Markenlexikon

Branche: IT

Oracle

USA

Lawrence (Larry) Joseph Ellison (* 1944) studierte ab 1962 Mathematik an der University of Illinois. Der Tod seiner Stiefmutter führte jedoch dazu, dass er trotz seiner zuvor sehr guten Leistungen durch alle Prüfungen fiel und die Universität ohne Abschluss verließ. Anschließend arbeitete er bei verschiedenen Computerfirmen, u.a. bei Ampex, wo er Robert Miner (1942 – 1994) und Edward Oates (* 1946), die späteren Mitgründer von Oracle, kennenlernte. Bei Ampex war er kurzzeitig auch an einem Datenbankprojekt für den US-Geheimdienst CIA (Codenamen: Oracle) beschäftigt. Nachdem er Ampex 1974 verlassen hatte, entwickelte er für die Firma Precision Instrument Company ein Speicherverwaltungssystem, an dem er auch die nächsten Jahre weiterarbeitete.

Bald darauf bekam Ellison ein bereits 1970 veröffentlichtes Forschungspapier in die Hand (»A Relational Model of Data for Large Shared Data Banks«), in dem der britische Mathematiker Egdar Frank (Ted) Codd (1923 – 2003), der in den 1970er Jahren für IBM arbeitete, die theoretischen Grundlagen der relationalen Datenbank definierte. Der Begriff »Relation« (eine Beziehung, die zwischen Dingen bestehen kann) steht für die mathematische Beschreibung einer Tabelle. Operationen auf diesen Relationen werden durch die Relationen-Algebra bestimmt, die es ermöglicht, Relationen miteinander zu verknüpfen oder zu reduzieren und komplexere Informationen daraus herzuleiten. 1977 lieferte IBM sein System R mit dem ersten relationalen Datenbankmanagementsystem und der Abfragensprache SEQUEL (Structured English Query Language) zu Testzwecken an den Triebwerkshersteller Pratt & Whitney aus. Zu einer weiteren Vermarktung des Systems kam es jedoch nicht. SEQUEL wurde bald darauf in SQL (Structured Query Language) umbenannt, da der britische Flugzeughersteller Hawker-Siddeley den Namen SEQUEL bereits als Marke registriert hatte.

Oracle
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Ebenfalls 1977 gründeten Larry Ellison, Bob Miner und Ed Oates in Redwood Shores/California die Firma Software Development Laboratories (ab 1979 Relational Software Inc.). 1979 war das SQL-Datenbanksystem Oracle V2 (eine Version 1 gab es nie) auf der Computer-Architektur von DEC (Digital Equipment Corporation) betriebsfähig, sodass es an den ersten Kunden ausgeliefert werden konnte (Wright-Patterson Air Force Base). Wie das IBM-System basierte es ebenfalls auf den Arbeiten von Ted Codd. Relational Software brachte Oracle V2 jedoch einige Wochen früher heraus als der Computergigant IBM sein System/38. In den nächsten Jahrzehnten wuchs das Unternehmen, das sich 1983 in Oracle Corporation umbenannte und 1986 an die Börse ging, neben SAP aus Deutschland zum weltweit führenden Anbieter von Software für das Informationsmanagement heran. Aufgrund zahlreicher Übernahmen (2005 PeopleSoft; 2006 Siebel Systems; 2007 Stellent, Hyperion, Agile Software; 2008 BEA Systems, Primavera Systems; 2009 HyperRoll, Sun Microsystems; 2010 Silver Creek Systems) ist die Produkt- und Dienstleistungspalette sehr lang (Arbeitsplatzrechner, Ausbildung, Beratung, Betriebssysteme, betriebswirtschaftliche Anwendungssoftware, Bürosoftware, CMS-Software, Entwicklungs- und Analysewerkzeuge, kommerzielle und quelloffene Datenbanken, Kundenmanagement-Standardsoftware, Mikroprozessoren, Programmiersprachen, Project-Portfolio-Management-Lösungen, Support-Service, Server). Durch die Übernahme von Sun Microsystems kam Oracle 2009 in den Besitz der Marken Java (Programmiersprache), MySQL (Open-Source-Datenbank-Datenbank), OpenOffice (Open-Source-Office-Paket), Solaris (Betriebsystem), StarOffice (Office-Paket) und SunSPARC (Mikroprozessoren).

