Markenlexikon

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Microsoft

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Wenn sich Bill Gates irgendwann einmal die Frage stellt, wem er seinen kometenhaften Aufstieg und seinen märchenhaften Reichtum verdankt, dann dürften ihm zwei Namen einfallen. Zum einen Edward Roberts (* 1942), der »Vater des Personal-Computers«, und zum anderen Jack Sams, ein Mitglied des dreizehnköpfigen Expertenteams, das bei IBM für die Entwicklung des PCs zuständig war. Der ehemalige Luftwaffen-Elektroniker Ed Roberts und Besitzer der Firma Micro Instrumentation and Telemetry Systems (MITS), die Funksteuerungen für Modellflugzeuge und Taschenrechnerbausätze herstellte, hatte 1974 zusammen mit den beiden früheren Air-Force-Offizieren William Yates und Jim Bybee einen Computerbausatz auf Basis des Mikroprozessors Intel 8080 entwickelt, der heute als Urvater aller Home- und Personal-Computer gilt. Der nur 397 Dollar teure Altair wurde ohne Software ausgeliefert und besaß keine Tastatur und keinen Monitor. Die Programme mussten mühselig per Kippschalter eingegeben werden und die Ausgabe wurde von Leuchtdioden angezeigt.

MS-BASIC: Da sich die damals üblichen höheren Programmiersprachen wie FORTRAN (Formula Translation) oder COBOL (Common Business-Orientated Language), die für Großrechner und wissenschaftliche Anwendungen entwickelt worden waren, nur sehr bedingt zur Programmierung des Altair eigneten, entwickelten die beiden Studenten William Henry (Bill) Gates III. (* 1955) und Paul Gardner Allen (1953 – 2018), die durch eine Bastlerzeitschrift auf den Bausatz aufmerksam geworden waren, im Computercenter der Harvard-Universität, wo ein Digital Equipment PDP-10 stand, eine eigene Programmiersprache für den Altair. Als Basis diente ihnen die 1964 von John Kemeney und Thomas Kurtz am Dartmouth College in Vermont/New Hampshire für Ausbildungszwecke entwickelte Programmiersprache BASIC (Beginners All-purpose Symbolic Instruction Language). Im Februar 1975 flogen sie nach Albuquerque/New Mexico, dem Sitz von MITS, und erweckten den Altair damit zum Leben. Obwohl der Altair fast gar nichts konnte, was Leute erwarteten, die vorher schon an Großrechnern gearbeitet hatten, entwickelte sich dieser Bausatz zum Renner unter Technikfreaks, von denen einige später noch berühmt werden sollten (Steve Jobs, Steve Wozniak, Peter Norton, Adam Osborne, George Tate). Allein der Wunsch, einen eigenen Computer zu besitzen, war für viele Grund genug, sich solch ein Gerät zuzulegen. Mit dem Altair brach das Zeitalter der Personal-Computer (den Begriff prägte Ed Roberts) an und gleichzeitig markierte er den Anfang des Microsoft-Imperiums.

MICRO-SOFT, MICROSOFT: Im Sommer 1975 gründeten Gates und Allen in Albuquerque die Firma Micro-Soft – ab 1976 in der Schreibweise Microsoft. Der Name war eine Kurzform von Microcomputer-Software (die Bezeichnung Home- oder Personal-Computer war damals noch nicht gebräuchlich). Microsoft verdiente am Anfang noch recht wenig Geld, denn das 500 Dollar teure MS-BASIC wurde von den meisten Altair-Besitzern nicht gekauft, sondern von einem zum anderen weiterkopiert. Dafür entwickelte sich die Programmiersprache allmählich zum Standard der Microcomputer-Branche. 1976 konnte Microsoft die ersten beiden großen Lizenznehmer an Land ziehen: den Computerkonzern NCR (National Cash Register Company) und GE (General Electric). 1978 zog Microsoft nach Seattle, in Gates Geburtsstadt, um.

