Markenlexikon
Nachdem der New Yorker Kinobetreiber Marcus Loew (1870 – 1927) die Hollywood-Filmstudios Metro Pictures (1920) und Goldwyn Pictures (1924) erworben hatte, schloss er beide Firmen unter dem Namen Metro-Goldwyn zusammen und beauftragte den Metro-Mitgründer Louis Burt Mayer (1884 – 1957) mit der Leitung des Studios. Der hängte dem Firmennamen noch seinen eigenen an. Als Produktionschef setzte Mayer Irving Thalberg (1899 – 1936) ein, der in dem Ruf stand, den richtigen Riecher für umsatzträchtige Stoffe zu haben, und mit dem er schon länger zusammengearbeitet hatte. Goldwyn-Mitgründer Sam Goldwyn (1879 – 1974) war zu diesem Zeitpunkt bereits wieder als freier Filmproduzent tätig; mit Metro-Goldwyn-Mayer hatte er nie etwas zu tun.
Das 1915 von dem Produzenten und Regisseur Thomas Ince erbaute Triangle-Film-Studio in Culver City (zwischen Los Angeles und Santa Monica), das Sam Goldwyn 1918 erworben hatte, wurde nach der Fusion zum MGM-Studio. Auch das von Howard Dietz entworfene Löwenlogo übernahm man von Goldwyn Pictures. Um der damals noch verrufenen Schauspielkunst mehr Ansehen zu verleihen, regte Mayer die Schaffung eines Filmpreises an, der ab 1929 unter dem inoffiziellen Namen Oscar vergeben wurde.
MGM produzierte aufwendige und prächtig ausgestattete Filme, sodass das Studio lange Zeit als das Hochklassigste in Hollywood galt. Zu den Stars, die bei MGM unter Vertrag standen, gehörten Adolphe Menjou, Clark Gable, Debbie Reynolds, Gene Kelly, Grace Kelly, Greta Garbo, Johnny Weissmuller, Judy Garland, Katharine Hepburn, Lana Turner, Liz Taylor, die Marx Brothers, Myrna Loy, Robert Taylor und Spencer Tracy. Zeitweise arbeiteten in Culver City über fünftausend fest angestellte Schauspieler, Regisseure, Drehbuchautoren, Komponisten und sonstige Filmschaffende.
1946 rief MGM eine eigene Plattenfirma ins Leben und nahm ein Presswerk in Bloomfield/New Jersey in Betrieb. Zunächst bestand das Repertoire aus Soundtracks aus den MGM-Filmen, bald kamen Klassikaufnahmen hinzu. Ab den 1950er Jahren veröffentlichte MGM Records auch Platten mit Pop- und Country-Musik (Connie Francis, Conway Twitty, C. W. McCall, Hank Williams, Gloria Gaynor, Herman’s Hermits, Roy Acuff, The Animals, The Osmonds). 1961 erwarb MGM Records zudem das auf Jazzmusik spezialisierte Label Verve Records.
Ab Ende der 1940er Jahre, als das neue Medium Fernsehen den Filmstudios Konkurrenz machte und die Einnahmen zurückgingen, kam es zwischen L. B. Mayer, dem Produktionsleiter Dore Schary und Nicholas Schenck, dem Präsidenten der MGM-Muttergesellschaft Loew’s, zu einem Machtkampf um die zukünftige finanzielle und künstlerische Ausrichtung des Studios. 1951 musste Mayer MGM schließlich verlassen.
Ab 1956 produzierte MGM auch Filme und Serien für das Fernsehen, teilweise in Zusammenarbeit mit unabhängigen Produzenten wie Ivan Tors (Daktari, Flipper). Von 1937 bis 1958 betrieb MGM ein eigenes Animationsstudio, in dem berühmte Trickfilmserien wie Tom & Jerry und Droopy Dog entstanden. Nachdem MGM sein Cartoon-Studio geschlossen hatte, gründeten die Tom-&-Jerry-Schöpfer William Hanna und Joseph Barbera ihr eigenes Trickfilmstudio, das später Zeichentrickserien wie Die Jetsons, Familie Feuerstein, Scooby-Doo oder Yogi Bärs produzierte.
Um eine Monopolisierung von Filmproduktion, Verleih und Kinoaufführung zu verhindern, musste sich Loew’s/MGM, wie auch alle anderen Filmstudios in dieser Zeit, 1959 in zwei voneinander unabhängige Unternehmen trennen. Loew’s behielt die Kinos, MGM das Studio (Produktion) und die Verleihorganisation. Loew’s baute und betrieb in der Folgezeit vor allem Hotels und erwarb Beteiligungen an zahlreichen anderen Unternehmen.
