Markenlexikon
Otto Karl Erich Heinemann (1877 –1965) war ab 1906 Aktionär des deutschen Carl-Lindström-Konzerns (Odeon, Parlophon). 1914 ging er in die USA, wo er zwei Jahre später in New York die Otto Heinemann Phonograph Corporation (ab 1918 General Phonograph Corporation) gründete. Das Unternehmen verfügte über Aufnahmestudios und ein Presswerk. 1918 kamen die ersten Platten unter dem Label Okeh (Otto K. E. Heinmann) auf den Markt. Okeh veröffentlichte Jazz-, Blues- und Old-Time-Platten (Vorläufer von Folk- und Country-Music), die von der The Parlophone Co. Ltd. London auch nach Europa exportiert wurden. Zu den Stars des Labels gehörten Duke Ellington, Fiddlin’ John Carson, King Oliver, Lonnie Johnson, Louis Armstrong, Mamie Smith und W. C. Handy.
1926 wurde der Lindström von der Columbia Graphophone Co. Ltd. (London) übernommen. Das Okeh-Label ging daraufhin in den Besitz der Columbia Phonograph Company über. Beide Columbia-Gesellschaften, die eine gemeinsamen Ursprung haben, gehörten damals Louis Sterling, dem europäischen Generalmanager der Columbia Graphophone.
Die europäischen Columbia-Niederlassungen schlossen sich 1931 mit der The Gramophone Co. Ltd. (Label: His Master's Voice) des Schallplattenerfinders Emile Berliner zum Elektro- und Musikkonzern Electric and Musical Industries (EMI) zusammen. Nach der Fusion verkaufte EMI die amerikanische Columbia aus kartellrechtlichen Gründen an den Radiogeräte- und Kühlschrankhersteller Grigsby-Grunow, der sie 1934 an die ARC-BRC-Gruppe (American Record Corporation – Brunswick Record Company) weiterreichte. 1938 wurde ARC von der Rundfunkgesellschaft CBS (Columbia Broadcasting System) übernommen – CBS war 1928 von Columbia Phonograph gegründet, aber schon kurz darauf wieder verkauft worden. Das führte dazu, dass der Vertrag zwischen Warner Bros., dem Besitzer von Brunswick Records, und ARC 1939 aufgelöst wurde.
ARC-BRC stellte das Label Okeh 1935 ein, CBS-Columbia rekativierte es jedoch 1940 wieder, allerdings nur um den Katalog von Vocalion Records, der viele Blues- und Country-Interpreten enthielt, zu vermarkten. CBS durfte das Brunswick-Sublabel Vocalion nicht mehr verwenden; Warner Bros. verkaufte Brunswick/Vocalion 1941 an Decca Records. Von 1946 bis 1951 war das Label inaktiv.
1953 wurden die Pop-Künstler von Okeh zum neugegründeten Columbia-Sublabel Epic transferiert, während man Okeh als Rhythm & Blues-Label neu positionierte. Der Okeh Musikverlag firmierte nun als April Music. 1965 wurde Okeh Epic unterstellt. In den 1950er und 1960er Jahren veröffentlichte Okeh Platten von Johnnie Ray, Major Lance, Larry Williams und Little Richard. Nachdem der Songwriter Curtis Mayfield sowie der A&R-Manager und Produzent Carl Davis – beide seit 1963 bei Okeh – das Label im Streit mit Epic-Chef Len Levy verlassen hatten, ging es schnell bergab. 1970 gab CBS-Columbia das Label endgültig auf. Der Okeh-Katalog gehört heute Sony Music (infolge der Übernahme der CBS Recording Group durch Sony 1988).
Text: Toralf Czartowski