MS DOS: Der große Wurf gelang Microsoft zwei Jahre später eher durch Zufall. Nachdem immer mehr Firmen wie Apple, Atari, Commodore, Imsai, ITT, MOS Technologies (KIM), Osborne, Sinclair, Tandy/RadioShack, Texas Instruments und sogar der Uhrenhersteller Timex Home-Computer auf den Markt brachten, sah sich auch der Computerkonzern IBM, der bis dahin nur Großrechenanlagen produziert hatte, genötigt, ein eigenes Modell zu entwickeln. Um Zeit und Geld zu sparen, entschied man sich für eine offene Architektur, was bedeutete, dass die meisten Einzelteile und auch die Software von externen Firmen eingekauft werden sollten. Für die Mikroprozessoren kamen vor allem Intel und Motorola in Frage, bei der Software standen Digital Research, deren CP/M (Control Program for Microcomputers) damals das Standard-Betriebssystem für Microcomputer war, Microsoft und auch IBM selbst zur Auswahl. Bei den Prozessoren kam Intel mit dem 8088 zum Zug, bei den Programmiersprachen entschied sich der im IBM-Entwicklungsteam für die Software zuständige Jack Sams für Microsoft, vor allem weil Microsofts BASIC-Variante bei Nutzern von Microcomputern bereits weltweit bekannt war, obwohl die BASIC-Versionen von IBM als funktionaler galten.

Mit Gary Kildall (1942 – 1994), dem CP/M-Entwickler und Besitzer von Digital Research, wurde Sams jedoch nicht handelseinig, sodass IBM nun auch das Betriebssystem bei Microsoft bestellte. Um diese Episode ranken sich inzwischen so viele Legenden, dass die Wahrheit wohl nie herauskommen wird. Und selbst die Betroffenen können oder wollen sich nicht mehr so recht erinnern. Laut Sams weigerten sich Kildalls Frau Dorothy McEwen (1943 – 2005), die für die geschäftlichen Angelegenheiten der Firma zuständig war, sowie der Firmenanwalt, die von IBM üblicherweise geforderte Geheimhaltungsverpflichtung zu unterschreiben. Kildall selbst soll laut Sams bei der Zusammenkunft in Pacific Grove, wo sich der Firmensitz von Digital Research befand, gar anwesend gewesen sein. Kildall behauptete jedoch später, sich erst am Nachmittag, als er von einer Geschäftsreise mit seinem Privatflugzeug zurückgekehrt war, mit den IBM-Unterhändlern getroffen zu haben. Wie dem auch sei, Bill Gates konnte sich jedenfalls die Hände reiben und bald darauf erzählte er während eines Interviews mit der Londoner Times, Gary Kildall sei spazierengeflogen, als die IBM-Leute mit ihm ins Geschäft kommen wollten. Und diese Version ist die heute am weitesten verbreitete, obwohl sie wohl nicht der Wahrheit entspricht. Viel wahrscheinlicher ist, dass Digital Research gar nicht in der Lage war, die Entwicklung einer 16-Bit-Variante von CP/M innerhalb der knappen Frist zu finanzieren.

Microsoft hatte jedoch mit Betriebssystemen nur wenig Erfahrungen, außerdem reichte die Zeit für eine Neuentwicklung nicht aus. Glücklicherweise gab es in Seattle eine kleine Firma namens Seattle Computer Products. Hier hatte der Programmierer Tim Paterson (* 1956) gerade ein neues Betriebssystem für den Intel-8086-Chip fertiggestellt, dessen Quellcode dem von CP/M in Teilen sehr ähnelte. Im Juli 1981 kaufte Microsoft dieses 86-QDOS genannte Betriebssystem (die 86 stand für den Prozessortyp Intel 8086, die Buchstaben für »Quick and Dirty Operating System«) für 50.000 Dollar, modifizierte es für den Intel-8088-Chip, der im IBM-PC zum Einsatz kommen sollte, und benannte es in MS-DOS (Microsoft Disk Operating System) um. Im August 1981 kam der IBM Personal-Computer auf den Markt, und für jeden verkauften Rechner strich Microsoft fortan Lizenzgebühren ein. Richtig lukrativ wurde das Geschäft, als auch andere Hersteller – einer der Ersten war 1983 Compaq – ihre Computer nach dem IBM-Standard bauten und die Software von Microsoft kauften.

