Markenlexikon

Mercedes-Benz

Ursprungsland: Deutschland

Der Maschinenbauingenieur Karl (Carl) Friedrich Michael Benz (1844 – 1929) betrieb ab 1871 in Mannheim eine eigene Werkstatt, wo er 1878/1879 seinen ersten Verbrennungsmotor baute, einen verdichtungslosen Zweitakter. 1883 rief er die Firma Benz & Cie. Rheinische Gasmotorenfabrik ins Leben, die seine Motoren produzierte; sie kamen zunächst als Stationärmotoren zum Einsatz. 1885 baute Benz ein dreirädriges, kutschenähnliches Fahrzeug mit einem 0,75 PS starken Einzylinder-Viertaktmotor, das als erstes Automobil der Welt in die Geschichte einging. Die erste Probefahrt fand im Sommer 1885 in Mannheim statt, die erste öffentliche Vorführung im Juli 1886 ebenfalls in Mannheim. Im November 1886 bekam er für dieses Fahrzeug ein Patent erteilt (Benz Patent-Motorwagen Nummer 1). Im August 1888 stellte das Großherzoglich Badische Bezirksamt für Carl Benz den allerersten Führerschein der Welt aus. Kurz darauf fuhr seine Ehefrau Bertha mit dem Benz Patent-Motorwagen Nummer 3 von Mannheim nach Pforzheim, was insgesamt rund zwölf Stunden dauerte, und wieder zurück. Diese Fahrt, bei der auch die gemeinsamen Söhne Eugen und Richard dabei waren, ging als erste automobile Fernfahrt in die Geschichte ein. Die Stadtapotheke von Wisloch, die das Fahrzeug unterwegs mit Leichtbenzin (Ligroin) versorgte, wurde zur ersten Tankstelle.

Gottfried Wilhelm Daimler (1834 – 1900) und August Wilhelm Maybach (1846 – 1929) arbeiteten zunächst bei der Gasmotorenfabrik Deutz in Köln an der Weiterentwicklung des von Nikolaus August Otto konstruierten stationären Viertaktmotors. 1882 gründete Daimler in Cannstatt bei Stuttgart eine eigene Werkstatt und stellte Maybach als Konstrukteur ein. 1883 entwickelte Maybach einen schnell laufenden Einzylinder-Viertaktmotor für Kraftfahrzeuge, der mit Benzin betrieben wurde (anstatt mit Gas wie die damaligen Stationärmotoren). 1885 bauten Daimler und Maybach ihren Motor in ein zweirädriges Vehikel aus Holz ein. Dieser so genannte Reitwagen gilt als erstes Motorrad der Welt. 1886 kam Maybachs Motor in einer Kutsche und einem Boot zum Einsatz, womit das zweite Automobil und das erste Motorboot entstanden waren. Daimlers Motorkutsche war auch das erste vierrädrige Kraftfahrzeug der Welt. 1890 gründete Daimler mit zwei weiteren Teilhabern die Daimler Motoren-Gesellschaft.

Beide Unternehmen blieben auch weiterhin federführend bei der Entwicklung des Automobils. Daimler baute 1890 den ersten Lastwagen der Welt, Benz 1895 den ersten Omnibus. Um die Jahrhundertwende war Benz der größte Autohersteller der Welt und Daimler besaß bereits Niederlassungen und Produktionsstätten in Großbritannien, Österreich und den USA, die jedoch später entweder geschlossen wurden oder aus denen von Daimler Stuttgart unabhängige Unternehmen hervorgingen (Austro-Daimler, Austro-Daimler-Puch und Steyr-Daimler-Puch in Österreich, Daimler Motor in Großbritannien). Von 1903 bis 1905 zog die Daimler Motoren-Gesellschaft von Cannstatt nach Stuttgart-Untertürkheim um. 1914/1915 wurde ein weiteres Daimler-Werk in Sindelfingen errichtet. Auch das Benz-Werk in der Mannheimer Innenstadt stieß bald an seine Kapazitätsgrenze. Daher wurde 1909 in Mannheim-Waldhof eine komplett neue Fabrik in Betrieb genommen. Im gleichen Jahr erwarb Benz die Süddeutsche Automobilfabrik in Gaggenau, die vor allem Nutzfahrzeuge produzierte.

