Markenlexikon

Northrop-Grumman

USA

Der Flugzeugkonstrukteur John (Jack) Knudsen Northrop (1895 – 1981) hatte bis 1928 für Lockheed gearbeitet und dort u.a. das berühmte Rekordflugzeug Vega entworfen. Anschließend gründete er zusammen mit Ken Jay in Burbank/California die Avion Corporation. Mit dem siebensitzigen Transport- und Passagierflugzeug Alpha konnte Northrop an seine vorangegangenen Erfolge anknüpfen. Bereits zu dieser Zeit entwickelte Jack Northrop sein erstes Nur-Flügel-Flugzeug (Flying Wing), von dem allerdings nur ein Prototyp gebaut wurde.

1929 kam Avions – nun als Northrop Aircraft Corporation – unter die Kontrolle der Boeing-Tochter United Aircraft and Transport Corporation, die Northrop und Stearman Aircraft zusammenschloss und den Firmensitz nach Wichita/Kansas verlegte. 1932 gründeten Northrop und Donald Willis Douglas von der Douglas Aircraft Company in El Segundo/California die Northrop Corporation neu; Douglas besaß an dem Unternehmen 51 Prozent der Anteile. 1937 wurde Northrop von Douglas vollständig übernommen und bald darauf in die El Segundo Division of Douglas Aircraft umgewandelt.

1940 gründete Northrop in Hawthorne/California zum dritten Mal eine neue Firma. Northrop Aircraft (ab 1959 Northrop Corporation) widmete sich nun nur noch der Entwicklung von Militärflugzeugen. In den 1940er und 1950er Jahren führte Northrop die Entwicklung der Flying Wings mit zahlreichen Prototypen, Test- und Forschungsflugzeugen fort, doch die technischen Probleme erwiesen sich zu dieser Zeit noch als unlösbar. 1954 stelllte Northrop die Entwicklung schließlich ein und widmete sich wieder Militärmaschinen herkömmlicher Bauart. Zu den wichtigsten Northrop-Flugzeugen zählen der Nachtjäger P-61 Black Widow (Erstflug 1942), der Abfangjäger F-89 Scorpion (Erstflug 1948), der Hochleistungsjäger T-38 Talon (Erstflug 1959), die F-5-Jagdflugzeugserie (Erstflug 1959) und der F-5-Nachfolger F-20 Tigershark (Erstflug 1982).

Als die U.S. Air Force 1978 einen Nurflügel-Tarnkappenbomber (Stealth-Bomber) – offiziell hieß das Programm »Advanced Technology Bomber« – forderte, war Northrop durch seine früheren Erfahrungen auf diesem Gebiet erste Wahl. An der Ausschreibung beteiligte sich auch ein Konsortium aus Lockheed und Rockwell International. 1981 wurde der Entwurf von Northrop zum Sieger erklärt. Zu den Subauftragnehmern gehören die Boeing Military Airplanes Company, die Vought Aircraft Company, die Hughes Radar Systems Group und die General Electric Aircraft Engine Group. Der Prototyp der Northrop B-2 Silver Bullet (ab 1994 B-2 Spirit) absolvierte seinen Erstflug im Juli 1989. Zunächst wollte die USAF 188 Flugzeuge beschaffen. Wegen des enorm hohen Stückpreises von 1,9 Milliarden US-Dollar wurde der Bedarf jedoch immer weiter reduziert. Letztlich lieferte Northrops B-2 Divison in Palmdale/California und Pico Rivera/California von 1989 bis 1997 nur 21 B-2 an die USAF. Der erste B-2 wurde im Dezember 1993 in Dienst gestellt. Die Maschine hat eine maximale Reichweite von 9600 Kilometern und ist aufgrund ihrer Stealth-Eigenschaften (spezielle Form der Oberflächen, dunkelgraue Spezialfarbe, Kühlung des Abgasstrahls, kein Kondensstreifen) für elektromagnetische Strahlung (Radar) und Infrarotstrahlung weitestgehend unsichtbar (die Radarsignatur entspricht in etwa der Größe einer Taube). Die B-2 ist das teuerste Flugzeug, das jemals entwickelt wurde. Im März 1999 flog die B-2 ihren ersten offiziellen Einsatz über Jugoslawien. Die 21 B-2 sind in der Whiteman Air Force Base in Missouri stationiert.