MULTIPLAN, WORD, EXCEL, POWERPOINT, ACCESS: Nachdem sich Microsoft als Hersteller von Programmiersprachen und Betriebssystemen etabliert hatte, drang das Unternehmen auch in den lukrativen Markt der Anwenderprogramme vor. 1982 kam das Tabellenkalkulationsprogramm Multiplan auf den Markt, 1983 die Textverarbeitungssoftware Word und 1985 Excel, ebenfalls eine Tabellenkalkulation, 1987 das Präsentationsprogramm PowerPoint (wurde von Forethought gekauft) und 1992 das Datenbankprogramm Access.

WINDOWS: Am erfolgreichsten wurde jedoch die grafische Benutzeroberfläche Windows, deren erste Version 1985 verfügbar war. Der Bildschirm sah nun aus wie ein Büroschreibtisch (engl. Desktop) – mit Ablagen, Aktenschränken und Papierkorb; es gab einfach erkennbare Symbole (Icons) und grafisch gestaltete Menüs, die mit der Maus bedient werden konnten. Außerdem hatten alle Programme, die für Windows geschrieben wurden, die gleiche Funktionsweise, egal von welcher Firma sie stammten. Die grundlegende Technologie war bereits in den 1970er Jahren im Palo Alto Research Center (PARC) von Xerox entwickelt worden. Neben dem Xerox Alto (1973) und dem Xerox Star (1981) verfügten auch der Apple Lisa (1983), der Apple Macintosh (1984), das Betriebssystem Unix (ab 1984; X Window System), der Commodore Amiga (1985) und der Atari ST (1985) über »grafische Benutzeroberflächen« (Graphical User Interface); lediglich die IBM-kompatiblen Personal-Computer begrüßten ihre Nutzer noch immer mit schwarzem Bildschirm und weißer Schrift – bei manchen Betriebssystemen, wie älteren Versionen von Unix (Uniplexed Information and Computing System), war es auch umgekehrt – und der Anwender musste eine ganze Reihe kryptischer Befehle eingeben, bevor das Gerät zum Leben erwachte. Der Name Windows wurde gewählt, weil der Bildschirm in mehrere Fenster (engl. Windows) unterteilt war, in denen man gleichzeitig mit verschiedenen Programmen arbeiten konnte (Multitasking). Über die Frage, wer denn nun welche Rechte an der graphischen Benutzeroberfläche und dem charakteristischen Bildschirmaufbau hat, haben sich Apple und Microsoft jahrelang vor Gericht gestritten. Microsoft-Chef Bill Gates gab dazu einmal folgenden Kommentar ab: »Ich und Steve Jobs [der Chef von Apple Computer] wohnten neben einem reichen Mann namens Xerox, und als ich bei ihm eingebrochen bin, um das Fernsehgerät zu klauen, war Steve schon dabei, es wegzuschaffen.«

1986 ging Microsoft an die Börse und machte seine Gründer und einige Führungskräfte zu Millionären (Gates und Allen gehören seit Jahren zu den reichsten Menschen der Welt und zu den größten Spendern für wohltätige Zwecke, vor allem im medizinischen Bereich). Der endgültige Aufstieg zum Großunternehmen kam 1990, als Windows 3.0 ausgereift war und zum absoluten Verkaufsrenner avancierte. Noch erfolgreicher wurde Windows 3.1 (1992). Mit dem neuen Windows wurden die PCs endlich genauso benutzerfreundlich, wie es die Computer von Apple, Atari und Commodore/Amiga schon lange waren.

OS/2: Daneben entwickelte Microsoft zusammen mit IBM das fortschrittliche 16-Bit-/32-Bit-Betriebssystem OS/2 (1987), das sich jedoch nicht durchsetzen konnte (von 1991 bis 2005 entwickelte IBM OS/2 alleine weiter).

WINDOWS NT: 1993 brachte Microsoft das 32-Bit-Betriebssystem Windows NT (New Technology) für Workstations und Server auf den Markt, das mit Unix und OS/2 konkurrierte, 1995 Windows 95 (16-Bit/32-Bit; erstmals mit Internet Explorer und MSN) und 1998 Windows 98 (16-Bit/32-Bit). Zur Jahrtausendwende kam Windows 2000 auf den Markt, eine Weiterentwicklung von Windows NT 4.0, kurz darauf Windows Me (Millennium Edition) für Heimanwender, das letzte Microsoft-Betriebssystem, das noch auf MS-DOS basierte. 2001 folgte Windows XP (eXPerience), dann Windows Server 2003, 2006 das weniger erfolgreiche Windows Vista, 2009 Windows 7, 2012 das für Smartphones, Tabletcomputer und Desktopcomputer gleichermaßen geeignete Windows 8, das mit seinem ungewohnten Kachellayout jedoch für einigen Unmut bei den Anwendern sorgte und 2015 schließlich Windows 10, dass es das erste Jahr kostenlos gab, um die Nutzer der sehr beliebten Windows-Varianten XP und Windows 7 endlich zum Umstieg auf die moderneren Varianten zu bewegen.