Im Laufe des Jahres 1900 entwickelte Daimler-Chefkonstrukteur Maybach ein vollkommen neues Fahrzeug, mit dem der Wandel von der motorisierten Kutsche zum eigenständigen Automobil begann. Die Räder waren nun kleiner, die Karosserie wurde tiefer gelegt und das Lenkrad saß nicht mehr in der Mitte, sondern direkt vor dem Fahrer auf der Fahrerseite. Der österreichisch-ungarische Geschäftsmann, Diplomat und Rennfahrer Emil Jellinek (1853 – 1918), damals einer der größten Abnehmer von Daimler-Fahrzeugen, sicherte sich die Verkaufsrechte für Belgien, Frankreich, Österreich-Ungarn und die USA. In Frankreich besaß jedoch bereits die Firma Panhard & Levassor die Vertriebsrechte für Daimler-Fahrzeuge, sodass Jellinek das neue Auto dort unter dem Namen Mercedes (span. Gnade) verkaufte. Das war der Kosename seiner Tochter Adrienne Manuela Ramona Jellinek (1889 – 1929). Ab 1902 wurden dann alle Autos der Daimler Motoren-Gesellschaft als Mercedes verkauft. 1909 kam der dreizackige Stern als Markenzeichen für die Mercedes-Automobile auf, ab 1916 mit Ring. Die drei Zacken sollten die Einsatzmöglichkeiten der Daimler-Motoren symbolisieren: zu Lande (Automobile), zu Wasser (Bootsmotoren) und in der Luft (Flugmotoren).

Mercedes-Benz
Mercedes-Benz

Wilhelm Maybach gründete 1909 zusammen mit seinem Sohn Karl Wilhelm (1879 – 1960) und Graf Zeppelin (1838 – 1917) in Bissingen, nördlich von Stuttgart, ein eigenes Unternehmen, das zunächst Motoren für die Zeppelin-Luftschiffe baute. 1912 verlegten die Maybachs den Firmensitz nach Friedrichshafen, wo auch die Zeppelin-Werke ansässig waren. Als deutsche Unternehmen nach dem Ersten Weltkrieg keine Luftfahrzeuge mehr bauen durften, ging Wilhelm Maybach in den Ruhestand, während sich sein Sohn der Fahrzeugentwicklung zuwandte. Die von Karl Maybach gebauten Automobile waren – wie zuvor auch schon die Motoren – Wunderwerke der Technik und mit allen damals bekannten Raffinessen ausgestattet. Die ebenso eindrucksvollen Karosserien wurden allerdings von fremden Zulieferern hergestellt. Der erste Maybach kam 1921 auf den Markt (Maybach W3); der Schönste war zweifelsohne der Maybach Zeppelin (1930 – 1937). Da man in der wirtschaftlich schwierigen Zeit der späten 1920er Jahre keineswegs nur mit diesen Luxusautos überleben konnte, produzierte Maybach auch Motoren für Lastwagen und Lokomotiven. 1940 wurde die Autoproduktion zugunsten von Flugzeug-, Panzer- und Schiffsmotoren ganz eingestellt.

Aufgrund der Rezession nach dem Ende des Ersten Weltkriegs schlossen sich die beiden Unternehmen Daimler und Benz, deren Gründer sich nie persönlich kennengelernt hatten, 1926 zusammen (Daimler-Benz). Die Autos trugen fortan die Bezeichnung Mercedes-Benz. Nach dem Zusammenschluss spezialisierte sich Mercedes-Benz auf große, formschöne und kräftige Limousinen, die kaum einen Wunsch offen ließen und dementsprechend teuer waren. Gefahren wurden sie nicht nur von wohlhabenden Privatleuten, sondern vor allem von Staatschefs und hohen Regierungsmitgliedern. Große Erfolge konnten auch die Mercedes-Benz-Rennwagen feiern, die zwischen 1934 und 1939 die Grand-Prix-Rennszene mit Fahrern wie Rudolf Caraccciola, Manfred von Brauchitsch und Hermann Lang beherrschten (Silberpfeil-Ära). Ähnlich erfolgreich waren nur die von Ferdinand Porsche entwickelten Grand-Prix-Rennwagen der Auto-Union (Bernd Rosemeyer, Hans Stuck, Tazio Nuvolari). Während des Zweiten Weltkriegs produzierte Daimler-Benz hauptsächlich Nutzfahrzeuge sowie Schiffs- und Flugmotoren.

