Markenlexikon

Branche: Süßwaren

Natreen / Natrena

Deutschland

Dieser 1963 von der damaligen Bayer-Tochter Drugofa auf den Markt gebrachte Süßstoff ist ein Mischung aus Cyclamat und Saccharin zum Süßen von Kaffee, Tee, Desserts und anderen Lebensmitteln. Kurz zuvor hatte der 1937 in den USA entdeckte synthetische Süßstoff Cyclamat (Natriumcyclamat; Natrium- und Calciumsalze der Cyclohexansulfamidsäure) in Deutschland seine Zulassung erhalten. Das wesentlich süßere Saccharin war bereits 1878 von den Chemikern Constantin Fahlberg und Ira Remsen entdeckt worden. Der Geschmack von Cyclamat ähnelt jedoch eher dem von Saccharose (Haushaltszucker), während Saccharin einen leicht metallisch-bitteren Nachgeschmack hat. Daher werden Cyclamat und Saccharin häufig kombiniert, meist im Verhältnis 10:1.

Zunächst hieß der neue Süßstoff Natrena, ab 1964 Natreen. Zu kaufen gab es ihn bis 1969 nur in der Apotheke. Ab Mitte der 1970er Jahre wurden neben Tabletten, Flüssigsüße und Streusüße auch kalorienreduzierte Lebensmittel unter dem Markennamen Natreen hergestellt, die teilweise andere Süßstoffbombinationen enthielten (Aspartam, Acesulfam K, Cyclamat, Saccharin, Steviolglykoside, Sucralose, Thaumatin). Zu den Herstellerfirmen zählen u.a. Krings (Fruchtsäfte), Odenwald (Obstkonserven, Konfitüren), Campina (Joghurt, Quark, Milchreis, Pudding), Vivil (Fruchtbonbons) und Schröer (Eiscreme). In den Benelux-Staaten ist Natreen weiterhin unter der Bezeichnung Natrena bekannt.

Nachdem Tierversuche mit einer extrem hohen täglichen Dosis die Begünstigung von Blasenkrebs ergeben hatten, wurde Cyclamat 1970 in den USA verboten. Neuere Studien konnten diesen Verdacht jedoch nicht erhärten. In Europa ist es für bestimmte Lebensmittel mit Höchstmengenbeschränkung zugelassen (Brotaufstriche, Desserts, Gelees, Getränke, Konfitüren, Marmeladen, Obstkonserven, Nahrungsergänzungsmittel). Nicht mehr zugelassen ist es zum Süßen von Bonbons und Kaugummis und Speiseeis.

1996 verkaufte Bayer die Marke an den US-Konsumgüterkonzern Sara Lee (Douwe Egberts, Duschdas, Pickwick, Pitralon, Quenty, Satina, Senseo). 2012 teilte sich die Sara Lee Corporation in die beiden Unternehmen Hillshire Brands Company (nordamerikanisches Lebensmittelgeschäft; u.a. Ball Park, Gallo Salame, Hillshire Farm, Jimmy Dean, Sara Lee, State Fair) und D.E Master Blenders 1753 Amsterdam (Aktivitäten außerhalb Nordamerikas; u.a. Douwe Egberts, Natreen, Pickwick, Senseo) auf. D.E Master Blenders wurde 2013 von der Finanzholding Joh. A. Benckiser SE Wien (JAB) übernommen, die der deutschen Milliardärsfamilie Reimann gehört (JAB hält u.a. Beteiligungen an Caribou Coffee, Coty, Peet's Coffee and Tea, Reckitt-Benckiser und der Labelux Group: Bally, Derek Lam, Jimmy Choo, Solange Azagury-Partridge, Zagliani). Aus dem Zusammenschluss von D.E Master Blenders 1753 und der Kaffeesparte von Mondelēz International (Café HAG, Carte Noire, Gevalia, Jacobs, Kenco, Maxwell House, Millicanao, Onko, Sanka, Tassimo, Yuban) entstand 2014 die Jacobs Douwe Egberts B.V. Amsterdam (JDE).

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 05.06.2020 | 13:51