MS OFFICE: Die wichtigsten Büroanwendungen wurden 1991 in dem Programmpaket MS Office zusammengefasst (Access, Excel, PowerPoint, Publisher, Word – ab 1997 auch Outlook).

MSN, INTERNET EXPLORER (IE), BING: Mit der Veröffentlichung des Betriebssytems Windows 95 stellte Microsoft erstmals einen in das Betriebssystem integrierten Zugang zum Internet zur Verfügung, erst MSN (Microsoft Network) und ab Windows 95B (1996) den Webbrowser Internet Explorer (IE). Durch die Einbindung des IE in das Betriebssystem Windows, das weltweit auf der Mehrzahl aller PCs installiert war, konnte Microsoft den damals weit verbreiteten Netscape Navigator innerhalb weniger Jahre in die Bedeutungslosigkeit drängen. Aus dem Netscape Navigator entstand allerdings ab 2004 der neue und überaus erfolgreiche Browser Firefox. Ab 1998 konnten MSN-Nutzer mit Hilfe von MSN Search das Internet durchsuchen; die Suchergebnisse stammten anfangs von der Suchmaschine Inktomi, später auch von AltaVista und Picsearch. Ab 2005/2006 löste Microsoft die persönlichen Dienste wie Messenger, Hotmail oder Search aus MSN heraus und benannte sie in Windows Live um. Aus MSN Search wurde so Windows Live Search. Durch die Vereinigung der Such- und Kartendienste Windows Live Search und Windows Live Maps entstand 2009 die Suchmaschine Bing.

XBOX: Ende 2001 brachte Microsoft die Spielkonsole Xbox auf den Markt und erschloss sich damit ein vollkommen neues Betätigungsfeld, das bis dahin von Nintendo, Sony und Sega dominiert worden war. Hergestellt werden die Konsolen von Flextronics (Singapur) und Foxconn (China). Daneben veröffentlicht Microsoft Computerspiele, u.a. den »Flight Simulator« (wurde 1988 von Microsoft gekauft), »Age of Empires« oder »Halo: Combat Evolved«, die jedoch teilweise von anderen Firmen wie Bungie (gehörte von 2001 bis 2007 zu Microsoft) oder den Ensemble Studios (gehört seit 2001 zu Microsoft) entwickelt werden.

ONE DRIVE, AZURE: 2007 startete Microsoft den Online-Datenspeicherungs-Dienst Windows Live Folders, der kurz darauf in SkyDrive und dann 2014 wegen der Namensähnlichkeit mit dem britischen Pay-TV-Sender Sky in Microsoft OneDrive umbenannt wurde. Für den professionellen Bereich steht seit 2010 die Cloud-Plattform Windows Azure zur Verfügung.

Seit 2009 betreibt Microsoft in den USA, Kanada und Puerto Rico eine Kette von Einzelhandelsgeschäften, in denen die Microsoft-Produkte angeboten werden. Der erste Microsoft Store eröffnete am 22. Oktober Scottsdale/Arizona.