Larry Ellison, der das nach Microsoft weltgrößte Softwareunternehmen noch immer leitet, gilt in der Branche als außergewöhnlicher Exzentriker mit einer enorm großen Klappe. Den Personal-Computer bezeichnete er Mitte der 1990er Jahre als »ein lächerliches Gerät«, den »von branchenfremden Idioten heruntergewirtschafteten« Computerpionier Apple, der einst von seinem besten Freund Steve Jobs gegründet worden war, wollte er dagegen kaufen. Damals hatte er auch die Vision von sogenannten Network-Computern (NCs) mit minimaler Ausstattung (keine internen Festplatten, Disketten- oder CD-ROM-Laufwerke), die per Modem Software und Daten aus dem Internet holen. Durchsetzen konnten sich diese Geräte jedoch nicht, da kaum jemand seine privaten Daten auf Servern, die irgendwo auf der Welt stehen, abspeichern wollte. Inzwischen ist Ellisons Idee unter der Bezeichnung Cloud Computing wieder ein aktuelles Thema. Zu seinen exklusiven Hobbies zählen nicht nur solche üblichen Leidenschaften wie schnelle Sportwagen, kurvenreiche Blondinen mit langen Beinen, das Sammeln von Samurai-Insignien oder Segeln, sondern auch ein italienisches Marchetti-Kampfflugzeug; den Kauf einer russischen MiG-29 untersagte ihm die amerikanische Zollbehörde allerdings. Sein Lieblingsfeind ist Bill Gates, dessen Microsoft-Imperium er am liebsten vernichten würde. Ein Herrenmagazin kürte ihn zum bestgekleideten Unternehmer und auch beim Schönheitschirurgen war er schon mehrmals. Immerhin, dafür, dass ihn sein Stiefvater einst als Versager bezeichnete, hat es der »Software-Prinz mit der großen Klappe« weit gebracht. 2014 trat Ellison als Oracle-Vorstandsvorsitzender (CEO) zurück.


Sun Microsystems

Andreas Maria Maximilian von Bechtolsheim (* 1955) entwickelte bereits mit siebzehn Jahren, noch vor dem Abitur, einen Steuerungscomputer für einen Blechstanzautomat. Ein befreundeter Unternehmer verkaufte die Geräte und bald verdiente der achtzehnjährige mit Lizenzgebühren mehr Geld als sein Vater, ein Lehrer. Nachdem ihn das Elektronikstudium in München arg gelangweilt hatte (»Man musste sich mit Hochspannungsmasten, Elektrotechnik, Feinmechanik, Röhren und Relais abplagen«), ging er 1976 in die USA, wo er sich an der berühmten Stanford-University einschrieb. Nebenbei entwickelte er dort eine Computer-Workstation, um das interne Stanford-University-Network (S.U.N.) zu verwirklichen. An einer kommerziellen Verwertung waren die Universität – und auch Computerhersteller wie IBM und Xerox – jedoch nicht interessiert.

So verließ Bechtolsheim 1982 Stanford und gründete gemeinsam mit Vinod Khosla (* 1955) und Scott McNealy (* 1954) – bis dahin ebenfalls Stanford-Studenten – und William Nelson Joy (* 1954) von der Berkeley-University in Palo Alto eine eigene Firma: Sun Microsystems Inc. Das Unternehmen produzierte hauptsächlich Workstations für Universitäten, Firmen und Rechenzentren, die mit eigenen Mikroprozessoren (SPARC) und Betriebssystemen (Solaris/SunOS) arbeiten.

Zwischen 1991 und 1994 entwickelten James Gosling, Mike Sheridan, Patrick Naughton, Bill Joy und neun weitere Sun-Mitarbeiter die rechnerunabhängige Programmiersprache Java, die zunächst zur Programmierung von elektronischen Haushaltsgeräten gedacht war, dann aber hauptsächlich zum Programmieren von Applikationen für das Internet verwendet wurde. 1996 lizensierte Sun die Java-Technologie an alle führenden Hard- und Software-Hersteller. Namensgeber war die Kaffeesorte Arabica, die nach der indonesischen Insel Java auch Java-Bohne genannt wird (in den USA wird starker, gebrühter Kaffee umgangssprachlich Java genannt). Gemeinsam mit Netscape Communications wurde ab 1995 die Scriptsprache JavaScript entwickelt (ermöglicht dynamische Webseiten). 1998 erwarb Sun die Server-Software-Sparte von Netscape Communications (Netscape selbst war zuvor von AOL gekauft worden) und ein Jahr später die 1984 von Marco Börries in Lüneburg gegründete Softwarefirma Star Division, die Mitte der 1980er Jahre das Programmpaket StarOffice/StarSuite (StarOffice Base, StarOffice Calc, StarOffice Draw, StarOffice Impress, StarMath, StarOffice Writer) entwickelt hatte. Aus StarOffice entstand in Juli 2000 das OpenOffice.org-Projekt. 2008 erwarb Sun das schwedische Unternehmen MySQL AB, die in den frühen 1990er Jahren das gleichnamige Open-Source-Datenbankverwaltungssystem entwickelt hatte.

Nachdem Übernahmeverhandlungen mit IBM gescheitert waren, wurde Sun Microsystems schließlich 2009 von Oracle übernommen.

Text: Toralf Czartowski | Foto(s): Pixabay

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Letzte Änderung der Seite: 26.10.2019 | 13:31