1966/1967 beteiligten sich Edgar Bronfman Sr. (Erbe des kanadischen Spirituosenkonzerns Seagram) und der Zeitschriftenverlag Time Inc. (Time Magazine) an MGM, verkauften ihre Anteile aber schon 1969 an die Investmentfirma Tracinda, die dem ehemaligen Berufspiloten und Airline-Besitzer Kirk Kerkorian (1917 – 2015) gehörte. Kerkorian veranlasste in der ersten Hälfte der 1970er Jahre die Schließung der Borehamwood Studios bei London, die MGM 1948 gekauft hatte, und der Verleihabteilung; den Nordamerika-Verleih übernahm daraufhin United Artists, den internationalen Verleih das Paramount-/Universal-Jointventure Cinema International Corporation (ab 1981 UIP United International Pictures). MGM Records wurde an den deutsch-niederländischen Musikkonzern PolyGram (Deutsche Grammophon, Mercury, Philips, Phonogram, Polydor, Vertigo) verkauft und Teile des Studios in Culver City an die Fernsehproduktionsfirma Lorimar. Dafür steckte Kerkorian viel Geld in Hotels in Las Vegas, die er entweder kaufte (Flamingo) oder neu errichten ließ (MGM Grand Hotel). 1980 teilte sich Metro-Goldwyn-Mayer in zwei separate Unternehmen auf (Metro-Goldwyn-Mayer, MGM Grand Hotels).
1981 erwarb Tracinda die zum Finanzkonzern Transamerica gehörende United Artists Corporation, die sich gerade in einer schweren finanziellen Krise befand, und schloss beide Unternehmen zusammen. Damit kam MGM/UA in den Besitz der erfolgreichen UA-Filmreihen James Bond und Rocky.
1986 verkaufte Tracinda MGM (ohne UA) an Ted Turner, der für seine Fernsehsender ein Filmarchiv benötigte. Turner veräußerte daraufhin den Rest des Studiogeländes und das Metrocolor-Filmlabor an Lorimar (Dallas, Die Waltons). Die übriggebliebene MGM-Firmenhülle (ohne Filmarchiv, Technik, Studio) erwarb Tracinda noch 1986 wieder zurück, nur um sie schon 1989 an die australische Fernsehgesellschaft Quintex zu verkaufen, die das Studio 1990 an Pathé Communications weiterreichte.
Hinter Pathé standen der französische Investor Max Theret, die beiden Italiener Giancarlo Parretti und Florio Fiorini, die kurz zuvor das traditionsreiche französische Filmunternehmen Pathé und die insolvente US-Filmgesellschaft Cannon gekauft hatten, sowie die staatliche französische Bank Crédit Lyonnais als Geldgeber. Der Schuldenberg von MGM-Pathé wuchs jedoch schnell ins Unermessliche und bald kamen auch noch Gerüchte über Geldwäsche und Mafia-Verbindungen auf. Parretti wurde mehrmals verhaftet und vor Gericht gestellt. Schließlich zog die CL-Bank die Notbremse und übernahm MGM-Pathé 1992 selbst. Pathé wurde kurz darauf an den französischen Mischkonzern Chargeurs verkauft, Metro-Goldwyn-Mayer 1996 an eine Investorengruppe (MGM-Management, Seven Network/Australien, Tracinda). Aufgrund der undurchsichtigen geschäftlichen Aktivitäten der damaligen Eigentümer versank MGM in den 1990er Jahren in die Bedeutungslosigkeit.
1997 ging Metro-Goldwyn-Mayer (inkl. der Tochtergesellschaft United Artists) an die Börse, wobei Tracinda auch weiterhin große Anteile besaß. Im selben Jahr übernahm MGM den Entertainmentbereich der Metromedia International Group, zu der Orion Pictures, Goldwyn Entertainment (war von Sam Goldwyns gleichnamigen Sohn 1978 gegründet worden) und die Motion Picture Corporation of America gehörten. 1999 erwarb MGM Teile des Archivs von PolyGram Filmed Entertainment (Filme bis 1996). Durch diese Übernahmen und die eigenen neueren Filme (ab 1986) kam MGM wieder in den Besitz eines umfangreichen Filmarchivs und tausender Fernsehprogramme. 2001 zog sich MGM aus der Verleihorganisation UIP zurück und nutzte fortan außerhalb Nordamerikas andere Verleihfirmen.
2004 verkaufte Tracinda die MGM-Anteile an ein Investoren-Konsortium unter Führung des Sony-Konzerns, dessen Ziel es war, die Unterstützung der Blu-ray Disc bei MGM und United Artists sicherzustellen. Sony gehörte zur Entwicklergruppe dieses damals neuen Speichermediums und besaß bereits die beiden Filmstudios Columbia Pictures und TriStar Pictures. Auch der Time-Warner-Konzern (Warner Bros.), der anfangs die mit der Blu-ray konkurrierende HD-DVD unterstützte, hatte sich am Bieterwettbewerb beteiligt. Ende 2010 befand sich MGM kurzzeitig wegen Überschuldung in einem Gläubigerschutzverfahren. 2021/2022 wurde MGM von dem Internetkonzern Amazon übernommen, der mit einem Inhalte-Anbieter den eigenen Streamingdienst Prime Video gegenüber den Konkurrenten Netflix und Disney stärken will.
