Tory Tordal: Taro Yagur – Kampf um Tanybur

Markenlexikon

Moskwitsch

Ursprungsland: Russland

Von 1929 bis 1932 wurden in Nischni Nowgorod (von 1932 bis 1990 Gorki genannt) und Moskau mithilfe des Ford-Konzerns zwei Autowerke errichtet, die als Gorkovskij Awtomobilnij Zavod (GAZ) und Moskovskij Avtomobilnij Zavod imeni KIM (Kommunistitscheski Internazional Molodjoschi = Kommunistische Jugendinternationale) firmierten. Zunächst entstanden dort die Modelle GAZ A (Ford A) und GAZ AA (Ford AA). Von 1933 bis 1939 war das Moskauer Werk eine Niederlassung der GAZ-Fabrik. 1940 nahm das Moskauer Werk die Produktion des auf dem Ford Prefect basierenden Kleinwagens KIM 10 auf, der die Sowjetunion motorisieren sollte. Der deutsche Überfall auf die Sowjetunion 1941 verhinderte jedoch eine weitere Produktion. Das Werk wurde daraufhin in den Ural verlagert und auf die Herstellung von Rüstungsgütern umgestellt.

1946 verwendete das Moskauer Werk, das nun als Moskovskij Zavod Malolitrashnuij Avtomobileij (MZMA; Moskauer Fabrik für kleinmotorige Automobile) firmierte, für eine Version des 1938er Opel Kadett, dessen Konstruktionsunterlagen zu den Reparationsleistungen zählten, die die Deutschen an die Alliierten zu entrichten hatten, erstmals den Markennamen Moskwitsch (russ. Moskauer). Der Moskwitsch 400 blieb bis 1956 in Produktion. Die Nachfolgemodelle 402 (1956 – 1958), 407 (1958 – 1963) und 403 (1962 – 1967) waren Eigenentwicklungen, wobei die Karosserieform bei allen drei Varianten weitgehend beibehalten wurde. Von allen Moskwitsch-Modellen gab es eine Limousine, einen Kombi und einen Kastenwagen.

1964 kam mit dem Moskwitsch 408 (1964 – 1975) eine neue Generation heraus, die über eine recht gelungene Karosserie verfügte. Der Wagen wurde nicht nur in die Ostblockstaaten exportiert, sondern auch in mehrere westliche Länder (Benelux, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Island, Österreich, Skandinavien). Außer im Moskauer Werk lief der 408 auch in der Maschinenfabrik Ischewsk (Ischmasch), bei Balcancar in Lowetsch (Bulgarien) und in einem Werk in Antwerpen/Belgien (Modelle für Westeuropa) vom Band. Die Fahrzeuge aus Ischewsk wurden ab 1982 als ISCH (engl. IZH) vermarktet, die bulgarischen als Rila und die belgischen als Moskvitch Scaldia.

Moskwitsch
Moskwitsch

Das Nachfolgemodell 412 (Moskau: 1967 – 1976, Ischewsk: 1967 – 2001) hatte eine fast identische Karosserie, aber einen stärkeren Motor (75 statt 50 PS) und zahlreiche technische Verbesserungen. 1968 benannte sich das Unternehmen erneut um, diesmal in Avtomobilnij Zavod Imeni Leninskowo Komsomola (AZLK). Der Moskwitsch 2140 (1976 – 1988) war fast identisch mit dem 412, lediglich marginale Details wurden modernisiert. Erst der Moskwitsch 2141 Aleko (1986 – 2001) bekam eine neue Karosserie, die dem Chrysler/Simca 1307 nachempfunden war. Zeitweise wurde der Aleko auf Auslandsmärkten auch als Lada Aleko vermarktet, da die Marke Lada dort einen größeren Bekanntheitsgrad hatte. Aufgrund der schlechten Verarbeitung konnte dieses Modell außerhalb Russlands jedoch kaum verkauft werden. Das letzte Modell war der Moskwitsch 2142 (1997 – 2002). Anschließend fertigte das nun OAO Moskwitsch genannte Unternehmen für Renault die Modelle Mégane (ab 1999) und Clio (ab 2002). 2004 erwarb Renault das Moskwitsch-Werk ganz und produzierte dort verschiedene Renault- und Dacia-Modelle.

2006 wurde die Aktiengesellschaft OAO Moskwitsch von einem russischen Gericht für insolvent erklärt. Infolge des russischen Angriffs auf die Ukraine und der nachfolgenden Wirtschaftssanktionen zog sich der Renault-Konzern, der auch eine Zeit lang Mehrheitseigentümer von AvtoVAZ (Lada) war, 2022 vollständig aus Russland zurück und verkaufte das Moskauer Werk für einen symbolischen Preis an die Stadt Moskau. Kurz darauf wurde das Staatsunternehmen Moskowskij Awtomobilnij Zawod Moskwitsch gegründet, das die chinesischen Kompakt-SUVs JAC X4 in Lizenz fertigt und in Russland unter dem Namen Moskwitsch 3 vermarktet. 2023 folgte die Mittelklasse-Limousine Moskwitsch 6 (JAC A5).

Text: Toralf Czartowski • Fotos: Pixabay.com, Public Domain