1945 begannen mehrere ehemalige Ingenieure der Daimler-Benz-Flugmotorenabteilung mit der Entwicklung eines allradgetriebenen Mehrzweckfahrzeugs für die Landwirtschaft, das vor allem für Kleinbauern gedacht war, die bis dahin häufig noch Tiere einsetzten und für die sich ein großer Traktor nicht lohnte. Der Unimog (Universal Motor-Gerät) hatte vier gleichgroße Räder, eine Ladefläche für eine Tonne Nutzlast, ein zweisitziges Fahrerhaus, eine Schleppvorrichtung am Heck, eine seitliche Riemenscheibe sowie zwei Zapfwellen (vorne und hinten), mit der verschiedene Anbaugeräte angetrieben werden konnten. Die ersten Prototypen wurden 1947 bei der Gold- und Silberwarenfabrik Erhard & Söhne in Schwäbisch-Gmünd gefertigt. Den Dieselmotor steuerte Daimler-Benz bei. Die Serienproduktion begann 1949 bei der Werkzeugmaschinenfabrik Gebrüder Böhringer in Göppingen. Da sich die Firma Böhringer wieder ihrem eigentlichen Geschäft widmen wollte, verkaufte sie die Unimog-Sparte 1950 an Daimler-Benz, woraufhin die Fertigung ein Jahr später nach Gaggenau verlegt wurde. In den 1950er und 1960er Jahre verlagerte sich das Einsatzgebiet von der Landwirtschaft hin zu Spezialfahrzeugen für Armee, Feuerwehr und Kommunalbetriebe. Daneben produzierte Daimler-Benz auch weiterhin Busse, Lastwagen, Transporter und zeitweise Traktoren auf Basis des Unimog (MB-Trac; 1973 – 1991).

Nach Kriegsende entwickelte sich Daimler-Benz mit seiner Marke Mercedes-Benz zu einem weltweit führenden Hersteller qualitativ hochwertiger Fahrzeuge und begründete zusammen mit anderen Herstellern wie Audi, BMW, Porsche und VW den hervorragenden Ruf, den deutsche Automobile bis heute in aller Welt genießen. Neben den eher konservativ gestylten Mittel- und Oberklasse-Limousinen (E-Klasse, S-Klasse), brachte die Firma immer wieder außergewöhnliche Coupés, Roadster und Sportwagen auf den Markt, die teilweise zu zeitlosen Klassikern wurden. Sehr beliebt waren und sind die Mercedes-Fahrzeuge weltweit als Taxi. Besonders die Modelle der 1960er und 1970er Jahre erwiesen sich als äußerst robust und langlebig; einzelne Fahrzeuge erreichten eine Fahrleistung von einer Millionen Kilometern. 1979 brachte Daimler-Benz mit dem Mercedes/Puch G erstmals einen Geländewagen auf den Markt (G-Klasse), der bis heute äußerlich fast unverändert von Magna-Steyr (früher Steyr-Daimler-Puch) in Graz (Österreich) gefertigt wird.

Mercedes-Benz
Mercedes-Benz

1960 erwarb Daimler-Benz die Firma Maybach, die damals vor allem Dieselmotoren für Schiffe baute, und schloss sie 1966 mit der eigenen Motorenbaufirma zusammen. 1969 brachten Daimler-Benz (Maybach-Mercedes-Benz Motorenbau Friedrichshafen) und MAN (MAN Turbomotoren München; MAN hatte 1965 den BMW-Flugmotorenbau erworben) ihre Motorenbauaktivitäten in das Jointventure MTU (Motoren- und Turbinen-Union) ein. Von 2002 bis 2012 wurde der Name Maybach für eine Highend-Luxuslimousine oberhalb der Mercedes-S-Klasse verwendet; seit 2015 bezeichnet er besonders hochwertig ausgestattete Langversionen der S-Klasse.

