Tory Tordal: Taro Yagur – Kampf um Tanybur

Markenlexikon

Nestlé

Ursprungsland: Schweiz

Der in Frankfurt am Main geborene Heinrich Niestle (1814 – 1890) ging nach einer vierjährigen Apothekerlehre 1839 als Wandergeselle nach Lausanne, wo er die Zulassungsprüfung als Apothekergehilfe ablegte. Da in diesem Teil der Schweiz hauptsächlich Französisch gesprochen wird, nannte er sich fortan Henri Nestlé. Anschließend arbeitete er eine Zeit lang in Vevey am Genfer See als Apothekergehilfe in der Apotheke von Marc Nicollier, der gelegentlich Vorlesungen des deutschen Chemikers Justus von Liebig (1803 – 1873) besuchte. Liebig beschäftigte sich intensiv mit der menschlichen Ernährung. Seine wichtigsten Erfindungen waren das Backpulver (1833) und ein kräftigendes Fleischextrakt für Kranke (1840). Außerdem entwickelte er eine Suppe für Säuglinge, die aus Weizenmehl, Malz und Pottasche bestand (1865).

1843 erwarb Henri Nestlé mit finanzieller Hilfe seiner Familie in Vevey eine Mühle mit angeschlossener Brennerei, wo er allerlei Produkte wie Essig, Flüssiggas aus Pflanzenöl für Straßenlampen, Liköre, Limonaden, Mineraldünger, Mineralwasser, Petroleum, Rum, Senf und Speiseöl herstellte. Vermutlich durch die Arbeiten Liebigs inspiriert, entwickelte Nestlé 1867 das Kindermehl (Farine Lactée), einen wasserlöslichen Ersatzstoff für die Muttermilch, der aus getrockneter Milch, Weizenmehl und Zucker bestand.

Im 19. Jahrhundert wurden nur rund fünfzehn Prozent aller Säuglinge in Europa gestillt. In höheren Kreisen – und bald auch im städtischen Bürgertum – galt das Stillen als unschicklich und Frauen, die den ganzen Tag auf dem Feld oder in Fabriken arbeiten mussten, fehlte die Zeit. Die Reichen hatten Ammen, die das Stillen ihrer Kinder übernahmen, die weniger Wohlhabenden mischten sich aus verdünnter Kuh- oder Ziegenmilch, Weizen und anderen Zutaten eine künstliche Babynahrung zusammen, die wegen der geringen Haltbarkeit und der schlechten hygienischen Bedingungen zur optimalen Säuglingsernährung ungeeignet war. Neben allerlei damals noch unbehandelbaren Krankheiten war diese Mangelernährung ein Grund für die hohe Säuglings- und Kindersterblichkeit zu dieser Zeit.

Nestlés Kindermehl, das anfangs ausschließlich von Apothekern und Ärzten verkauft wurde, entwickelte sich trotz anfänglicher Skepsis seitens der Ärzte schnell zum ersten großen Erfolg des Unternehmens. Mit dem Geld seiner Schwiegereltern (er war mit einer Arzttochter verheiratet) baute er neue Produktionsanlagen auf, um die stetig wachsende Nachfrage im In- und Ausland befriedigen zu können. Die meisten anderen Geschäftsfelder gab er auf. Neben der Kindernahrung wurde ab 1878 auch gezuckerte Kondensmilch hergestellt. Nestlé exportierte sein Kindermehl bald in zahlreiche Länder auf allen Kontinenten.

Nestlé
Nestlé

1875 verkaufte der kinderlose Henri Nestlé seine Firma für eine Million Schweizer Franken an die drei Schweizer Geschäftsleute Gustav Marquis, Jules Monnerat und Pierre-Samuel Roussy, die den Familienbetrieb in eine Aktiengesellschaft umwandelten.

1904 begann Nestlé mit der Herstellung von Milchschokolade, die Daniel Peter, der Schwiegersohn des Schokoladenfabrikanten François-Louis Cailler (er hatte 1819 in Corsier bei Vevey die erste Schweizer Schokoladenfabrik errichtet), 1875 erstmals hergestellt hatte. 1905 schloss sich Nestlé mit der Anglo Swiss Condensed Milk Company zusammen, die 1866 in Cham am Zuger See das erste Kondensmilchwerk Europas errichtet hatte.

Nestlé wuchs in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit erfolgreichen Produkten wie Nescafé (ab 1938), Nestea Hot Tea Mix (ab 1948), Nestlé Quick/Nesquik (ab 1948), Nestea Iced Tea Mix (ab 1956) oder Nespresso (ab 1976) zu einem der größten Nahrungsmittelkonzerne der Welt heran (Babynahrung, Fertiggerichte, Instantprodukte, Kaffee, Kondensmilch, Mineralwasser, Speiseeis, Süßwaren, Tiefkühlprodukte, Tiernahrung, Zerealien). Im Laufe der Jahrzehnte erwarb der Konzern zahlreiche Unternehmen wie Sarotti (1929), Peter-Cailler-Kohler (1929), Maggi (1947), Findus (1962), Libby’s (1963), Vittel (1968), Ursina-Franck (1971; Alete, Bärenmarke, Caro, Thomy), Chambourcy (1978), Dallmayr (1984), Carnation (1984; Friskies, Glücksklee, Lünebest), Herta (1986), Rowntree-Mackintosh (1988; After Eight, Choco Crossies, Kit Kat, Lion, Nuts, Quality Street, Rolo, Smarties), Perrier (1992), S.Pellegrino (1998), Spillers (1998), Purina (2002), Schöller (2002), Wagner (2004), Dreyer’s (2006) und Gerber (Gerber), die inzwischen teilweise wieder verkauft wurden (Alete, Bärenmarke, Dallmayr, Findus, Glücksklee, Herta, Libby’s, Lünebest, Sarotti).

Als einer der weltweit führenden Nahrungsmittelkonzerne steht Nestlé seit den 1970er Jahren regelmäßig in der öffentlichen Kritik. So werden/wurden dem Konzern eine aggressive Vermarktung von Säuglingsnahrung in Entwicklungsländern vorgeworfen, außerdem die Verwendung von gentechnisch veränderten Zutaten, die Durchführung von Tierversuchen, die Duldung von Kinderarbeit, Menschenhandel und Zwangsarbeit auf Kakaoplantagen in Westafrika, die Zerstörung des indonesischen Regenwalds und die Ausrottung der Orang-Utans (wegen des dort angebauten Palmöls), Repressionen gegen Gewerkschaften oder das Abpumpen von Wasser in ländlichen Regionen der Dritten Welt für die Mineralwasserproduktion, was zur Absenkung des Grundwasserspiegels und zur Austrocknung von Brunnen führt.

Text: Toralf Czartowski • Fotos: Unsplash.com, Pixabay.com, Public Domain

www.nestle.com

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