Tory Tordal: Taro Yagur – Kampf um Tanybur

Markenlexikon

Mifa

Ursprungsland: Deutschland

Der Uhrmacher Emil Schütze betrieb zunächst ein Geschäft in Sangerausen, wo er Uhren, optische Geräte, Nähmaschinen, Musikwerke und Fahrräder verkaufte. 1907 gründete er zusammen mit Emil Hesse (1873 – 1936), der zuvor bei den Puch Fahrradwerken in Graz gearbeitet hatte, die Mitteldeutschen Fahrradwerke (Mifa), um eigene Fahrräder zu produzieren. In den 1920er Jahren war Mifa einer der ersten Fahrradhersteller, der seine Produkte über eine Kette von eigenen Läden und direkt ab Werk verkaufte. Teilweise wurden diese Läden von ehemaligen Radrennsportlern betrieben. Das führte dazu, dass bald auch andere Hersteller diesem Beispiel folgten.

Ab 1924 betrieb Mifa einen eigenen Radrennstall, was den Bekanntheitsgrad der Marke noch erhöhte. Der Italiener Alfredo Binda, der erfolgreichste Radrennfahrer der 1920er Jahre, errang viele seiner Siege mit Mifa-Rennrädern. Die Firma machte in dieser Zeit viel Werbung und bot ein Ratenzahlungssystem an, was den Absatz nach oben trieb. Ende der 1920er Jahre fertigten rund siebenhundert Angestellte fast achtzigtausend Fahrräder pro Jahr. Die Weltwirtschaftskrise führte jedoch in den frühen 1930er Jahren zu einem drastischen Einbruch der Verkäufe und damit auch der Produktion. 1939 stellte Mifa die Fahrradproduktion zugunsten der Rüstungsproduktion (Flugzeugteile, Granatzünder, Munition, Transportkarren) ein.

Mifa
Mifa

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Mifa enteignet und in die staatliche Sowjetische Aktiengesellschaft Awtowelo (AWO) eingegliedert. Ab 1946 baute MIFA wieder Fahrräder, die zunächst als Reparationsleistungen an die Sowjetunion geliefert werden mussten. Otto Hesse (1899 – 1979), der nach dem Tod seines Vaters 1936 die Betriebsleitung übernommen hatte, blieb noch bis Ende 1947 Werksdirektor, wurde dann aber entlassen und kam anschließend für mehrere Jahre in das von der sowjetischen Militäradministration in Deutschland genutzte Gefängnis Bautzen. 1950 gab die Sowjetunion das Werk an die DDR zurück.

Mifa wurde nun neben den Diamant-Fahrradwerken in Siegmar-Schönau zum führenden Fahrradhersteller der DDR, wobei Diamant die höherwertigen Fahrräder produzierte. 1961 kam es zum Zusammenschluss von Mifa und dem Fahrradhersteller Möve aus Mühlhausen, woraufhin die Marke Möwe verschwand. Ab 1969 gehörte Mifa neben MZ und Simson zum IFA-Kombinat für Zweiradfahrzeuge Suhl. Sehr erfolgreich waren ab 1967 die Mini-Klappräder mit 20-Zoll-Laufrädern, von denen bis 1978 über 1,5 Millionen Exemplare verkauft wurden. Ab den 1980er Jahren produzierte Mifa auch BMX-Fahrräder, Gepäckräder, Rennräder für Kinder, Saalsporträder, Tandems und Trekking-Räder.

1993 wurde das Unternehmen von der Treuhandanstalt privatisiert, war aber bereits 1995 wieder insolvent. Die neuen Eigentümer konzentrierten sich nun auf die Belieferung von Einzelhandelsketten, Versandhäusern und Baumärkten, die die Mifa-Räder unter verschiedenen Markennamen verkauften (Cyco, Germatec, FunLiner, McKenzie, Mifa, Zündapp). 2004 ging Mifa an die Börse und erwarb in der Folgezeit mehrere deutsche Fahrradhersteller (2006 Biria; 2012 Grace, Steppenwolf). 2014, 2017 und 2020 musste Mifa dreimal Insolvenz anmelden. Aktueller Besitzer des Fahrradwerks in Sangerhausen und der Marke Mifa ist die Firma Zweirad Union e-Mobility, hinter der mehrere deutsche und internationale Investoren stehen.

Text: Toralf Czartowski • Fotos: Public Domain