Bis Anfang der 1980er Jahre gab es von Mercedes-Benz ausschließlich Pkw-Modelle der Oberklasse (S-Klasse), der oberen Mittelklasse (E-Klasse), Geländewagen (G-Klasse) sowie Roadster/Coupés (SL-Klasse). Erst 1982 kam mit dem Mercedes-Benz 190 (W 201; Vorgänger der C-Klasse) erstmals ein reines Mittelklasse-Fahrzeug auf den Markt. Es konkurrierte mit der 3er Baureihe von BMW, die es bereits seit 1975 gab. Später kamen mit der A-Klasse (1997; Kompaktklasse), der M-Klasse (1997; SUV), der B-Klasse (2005; Kompaktvans) und der X-Klasse (2017; Pickup-Trucks) noch weitere Modellreihen hinzu. Unter der Bezeichnung Mercedes-EQ werden seit 2019 Elektrofahrzeuge vermarktet. Außerdem entwickelte Daimler-Benz gemeinsam mit den Schweizer Uhrenhersteller Swatch das Stadtauto Smart (Swatch Mercedes Art), das 1997 auf den Markt kam.

Ab Mitte der 1980er Jahre versuchte der damalige Vorstandsvorsitzende Edzard Reuter Daimler-Benz zum universellen Mobilitätskonzern aufzubauen, der alles herstellt, was sich bewegt (Autos, Lastwagen, Busse, Flugzeuge, Raumschiffe, Schienenfahrzeuge). Mit zahlreichen branchenfremden Übernahmen (AEG-Telefunken, Deutsche Airbus, Dornier, Fokker, MBB Messerschmitt-Bölkow-Blohm) und Neugründungen (Adtranz, DASA Deutsche Aerospace, Debis) stieg Daimler-Benz in vollkommen neue Branchen ein, die dem Konzern jedoch eher schadeten. Die meisten dieser Unternehmen und Beteiligungen wurden später wieder verkauft. Auch der zeitweise Zusammenschluss mit dem US-Autokonzern Chrysler (1998 – 2007) war nicht von Erfolg gekrönt. Nach dem Verkauf von Chrysler firmierte der Konzern nur noch unter dem Namen Daimler. 2021 spaltete sich Daimler in zwei unabhängige Unternehmen auf. Mercedes-Benz übernahm das Pkw- und Transporter-Geschäft, Daimler Truck das Nutzfahrzeuggeschäft (Busse, Lastwagen, Spezialfahrzeuge). Daimler Truck gehören auch die Unternehmen und Marken Detroit Diesel (Übernahme 2000), Freightliner (Übernahme 1977/1981), Mitsubishi Fuso (Übernahme 2003), Setra (Übernahme 1995), Sterling Trucks (vorm. Ford-Schwer-Lkw-Sparte; Übernahme 1997), Thomas Built Buses (Übernahme 1998) und Western Star (Kauf 2000).

Die Mercedes-Benz Group (Stuttgart) betreibt Werke in Argentinien (González Catán), Brasilien (Iracemápolis), China (Fuzhou, Peking), Deutschland (Affalterbach, Berlin-Marienfelde, Bremen, Düsseldorf, Hamburg, Kamenz, Kölleda, Ludwigsfelde, Maubeuge, Rastatt, Sindelfingen, Stuttgart-Untertürkheim), Frankreich (Maubeuge), Indien (Pune), Rumänien (Cugir, Sebeș), Russland (Jaroslawl, Nischni Nowgorod), Spanien (Barcelona, Vitoria-Gasteiz), Südafrika (East London), Ungarn (Kecskemét), den USA (North Charleston/South Carolina, Tuscaloosa/Alabama) und Vietnam (Ho-Chi-Minh-Stadt), die Daimler Truck Holding (Leinfelden-Echterdingen) in Argentinien (González Catán), Brsailien (Juiz de Fora, São Bernardo do Campo), China (Peking), Deutschland (Gaggenau, Kassel, Mannheim, Wörth am Rhein), Indien (Oragadam), Japan (Fuchu, Kawasaki, Nakatsu), Mexiko (Saltillo, Santiago Tianguistenco), Portugal (Tramagal), der Türkei (Aksaray) und den USA (Cleveland/North Carolina, Detroit/Michigan, Gaffney/South Carolina, Gastonia/North Carolina, High Point/North Carolina, Mount Holly/North Carolina, Portland/Oregon).

Text: Toralf Czartowski • Fotos: Unsplash.com, Pixabay.com, Public Domain

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