Zwischen 1992 und 1994 übernahm Northrop den Flugzeugteilehersteller Vought, der zuvor zum Rüstungskonzern LTV (Ling-Temco-Vought) gehört hatte; der Geschäftsbereich Aerostructures (Vought) wurde 2000 an die Carlysle Group verkauft. 1994 schloss sich die Northrop Corporation mit der Grumman Corporation zur Northrop-Grumman Corporation zusammen.

Northrop Grumman
Northrop Grumman

Die Grumman Aircraft Engineering Corporation war 1929 von Leroy Randle Grumman (1895 – 1982), Leon (Jake) Swirbul (1898 – 1960), William Schwendler (1904 – 1978), E. Clint Towl und Edward Poor in Baldwin auf Long Island/New York gegründet worden. Das erste Flugzeug von Grumman war der Doppeldecker FF-1 (Erstflug 1931) mit einziehbarem Fahrwerk, der von der U.S. Navy eingesetzt wurde. Das Unternehmen beschäftigte sich anfangs vor allem mit der Konstruktion von Flugbooten und Amphibienflugzeugen (1933 Grumman JF-1 Duck, 1947 Grumman Albatross), später auch mit Jagd- und Torpedobombern (u.a. 1937 Grumman F4F Wildcat, 1941 Grumman TBF Avenger, 1942 F6F Hellcat, 1943 F7F Tigercat, 1960 A-6 Intruder) sowie Frühwarn- und Aufklärungsflugzeugen (1959 Grumman OV-1 Mohawk, 1960 – 2009 Grumman E-2 Hawkeye). 1958/1959 entwickelte Grumman mit der Grumman G-159 Gulfstream I erstmals ein zweimotoriges Turboprop-Geschäftsreiseflugzeug, das zwischen 14 und 24 Passagiere befördern konnte (dieser Bereich wurde 1978 verkauft). In den späten 1960er Jahren entwickelte und baute Grumman die Mondlande-Module der Apollo-Raumschiffe, mit denen die US-Astronauten auf dem Mond landeten. 1987 erwarb Grumman von Fairchild das A-10-Programm (Kampfflugeug zur Luftnahunterstützung).

Ende der 1960er Jahre benötigte die U.S. Navy einen Ersatz für das seit 1961 in Dienst befindliche trägergestütze Jagdflugzeug McDonnell F-4B Phantom II. Zunächst favorisierte das US-Verteidigungsministerium das bereits 1962 in Auftrag gegebene Schwenkflügel-Mehrzweckkampfflugzeug General Dynamics F-111, von dem Grumman eine Marine-Version entwickeln sollte (F-111B). Die Beschaffung dieses Typs stieß jedoch bei der U.S. Navy auf erheblichen Wiederstand. Konteradmiral Tom Tomcat Connelly, dem die spätere F-14 ihren Beinamen verdankt, bezeichnete die F-111B während einer Kongressdiskussion, an der auch der damalige Verteidigungsminister Robert McNamara teilnahm, wegen ihrer Größe und ihres Gewichts als ungeeignet für den Einsatz auf Flugzeugträgern. Im Sommer 1968 wurde die Weiterentwicklung der F-111B nach nur sieben gebauten Maschinen schließlich beendet. Kurz darauf schrieb die U.S. Navy erneut einen Flotten-Abfangjäger aus. An dieser Ausschreibung beteiligten sich neben Grumman und General Dynamics auch LTV, McDonnell-Douglas und North American-Rockwell. Grumman, seit jeher ein Hersteller erfolgreicher Wasserflugzeuge und Marinejäger, machte mit seinem Entwurf G303 im Januar 1969 das Rennen. Da durch das gescheiterte F-111B-Projekt schon viel Zeit verstrichen war, absolvierte das erste von zwölf YF-14A-Entwicklungsflugzeugen bereits im Dezember 1970 seinen Jungfernflug. Wenige Tage später stürzte dieses Flugzeug jedoch bei einem erneuten Testflug ab. Im Oktober 1972 wurden die ersten Serienmaschinen an die Naval Air Station in Miramar/California ausgeliefert. Der zweistrahlige und zweisitzige Schwenkflügeljet F-14 Tomcat wurde bis zu seiner Ausmusterung 2006 von der U.S. Navy als Luftüberlegenheitsjäger, zur Flottenverteidigung und für Präzisionsschläge gegen Bodenziele eingesetzt.