Seit MGM das Studiogelände in Culver City 1986 an Lorimar verkauft hatte, zog das Unternehmen mehrmals um: 1987 in ein Bürogebäude direkt neben dem ehemaligen Studiogelände, 1990 in die Pathé-Cannon-Zentrale nach Beverly Hills, 1991 wieder zurück nach Culver City neben das ehemalige Studio, 1992 nach Santa Monica, 2003 in den neuerrichteten MGM-Tower nach Century City (ein Stadtteil von Los Angeles, das auf Teilen des Studios von 20th Century Fox errichtet worden war), 2011 in ein Bürogebäude nach Beverly Hills, wo einst die Talentagentur William Morris Agency ansässig gewesen war, und 2022 erneut nach Culver City in die Culver Studios, wo die Amazon Studios seit 2017 ihren Sitz hatten. Dieses zweite Studio in Culver City war ebenfalls von Thomas Ince errichtet worden, nachdem er seine Anteile am Triangle-Studio verkauft hatte. Im Laufe der Jahre gehörte dieses Studio, das sich nordöstlich des ehemaligen MGM-Studios befindet, Thomas Ince (1918 – 1925), Cecil B. De Mille (1925 – 1928), Pathé Exchange (1928 – 1931), RKO-Pathé (1931 – 1935), David O’ Selznick (1935 – 1956) und Desilu Productions (1956 – 1970). Das ehemalige MGM-Studio in Culver City verkaufte Warner Bros. nach der Lorimar-Übernahme (1988) 1990 an den Sony-Konzern, der kurz zuvor Columbia Pictures erworben hatte. Ein von 1972 bis 1989 von Warner Bros. und Columbia gemeinsam betriebenes Studio in Burbank/California ging dagegen in den Besitz von Warner Bros. über.
Zu den erfolgreichsten Filme, an deren Produktion, Finanzierung oder Verleih Metro-Goldwyn-Mayer beteiligt war, gehören die Kinofilmreihen Der rosarote Panther (ab 1982), James Bond (ab 1982), Rocky (ab 1982) und Stargate (ab 1994), die Kinofilme 2001 – Odyssee im Weltraum (1968), Agenten sterben einsam (1968), Anna Karenina (1935), Annie Get Your Gun (1950), Ben-Hur (1925, 1959), Broadway Melodie 1950 (1945), Cimarron (1960), Coma (1978), Das Haus der Lady Alquist (1944), Das dreckige Dutzend (1967), Das gibt’s nie wieder (1974), Das siebte Kreuz (1944), Das war der wilde Westen (1963), Das zauberhafte Land (1939), Der Wind und der Löwe (1975), Der dünne Mann (1934), Der große Ziegfeld (1936), Der unsichtbare Dritte (1959), Die Brüder Karamasow (1957), Die Kameliendame (1936), Die Katze auf dem heißen Blechdach (1958), Die Marx Brothers in der Oper (1935), Die Ritter der Tafelrunde (1953), Die Wunderwelt der Gebrüder Grimm (1962), Die oberen Zehntausend (1956), Die vier apokalyptischen Reiter (1962), Dr. Schiwago (1965), Du sollst mein Glücksstern sein (1952), Ein Amerikaner in Paris (1951), Ein Fisch namens Wanda (1988), Fame (1980), Flucht ins 23. Jahrhundert (1976), Gigi (1958), Grand Prix (1966), Im Jahr des Drachen (1985), Im Netz der Leidenschaften (1946), Ivanhoe – Der schwarze Ritter (1952), Kampf der Titanen (1981), König der Könige (1960), Königin Christine (1933), Mata Hari (1931), Menschen im Hotel (1932), Meuterei auf der Bounty (1935, 1962), Mogambo (1953), Mondsüchtig (1987), Network (1976), Telefon (1977), Ninotschka (1939), Pat Garrett jagt Billy the Kid (1973), Poltergeist (1982), Quo Vadis (1951), Shaft (1971), Solyent Green (1973), Spaceballs (1987), Stadt der Illusionen (1952), Stadt in Angst (1955), Tarzan – Der Affenmensch (1932), Thelma & Louise (1991), Vater der Braut (1950), Vom Winde verweht (1939) und Westworld (1973) sowie die Fernsehserien Daktari (1966 – 1969), Droopy Dog (1943 – 1955), Flipper (1964 – 1967), Stargate (ab 1997) und Tom & Jerry (1940 – 1986).
Text: Toralf Czartowski • Fotos: Unsplash.com, Pixabay.com, Public Domain