Markenlexikon

Branche: Automobile

Oldsmobile

USA

Ranson Eli Olds (1864 – 1950), der Sohn eine Schmieds, arbeitete ab 1883 in der Firma seines Vaters, die er später dann auch übernahm. Olds, der eine Abneigung gegen Pferde hatte, begann sich ab 1887 mit dem Bau von dampfangetriebenen Automobilen zu beschäftigen. Das erste Auto war 1891 fertig. In den nächsten Jahren baute er noch weitere Prototypen mit unterschiedlichen Antrieben (Benzin, Dampf, Elektro). Im August 1897 gründete er schließlich in Lansing/Michigan die Olds Motor Vehicle Company, die als ältester Automobilhersteller der USA gilt. Die Ursprungsfirma Olds ans Son wurde in Olds Gasoline Engine Works umbenannt und 1899 mit der Olds Motor Vehicle Company in der Firma Olds Motor Works zusammengeschlossen. Zur gleichen Zeit verlor R.E. Olds die Kontrolle über das Unternehmen an den Detroiter Investor Samuel L. Smith (u.a. Calumet and Hecla Mining Company), der den Firmensitz in eine neue Fabrik nach Detroit verlegte.

Im März 1901 brannte die Fabrik in Detroit jedoch komplett nieder. Nur ein Fahrzeug überstand das Feuer. Dieses Modell, der von einem Benzinmotor angetriebene Curved Dash, ging 1902 in einer neuen Fabrik in Lansing und in dem wieder aufgebauten Detroiter Werk in Produktion und wurde zum ersten in Großserie produzierten Massenmodell der USA – sieben Jahre bevor Ford's berühmtes Modell T das Licht der Welt erblickte. Bis zur Produktioneinstellung im Jahr 1907 konnten rund 19.000 Exemplare für einen Stückpreis von 650 Dollar verkauft werden. Der Markenname Oldsmobile wurde anfangs nur umgangssprachlich verwendet, offiziell hießen die Fahrzeuge Olds Automobiles.

Der Gründer hatte seine Firma schon 1904 verlassen, nachdem er mit Frederic L. Smith, dem Sohn des Eigentümers, wegen der Modellpolitik ständig aneinandergeraten war. Olds wollte einfache und preiswerte Massenautos bauen, Smith dagegen Luxusfahrzeuge. R.E. Olds gründete 1905 ebenfalls in Lansing eine neue Firma, die REO Motor Car Company, die bis 1954 Automobile fertigte und danach bis 1975 nur noch Nutzfahrzeuge. REO baute u.a. den berühmten Pick-up-Truck REO Speedwagon (1915 – 1953).

1909 kaufte die gerade ein Jahr zuvor gegründete General Motors Company (ab 1916 General Motors Corporation), zu der damals bereits Buick gehörte, die Olds Motor Works. 1909 erwarb GM noch Cadillac und Pontiac/Oakland, außerdem den Lastwagenhersteller Rapid Motor Vehicle Company aus Pontiac. 1911 kam noch die Reliance Motor Truck Company aus Owosso/Michigan hinzu, ebenfalls ein Hersteller von Nutzfahrzeugen, und 1918 Chevrolet.

Die Oldsmobile Motor Divison stand innerhalb der GM-Hierarchie ebenso wie Buick unterhalb der Luxus Divison Cadillac, aber oberhalb von Pontiac (sportliche Fahrzeuge), Chevrolet (Massenmarkt) und GMC (Trucks, Pick-ups, Geländewagen). Zu den wichtigsten Oldsmobile-Fahrzeugen, die bis Mitte der 1960er Jahre ausschließlich in der Oberklasse (Full-Size Car) angesiedelt waren (danach auch vereinzelt in der neuen Klasse der Mid-Size-Cars/Mittelklasse), gehören u.a. die Modelle Series 60 (1938 – 1948; Oberklasse), Oldsmobile 98 (1940 – 1996; Oberklasse), Oldsmobile 88 (1949 – 1999; Oberklasse), Cutlass (1961 – 1999; Kompakt), Starfire (1961 – 1966; Coupé/Cabrio), Vista Cruiser (1964 – 1977; Kombi) und Toronado (1965 – 1992; Coupé). Der Toronado war das erste amerikanische Auto seit dem Cord L-29 (1929), das einen Frontantrieb hatte.

Da es aus Sicht der GM-Verantwortlichen wenig Sinn machte, zwei Automarken mit fast identischen Produkten zu betreiben (Buick, Oldsmobile), wurde im Jahr 2000 das Ende der Marke Oldsmobile beschlossen. Der letzte Oldsmobile, der das Werk in Lansing verließ, war im April 2004 ein Oldsmobile Alero. Die originale Oldsmobile-Fabrik wurde 2006/2007 abgerissen. In Lansing gibt es allerdings noch zwei weitere GM-Fabriken, die von 1999 bis 2001 errichtete Lansing Grand River Assembly und die Lansing Delta Township Assembly (seit 2006).

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 26.02.2019 | 00:38