1996 erwarb Northrop-Grumman das Wehrtechnikgeschäft von Westinghouse Electric (Westinghouse Defense Electronics), 1997 die Logicon Corporation, 1999 Teledyne Ryan Aeronautical und 2001 die Electronics and Information Systems Group von Aerojet General, Newport News Shipbuilding (Werft) sowie den Elektronik- und Schiffbaukonzern Litton Industries (Avondale Shipyard, Ingalls Shipbuilding, Sperry Marine) und 2002 TRW (Automobiltechnik, elektronische Systeme für die Raumfahrt; die Autozubehörsparte wurde 2003 wieder verkauft).

Newport News Shipbuilding (1886 in Newport News/Virginia gegründet) und Ingalls Shipbuilding (1938 in Pascagoula/Mississippi gegründet) gehörten seit Jahrzehnten zu den führenden US-Werften; neben zivilen Schiffen (Kreuzfahrtschiffe, Frachtschiffe, Containterschiffe, Öltanker) wurden hier vor allem Kriegschiffe (Flugzeugträger, Kreuzer) und U-Boote gebaut. 2011 gliederte Northrop-Grumman seine Schiffbausparte Northrop-Grumman Shipbuilding (Avondale Shipyard, Ingalls Shipbuilding, Newport News Shipbuilding) mit Werften und Werken in Newport News/Virginia, Pascagoula/Mississippi, New Orleans/Louisiana, Virginia Beach/Virginia, San Diego/California, Gulfport/Mississippi und Tallulah/Louisiana aus dem Konzern aus; das Unternehmen firmiert nun als Huntington Ingalls Industries.

Northrop-Grumman produziert heute u.a. elektronische Systeme (Radar, Navigation, Kommunikation, Kontrollsysteme, Weltraumteleskope, Biometrische Identifikationssysteme) für das Militär und die Raumfahrt, Präzisionswaffen, unbemannte Flugzeuge und Hubschrauber (RQ-4 Global Hawk, MQ-8 Fire Scout, UCAS-D, RQ-180) sowie militärische Raketen.

Die wichtigsten Standorte der Northrop-Grumman Corporation befinden sich in Falls Church/Virginia (Hauptsitz), Los Angeles/California, Redondo Beach/California, Linthicum/Maryland, McLean/Virginia, Herndon/Virginia, Bethpage/New York und St. Augustine/Florida.

Ende 2015 vergab das US-Verteidigungsministerium an Northrop-Grumman den Auftrag für die Entwicklung und den Bau eines neuen Langstreckenbombers, der die aktuellen Modelle Boeing B-52 (Erstflug 1952), Rockwell B1 Lancer (Erstflug 1974) und Northrop B2 (Erstflug 1989) ablösen soll. Northrop-Grumman setzte sich damit gegen ein Bündnis von Lockheed-Martin und Boeing durch.

2018 erwarb Northrop-Grumman den Luft- und Raumfahrkonzern Orbital ATK, der auf die frühere Honeywell-Rüstungssparte Allient Techsystems, die Orbital Sciences Corporation (inkl. der früheren Space and Defense von Fairchild Industries) und Thiokol (vormals Morton-Thiokol; Hersteller der Space-Shuttle-Feststoff-Booster) zurückgeht. Dieser Bereich firmiert nun als Northrop-Grumman Innovation Systems. Das in Dulles/Virginia ansässige Unternehmen mit Werken in Chandler/Arizona, Dulles/Virgina und Baltimore/Maryland entwickelt und produziert Raketen (Antares, Minotaur, Omega, Pegasus), Raketentriebwerke (Castor, GEM, SLS für das Artemis-Programm), Satelliten, Transportraumschiffe (Cygnus), Munition und militärische Feuerwaffen.

