Markenlexikon

Branche: Motorräder

Münch

Deutschland

Der Kfz-Mechaniker und Horex-Rennfahrer Friedel Münch (* 1927) übernahm 1956, als Horex die Motorradproduktion aufgab, deren Fertigungsvorrichtungen für die Motorenproduktion sowie die noch vorhandenen Ersatzteile. Zuvor hatte sich Münch bereits eine eigene Rennmaschine aus Horex-Teilen zusammengebaut, die Münch-Spezial. Zunächst übernahm er jedoch nur die Reparatur der noch existierenden Horex-Motorräder. 1964 entwickelte er eine Bremsanlage für Rennmotorräder (Münch-Rennbremse), die bis zur Einführung der Scheibenbremsanlagen 1986 das Maß der Dinge war. Nebenher bastelte er jedoch an seinem eigenen Motorrad herum. Außer den Motor, der vom NSU-Prinz stammte, baute er in Handarbeit fast alles selber. 1966 war die Maschine endlich fertig und weil ihr Aussehen so monströs war, bekam sie den inoffiziellen Namen Mammut. Die Mammut ging als größtes, schwerstes, schnellstes und zugleich teuerstes Motorrad, das jemals in Serie gebaut wurde, in die Geschichte ein. Den Prototyp kaufte der französische Motorradhändler und Rennfahrer Jean Murit für 6000 Mark. Die Münch-4, wie sie offiziell hieß, blieb bis 1980 in Produktion. Sie wurde jedoch weiterhin in Handarbeit hergestellt und in jeder Maschine steckten irgendwelche Änderungen und Verbesserungen, sodass keine Maschine der anderen glich.

1968 beteiligte sich der amerikanische Verleger und Motorradfan Floyd Clymer an der Firma, die ihr Geld immer noch hauptsächlich mit der Betreuung der alten Horex-Maschinen verdiente. Nun gingen die Münch-Maschinen auch in den Export, wo sie eine Zeitlang recht erfolgreich als Clymer-Münch Mammoth IV verkauft wurden. Münch errichtete sogar eine neue Fabrik in Friedberg. Als die Verkäufe jedoch in den USA nachließen, musste Münch 1971 Konkurs anmelden. Schließlich fand sich in dem Verpackungshersteller Hassia ein neuer Geldgeber, sodass die Produktion zunächst weiterlaufen konnte. Doch aufgrund der immer größer werdenen japanischen und italienischen Konkurrenz, deren Preise schon wegen der Massenfertigung wesentlich günstiger waren, kam es Ende 1973 erneut zum Konkurs. Friedel Münch verlor sein gesamtes Vermögen und die Rechte an seinem Namen, die der Frankfurter Münch-Fahrer und Geschäftsmann Heinz W. Henke aus der Konkursmasse erwarb. Münch selbst blieb noch zwei Jahre als technischer Leiter in seiner ehemaligen Firma. In dieser Zeit entstanden noch drei Münch 4. 1980 wurde die Produktion dann endgültig eingestellt. Insgesamt waren bis dahin 478 Münch 4 gebaut worden. 1984 erwarb Jens Hallhuber den Warenbestand, die Produktionsanlagen und die Namensrechte. Nach dem Tod von Hallhuber 1991, ging alles in den Besitz der Firma DBH Motorrad Technik aus Lüneburg über.

Friedel Münch hatte 1977 gemeinsam mit seinem langjährigen Mitarbeiter Roland Witzel die Nidderau-Erbstadt die Horex-Motorrad GmbH gegründet. Zunächst übernahm diese Firma wiederum die Betreuung der alten Horex-Kunden sowie bald auch die der Mammut-Besitzer. Nebenher baute Münch in Handarbeit die Horex 1400 TI, die 1978 der Öffentlickeit präsentiert wurde, aber wegen des stolzen Preises von 30.000 Mark und der großen japanischen Konkurrenz nie in Serie ging. Daraufhin verkaufte Münch die Horex-Namensrechte an die Firma Zweirad-Röth, einen führenden deutschen Motorradimporteur (Ducati, Honda, Moto-Guzzi, Suzuki, Voxan, Zongshen). Danach entstanden noch drei weitere Einzelanfertigungen, 1984 die Titan 1800 (für Paul Watts, den Chef des amerikanischen Münch-Clubs), 1987 die Titan 1600 und 1989 die Titan 2000 (für den Fürst von Leiningen). 1997 erhielt Münch von dem Würzburger Unternehmer Thomas Petsch, der inzwischen die Münch-Namensrechte erworben hatte, den Auftrag, 250 Münch Mammut-2000 Maschinen zu entwickeln und zu bauen. Als die Produktionskosten jedoch ins Unermessliche stiegen, ließ die Münch Motorrad Technik GmbH (Würzburg) die Fertigung bei der Sachs Fahrzeug- und Motorentechnik GmbH (Nürnberg) im April 2002 einstellen. Insgesamt sind nur 15 Exeplare des stärksten Serienmotorrads der Welt gebaut worden; der Kaufpreis betrug 86.000 €.

2009 gründeten Thomas Petsch und der Elektrotechniker Thomas Schuricht die Münch Racing GmbH (Lohfelden), die die von der Münch Motorrad Technik GmbH gebauten Elektro-Racer Münch TTE-1 und TTE-2 bei Rennserien für E-Racer (FIM e-Power International Championship, TTXGP Time Trials Extreme Grand Prix) erfolgreich einsetzt.

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 16.06.2019 | 01:49