Markenlexikon


Frederik Ferdinand Salling (1880 – 1953), der zuvor in einem Stoffgeschäft gearbeitet hatte, eröffnete 1906 einen eigenen Laden in Aarhus (Dänemark). Sein Sohn Herman Christian Salling (1919 – 2006) begann 1960 mit dem Aufbau einer Supermarktkette (Jysk Supermarked, Føtex – Fødevarer og Textil). 1964 beteiligte sich die Reederei A. P. Møller-Maersk mit fünfzig Prozent an Jysk Supermarked – gleichzeitig benannte sich das Unternehmen in Dansk Supermarked um (die Anteile wurden bis 2017 wieder verkauft). 1970 eröffnete Dansk Supermarked den ersten Bilka Hypermarket, 1981 folgte die Discountkette Netto, die in den 1990er Jahren auch in andere europäische Länder expandierte (1990 Deutschland, Großbritannien; 1995 Polen; 2002 Schweden). Aus Großbritannien (2016) und Schweden (2019) hat sich Netto inzwischen wieder zurückgezogen. 2018 benannte sich Dansk Supermarked in Salling Group um.
Die deutschen Netto-Filialen in Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern (später auch in Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Hamburg) wurden ab 1992 gemeinsam mit Spar Deutschland betrieben, die operative Führung der Betreiberfirma Netto Supermarkt lag jedoch weiterhin bei Dansk Supermarked. Infolge der Spar-Übernahme durch Edeka (2005) kauften die Dänen 25 Prozent der deutschen Netto-Anteile wieder zurück, sodass Dansk Supermarkted 75 Prozent der Netto-Deuschland-Anteile gehörten und Edeka 25 Prozent. 2012 erwarb Dansk Supermarkted auch die Edeka-Minderheitsbeteiligung.
Neben Netto Supermarkt (Netto Nord) gibt es mit Netto Marken-Discount (Netto Süd) eine weitere Discountkette, die von der Spar-Tochtergesellschaft Michael Schels & Sohn aus Regensburg 1971 unter dem Namen SuDi (Superdiscount) gegründet worden war. Zwischen 1984 und 1990 wurden die SuDi-Märkte in Netto Marken-Discount umbenannt. Infolge der Spar-Übernahme gehört Netto Süd nun ebenfalls zu Edeka.
2008/2009 schlossen Edeka und Tengelmann ihre Discounter Netto Süd und Plus in einem Jointventure (Netto Marken-Discount) zusammen, an dem Edeka mit 85 Prozent beteiligt ist und Tengelmann mit 15 Prozent. Tengelmann hatte die Lebensmittel-Discountkette Plus (Prima Leben Und Sparen) 1972 etabliert. Im Zuge der Übernahme mussten aufgrund einer Kartellauflage über dreihundert Plus-Märkte verkauft werden (an Rewe/Penny, Okle und Lidl), weitere wurden geschlossen. Alle anderen Plus-Märkte sind bis 2010 auf das Netto-Konzept umgestellt worden. 2020 erwarb Edeka auch die restlichen Tengelmann-Anteile an Netto Marken-Discount. Tengelmann (babymarkt.de, Emil Capital Partners, KiK, OBI, Tengelmann Assekuranz, Tengelmann Audit, Tengelmann Energie, Tengelmann Growth Partners, Tengelmann Ventures, Trei Real Estate) zog sich damit endgültig aus dem stationären Lebensmittel-Einzelhandel zurück.
Text: Toralf Czartowski