MICROSOFT MOBILE (NOKIA): 2010 wurde der frühere Microsoft-Manager Stephen Elop Vorstandschef des finnischen Mobiltelefonkonzerns Nokia, woraufhin Nokia und Microsoft eng kooperierten. Microsoft verwendete Nokias Kartendienste, und Nokia gab das eigene Betriebssystem Symbian zugunsten des gerade neu entwickelten Windows Phone auf. Zu dieser Zeit hatte Nokia allerdings schon lange unter der immer stärker werdenden Konkurrenz von Apples iPhone und den Google-Android-Smartphones zu leiden; die Marktanteile gingen stetig zurück und 2012 wurden die Finnen als weltgrößter Mobiltelefon-Hersteller von Samsung abgelöst. Microsoft wiederum hatte mit einem eigenen Mobiltelefon namens Kin (Hersteller: Sharp) 2010 ebenfalls Schiffbruch erlitten. 2013/14 übernahm Microsoft schließlich die gesamte Mobiltelefon-Sparte von Nokia mit mehreren Produktionsstandorten und 32.000 Mitarbeitern. Nokia konzentriert sich nun ganz auf das Netzwerkgeschäft. Doch auch dieser Versuch im Smartphone-Geschäft Fuß zu fassen ging für Microsoft gründlich in die Hose. Die Geräte mit Windows Phone verkauften sich auch weiterhin eher schlecht als recht. Die Produktpalette wurde immer weiter ausgedünnt und tausende Mitarbeiter der ehemaligen Nokia-Standorte verloren ihre Jobs.

SKYPE: 2011 erwarb Microsoft für 8,5 Milliarden US-Dollar das Internet-Telefonie-Unternehmen Skype Technologies, das seit 2003 den Instant-Messaging-Dienst Skype betrieb. Der Skype-Kauf war die bis dahin teuerste Übernahme in der Geschichte von Microsoft.

SURFACE: 2013 brachte Microsoft den Tablet-PC Surface auf den Markt; produziert werden die Geräte von Pegatron Technology aus Taiwan, ein Auftragsfertiger, der 2008/2009 von Asus abgespalten worden war. Mit der Übernahme des 2003 gegründeten Business-Netzwerks LinkedIn (2016) will sich Microsoft unter Leitung des Vorstandschefs Satya Nadella (seit 2014) weiter in Richtung Cloud-Computing und Online-Dienstleistungen entwickeln. Der aus Indien stammende Nadella war schon zuvor für den Cloud-Bereich von Microsoft zuständig gewesen. 2016 brachte Microsoft die Augmented-Reality-Brille HoloLens auf den Markt, die es dem Nutzer ermöglicht, interaktive 3D-Projektionen in der realen Umgebung darzustellen.

JEDI: Ende 2019 erhielt Microsoft vom US-Verteidigungsministeriums den Zuschlag zur Modernisierung des Pentagon-Cloud-Systems (Joint Enterprise Defense Infrastructure/Jedi). Damit setzte sich der Konzern gegen Mitbewerber wie Amazon, IBM und Oracle durch; Google hatte sich aufgrund ethischer Bedenken bereits Ende 2018 aus dem Jedi-Projekt zurückgezogen.

Der Name Bill Gates wird inzwischen in einem Atemzug mit Unternehmern wie John D. Rockefeller und Henry Ford genannt. So wie Rockefeller die chaotische Ölindustrie des späten 19. Jahrhunderts in geordnete Bahnen lenkte und Henry Ford das Luxusprodukt Auto durch seine Fließbandherstellung für jedermann erschwinglich machte, so kann sich Bill Gates das Verdienst anrechnen, einen weltweiten Standard für PC-Software geschaffen zu haben. Die Dominanz der Microsoft-Software bei den Personal-Computern (zeitweise war auf bis zu 90 Prozent aller weltweit verkauften PCs Software von Microsoft installiert) führten jedoch auch dazu, dass der Konzern ab Ende der 1990er Jahre jahrelang mit den US-Kartellbehörden und der EU-Kommission zu tun hatte, die beide in dieser Vormachtstellung eine ernste Bedrohung für den freien Wettbewerb sahen. Eine Aufteilung des Konzerns in zwei separate Unternehmen für Betriebssysteme und Anwendungssoftware konnte jedoch verhindert werden.

MICROSOFT – APPLE: 1997 beteiligte sich Microsoft mit 150 Millionen Dollar am Computerpionier Apple, der damals gerade in großen Schwierigkeiten steckte. Damit wollte der Windows-Hersteller den möglichen Konkurs des einzigen Anbieters eines alternativen Betriebsystems (Mac OS) verhindern. Im Jahr 2000 tauschte Microsoft die 150.000 stimmrechtslosen Aktien in normale Anteilsscheine ein, drei Jahre später wurden sie ganz abgestoßen.

