Markenlexikon
Der Amerikaner Frederick Marion Prescott, der zuvor im Auftrag der Universal Talking Machine Company (Zon-O-Phone) die International Zonophone Company (New York, Berlin) aufgebaut hatte, gründete 1904 in Berlin die International Talking Machine Co. mbH Odeon-Werke. Der Name Odeon bezieht sich auf das Théâtre de l'Odéon in Paris; das Wort Odeion (griech.) bzw. Odeon (lat.) bedeutet überdachtes Theater. Odeon machte in Europa vor allem mit der doppelseitig bespielten Schallplatte auf sich aufmerksam, die Zon-O-Phone bereits 1902 in Brasilien erstmals auf den Markt gebracht hatte.
1911 wurden die Odeon-Werke von der Carl Lindström Aktiengesellschaft (Parlophone) übernommen, die Odeon zum Hauptlabel des Konzerns machte. Lindström war neben The Gramophone Co. Ltd. (London) und der Victor Talking Machine Company (Camden/New Jersey) die damals größte Plattenfirma der Welt. Das Unternehmen besaß Niederlassungen in Ägypten, Arabien (Saudi-Arabien), Argentinien, Brasilien, China, Indien, Indonesien, Russland und Singapur.
1926 wurde Lindström von der britischen Columbia Graphophone Co. Ltd., einer Tochtergesellschaft der US-amerikanischen Columbia Phonograph Company, übernommen, die sich 1931 mit The Gramophone Co. Ltd. (His Master's Voice) zum Elektro- und Musikkonzern Electric and Musical Industries (EMI) zusammenschloss.
Was blieb, waren die Namen Odeon und Parlophon – nun in der englischen Schreibweise Parlophone – sowie das 1907 erstmals verwendete stilisierte Lindström-L, das noch heute das Parlophone-Logo ziert. 1952 legte EMI die Unternehmen Odeon und Electrola (eine seit 1925 bestehende Tochtergesellschaft der The Gramophone Co. Ltd.) in Köln zusammen und man verwendete nur noch die Labels Odeon und Electrola. 1972 schloss EMI beide Unternehmen zusammen (EMI-Electrola). In den 1960er Jahren wurden zahlreiche Platten der Beatles auf den Labels Parlophone und Odeon veröffentlicht. Der EMI-Konzern verwendete das Label Odeon noch bis in die 1980er Jahre hinein in Italien und Spanien.


Text: Toralf Czartowski • Fotos: Unsplash.com, Pixabay.com, Public Domain