Markenlexikon
Die Norsk Hydro Elektrisk Kvaelstof AS (Norwegische Hydro-Elektrische Nitrogen AG) wurde 1905 von dem Bauingenieur Samuel Eyde (1866 – 1940) und dem Physiker Kristian Olaf Bernhard Birkeland (1867 – 1917) gegründet, um Düngemittel unter Ausnutzung von Strom herzustellen, der durch Wasserkraft erzeugt wurde. An der Gründung war auch die in Schweden bis heute sehr einflussreiche Bankiersfamilie Wallenberg beteiligt.
Während des Zweiten Weltkrieges war das Norsk-Hydro-Chemie- und Wasserkraftwerk Vemork in Rjukan (Provinz Telemark) die einzige europäische Produktionsstätte, die hochkonzentriertes Schweres Wasser (Deuteriumoxid) in größeren Mengen produzieren konnte (Schweres Wasser ist ein wichtiger Bestandteil zum Bau von Atombomben). Infolge des Einmarsches deutscher Truppen in Norwegen, befand sich die Anlage ab 1940 in deutschem Besitz. Im Februar 1943 gelang es jedoch zwölf Norwegern, große Teile der Anlage in die Luft zu sprengen und so die Gefahr einer deutschen Atombombe zu bannen.
Nach Kriegsende beteiligte sich der norwegische Staat durch die Konfizierung des in deutscher Hand befindlichen Aktienbesitzes (48 Prozent) an Norsk Hydro. In der Nachkriegszeit produzierte Norsk Hydro u.a. auch Magnesium (ab 1951), Aluminium (ab 1967) und stieg 1969 in die Fischzucht ein. Gleichzeitig erhielt Norsk Hydro von der norwegischen Regierung die Konzession, Öl und Gas in der Nordsee zu fördern.
1990 übernahm Norsk Hydro 300 Uno-X-Tankstellen in Dänemark, 1992 das komplette norwegische Tankstellennetz von Mobil und 1999 den norwegischen Öl- und Gasproduzenten Saga Petroleum. 2002 erwarb Norsk Hydro die deutsche VAW Aluminium AG, den damals führenden deutschen Aluminium-Produzenten. Durch die VAW-Übernahme wurde die Norsk-Hydro-Tochtergesellschaft Hydro Aluminium zum größten europäischen Aluminium-Hersteller.
2004 gliederte Norsk Hydro den Agrochemiebereich (Hydro Agri) aus dem Unternehmen aus (Yara International), 2007 wurde die Energiesparte mit dem norwegischen Ölkonzern Statoil verschmolzen. Norsk Hydro konzentriert sich nun auf sein Aluminium-Geschäft. Die Sparte Automotive Structures wurde 2009 an die Benteler Automobiltechnik GmbH (Paderborn) verkauft. Dem norwegischen Staat gehören rund 43 Prozent der Norsk-Hydro-Anteile.
Text: Toralf Czartowski