Ab dem Jahr 2000 zog sich Bill Gates nach und nach aus der aktiven Geschäftführung von Microsoft zurück. Im Januar 2000 gab er den Posten des Chief Executive Officers (CEO) an seinen langjährigen Mitarbeiter Steve Ballmer ab. Die Leitung der Entwicklungsabteilung übernahm 2006 Ray Ozzie, der Mitentwickler von Lotus Symphony und Lotus Notes. Am 27. Juni 2008 arbeitete Bill Gates zum letzten Mal bei Microsoft, ist aber weiterhin Vorsitzender des Aufsichtsrates (Chairman of the Board). Bill Gates engagiert sich inzwischen gemeinsam mit seiner Frau Melinda vor allem für die Bill & Melinda Gates Foundation (Globale Entwicklung, Gesundheit und Bildung); die 1994 unter dem Namen William H. Gates Foundation gegründete Stiftung ist die größte Privat-Stiftung der Welt. Zwischen 1994 und 2014 war Bill Gates laut Forbes Magazin 15 Mal der reichste Mensch der Welt. Bill Gates gehört außerdem die größten Bildagentur der Welt (Corbis).

Paul Allen schied bereits 1983 bei Microsoft aus, nachdem bei ihm ein bösartiger Tumor des Lymphsystems entdeckt worden war. Allerdings blieb er noch bis ins Jahr 2000 Mitglied des Microsoft-Aufsichtsrates und Strategischer Berater. Allen war bis zu seinem Tod im Jahr 2018 über seine Firma Vulcan an rund 140 Unternehmen aus der IT-Branche beiteiligt, außerdem besaß er mehrere US-Profisportteams und eine umfangreiche Kunstsammlung. Die 1986 gegründete Paul G. Allen Family Foundation unterstützt gemeinnützige Organisationen aus dem medizinischen, wissenschaftlichen und technologischen Bereich mit jährlich fast 30 Millionen US-Dollar. Weiterhin finanzierte er Projekte und Institute wie SETI (Suche nach extraterrestrischer Intelligenz), Experience Music Project, SpaceShipOne, Allen Institute for Brain Science, Allen Institute for Artificial Intelligence und Allen Center for Computer Science & Engineering.

Gary Kildall, dem Microsoft zumindest indirekt den Aufstieg zum weltweit führenden Software-Konzern verdankt, verkaufte seine Firma Digital Research 1991 für 120 Millionen Dollar an das Software-Unternehmen Novell. Die Betriebssysteme des Unternehmens (u.a. 1983 GEM/Graphics Environment Manager, 1984 CP/M 86, 1989 DR-DOS) hatten sich gegen MS-DOS nie durchsetzen können. Bis zu seinem Tod war er der festen Überzeugung, dass MS-DOS ein Plagiat von CP/M ist. Zu einem gerichtlichen Prozess gegen IBM oder Microsoft kam es jedoch nie, wohl auch weil Kildall die damit verbundenen Kosten scheute. Während mehrerer Interviews sagte er jedoch folgendes: »Ask Bill [Gates] why the string in [MS-DOS] function 9 is terminated by a dollar sign. Ask him, because he can't answer. Only I know that.« (»Fragen Sie Bill [Gates], warum die Zeichenkette in der [MS-DOS] Funktion 9 mit einem Dollarzeichen endet. Er kann nicht antworten. Nur ich weiß es.«). Kildall starb 1994 an den Folgen einer Schlägerei in einer Biker-Bar in Monterey/California.


Skype

Der Schwede Niklas Zennström (* 1966) und der Däne Janus Friis (* 1976) lernten sich 1996 in der dänischen Niederlassung des schwedischen Telekom-Unternehmens Tele2 kennen, wo beide damals arbeiteten – Zennström als Niederlassungleiter und Friis als Verantwortlicher für die Supportabteilung. Von 2001 bis 2002 betrieben sie kurzzeitig die Internet-Tauschbörse Kazaa, die auf dem Peer-to-Peer-Netzwerkprotokoll FastTrack basierte. Kazaa und FastTrack waren von der estnischen Firma BlueMoon Interactive und dessen Chefprogrammierer Jaan Tallinn (* 1972) entwickelt worden. Kazaa geriet jedoch in den USA und den Niederlanden, wo die Betreiberfirma Consumer Empowerment ansässig war, bald mit der Musik- und Filmindustrie gerichtlich aneinander, sodass Zennström und Friis die Tauschbörse Anfang 2002 an die Firma Sharman Networks (Sitz in Sydney/Australien, registriert in Vanuatu) abgaben. Hinter Sharman Networks steckte die britisch-australische Unternehmerin Nicola Anne (Nikki) Hemming (* 1967), die zuvor bei Virgin Interactive, Grandslam Entertainment, Sega World und Viacom gearbeitet hatte.

