor Gespräche über eine Fusion zwischen Mannesmann und Vivendi aus Frankreich gescheitert waren. Er versprach Mannesmann-Chef Klaus Esser eine zusatzliche Prämie von 15 Millionen Euro (weiter 15 Millionen erhielt er als offizielle Abfindung), wenn er den Widerstand gegen die Vodafone-Übernahme aufgibt. Li Ka-Shing wurde durch den umstrittenen Deal, der Anfang 2004 in Deutschland zu einen gerichtlichen Nachspiel führte, um rund 5 Milliarden Euro reicher, denn die Aktien der Mannesmann AG waren während Übernahmeschlacht mit Vodafone stark gestiegen. Ohne die Übernahme hätte er seine Mannesmann-Aktien aufgrund der gesetzlichen Aktienbindungsklausel erst nach einem Jahr verkaufen können – höchstwahrscheinlich mit wesentlich weniger Gewinn. Vodafone musste Orange aufgrund einer Auflage der europäischen Wettbewerbskommission verkaufen.

Neuer Besitzer wurde 2001 der französische Telekom-Konzern France Télécom, der sein eigenes Mobilfunkgeschäft mit dem von Orange zusammenlegte. 2009 fusionierten France Télécom (Orange) und die Deutsche Telekom (T-Mobile) ihre Mobilfunksparten in Großbritannien unter dem Firmennamen Everything Everywhere Limited (Marken: T-Mobile, Orange, EE). Die Tochtergesellschaft Orange Suisse (Schweiz) wurde 2011 an eine Londoner Beteiligungsgesellschaft verkauft, Orange Austria (bis 2008 ONE GmbH/Connect Austria) ging 2012 an Hutchison-Whampoa Limited (HWL), der seine Mobilfunknetze inzwischen unter der Marke 3 vermarktet; HWL besitzt allerdings noch Rechte an der Marke Orange in Australien und Ozeanien.

2013 benannte sich die France Télécom S.A. in Orange S.A. um. France Télécom war 1990 als Nachfolgeunternehmen der Direction Générale des Télécommunications (ein Bereich des französischen Postministeriums) gegründet und an die Börse gebracht worden.

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 31.03.2020 | 14:26