Übernommene Unternehmen

Sperry Marine

Elmer Ambrose Sperry (1860 – 1930) war ein überaus vielseitiger Erfinder, der heute in einem Atemzug mit Thomas Alva Edison oder Alexander Graham Bell genannt wird. Bis zu seine Tode brachte er es auf über 360 Patente. Am bekanntesten ist der erste funktionfähige Flugzeug-Autopilot, den er 1912 konstruierte. Das Gerät bestand aus einem kardanisch aufgehängten Stabilisierungskreisel, dessen Drehebene sich gegenüber dem festen Gehäuse veränderte, sobald das Flugzeug Richtung oder Höhe änderte. Daraufhin wurden automatisch Steuerungsvorgänge ausgelöst, die die Abweichungen korrigierten. Bereits 1908 hatte Sperry einen ballistischen Kreiselkompass für Schiffe entwickelt, für dessen Produktion und Vermarktung er zwei Jahre später die Sperry Gyroscope Company gründete. Während des 1. Weltkriegs führte Sperry den ersten Autopiloten für Schiffe ein, den sogenannten »Metal-Mike«. Bald wurden nicht nur amerikanische Schiffe mit Navigationsgeräten von Sperry ausgestattet, sondern auch englische, japanische, französische, italienische und russische.

1928 verkaufte Elmer Sperry seine Firma an die Holdinggesellschaft North American Aviation, zu der diverse Flugzeugfirmen und Fluggesellschaften gehörten (Berliner-Joyce Aircraft, China Airways Federal, Curtiss Aeroplane and Motor, Curtiss Caproni, Curtiss Robertson Airplane, Douglas Aircraft, Eastern Air Transport, Ford Instrument, General Aircraft, Intercontinental Aviation, Keystone Aircraft, Moth Aircraft, North Aircraft, Pitcairn Aviation, Sperry Gyroscope, TWA Transcontinental and Western Air, Travel Air, Western Air Express und Wright Aeronautical). 1933 wurden mehrere North-American-Tochtergesellschaften (Sperry Gyroscope, Ford Instrument Company, Intercontinental Aviation) unter dem Dach der Holdinggesellschaft Sperry Corporation zusammengeschlossen.

Ab 1953 beschäftigte sich Sperry auch mit dem Bau von Computern, u.a. dem SPEEDAC (Sperry Electronic Digital Automatic Computer). 1955 übernahm Sperry den Elektronik-, Büromaschinen- und Computerhersteller Remington-Rand, der neben den berühmten Univac-Computern auch Remington-Rasierapparate produzierte; das neue Unternehmen firmierte fortan als Sperry-Rand Corporation. 1971 erwarb Sperry-Rand die Computerabteilung der RCA Corporation; die Radio Corporation of America hatte 1959 den ersten voll mit Transistoren bestückten Computer entwickelt. Mit dem Verkauf der Büromaschinen- und Konsumgüterproduktion (u.a. Remington-Rasierapparate) wurde 1979 der Name Rand aus der Firmenbezeichnung gestrichen.

1986 schlossen sich die Sperry Corporation und die Burroughs Corporation, ebenfalls ein Hersteller von Mainframe-Computern, zur Unisys Corporation zusammen. Zunächst sollte das fusionierte Unternehmen Sperroughs heißen, dann wurde jedoch ein weltweiter Mitarbeiterwettbewerb gestartet, der den neuen Namen Unisys (United + Information + System) hervorbrachte. Gleichzeitig verkaufte Unisys die Aerospace-Division (Sperry Aerospace) an den Elektronikkonzern Honeywell, der die Marke Sperry nicht mehr verwendete, und die Marine-Division (Sperry Marine Systems) an Tenneco/Newport News Shipbuilding. 1996 veräußerte Tenneco Sperry Marine an den US-Schiffbau- und Rüstungskonzern Litton Industries, der ein Jahr später auch die traditionsreiche britische Firam Decca Marine erwarb. Sperry, Decca und C. Plath, eine deutsche Marinetechnikfirma, die schon seit 1962 zu Litton gehörte, wurden 1997 unter dem Namen Sperry Marine (Charlottesville/Virginia) zusammengeschlossen.

Text: Toralf Czartowski | Foto(s): Pixabay

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Letzte Änderung der Seite: 16.06.2019 | 01:49