Die Idee für den Instant-Messaging-Dienst Skype entstand im Sommer 2002 und auch hier war Jaan Tallinn wieder Chefentwickler. Im August 2003 veröffentlichte das Entwickler-Team (Jaan Tallinn, Ahti Heinla, Priit Kasesalu) die erste Testversion (Beta-Version), die endgültige Version folgte im Juli 2004 (Final Version 1.0 für Windows 2000 und XP). Skype ermöglichte den Nutzern kostenloses, verschlüsseltes und damit weitgehend abhörsicheres Telefonieren über das Internet. Die Möglichkeit mittels Skype auch in herkömmlichen Fest- und Mobilfunknetzen zu telefonieren, gab es anfangs noch nicht.

In den nächsten Jahren wurde Skype ständig um neue Funktionen erweitert, u.a. Anrufbeantworter (2005), Anrufweiterleitung ins Festnetz (2005), Skype-Festnetznummer (2005), Videokonferenzen (2006), SMS (2006), öffentliche Chats (2006), Integration der Outlook-Kontakte (2006), nachträgliche Korrekturen von bereits abgesandten Chat-Nachrichten (2007), Integration in Facebook (2010) oder Senden/Empfangen von Videonachrichten (2013).

Skype war keineswegs das erste Unternehmen, das Internet-Telefonie (IP-Telefonie, Voice over IP) anbot. Bereits 1973 wurden digitale Gespräche im ARPANET, dem Vorgänger des Internet, zwischen zwei Digital-PDP-11-Rechnern per Network Voice Protokoll übertragen. Neu war bei Skype lediglich, dass das nicht offengelegte Protokoll auf der Peer-to-Peer-Technik (P2P) basierte. In einem P2P-Netz sind alle Rechner gleichberechtigt und können Dienste in Anspruch nehmen oder zur Verfügung stellen.

Zennström und Friis gründeten im Juli 2003 mit finanzieller Unterstützung der Draper Investment Company die Skype Technologies S.A. (Luxemburg). Der Name Skype leitet sich von den Wörtern »Sky« (engl. Himmel) und »peer-to-peer« ab. Ursprünglich war als Name Skyper geplant, da diese Domain aber schon vergeben war, ließ man das »r« einfach wegfallen. Bis Ende des Jahres 2003 hatten bereits über 3,3 Millionen Nutzer die Skype-Software heruntergeladen, im Dezember 2004 waren es schon 46,8 Millionen.

Im Oktober 2005 verkauften Zennström und Friis die Skype Technologies S.A. für 3,1 Milliarden US-Dollar an den E-Commerce-Konzern Ebay Inc. Ein Teil davon wurde in Ebay-Aktien bezahlt. Nachdem die erwarteten Synergie-Effekte zwischen Ebay, der damaligen Ebay-Tochter PayPal und Skype nicht in Erfüllung gegangen waren, veräußerte Ebay 65 Prozent der Skype-Anteile 2009 an eine private Investorengruppe (Silver Lake Partners, Index Ventures, Andreessen Horowitz, CPC Investment Board). Ein geplanter Börsengang von Skype 2010 wurde nicht realisiert. 2011 entbrannte um Skype ein Bieterwettstreit zwischen Microsoft, Google (wollte Skype bereits 2005 kaufen), Facebook und Cisco, den Microsoft mit einem Kaufpreis von 8,5 Milliarden US-Dollar schließlich für sich entscheiden konnte.

Microsoft ist inzwischen von der ursprünglichen Skype-Architektur (dezentrales Peer-to-Peer-Rechnernetz) abgewichen und verwendet die hauseigene Cloud-Plattform Windows Azure. Skype ist für die meisten gängigen Betriebsysteme verfügbar (u.a. Android, Apple iOS, Blackberry, Linux, Mac OS X, Maemo, PSP, Symbian, Windows, Xbox One), kann aber auch direkt über einen Browser benutzt werden.

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 10.11.2019 | 13:56