Markenlexikon

Branche: Musikindustrie

MCA Records

USA

Die 1924 von Jules Caesar Stein (1896 – 1981) und William R. Goodheart Jr. in Chicago gegründete Music Corporation of America (MCA) war zunächst eine Künstleragentur, die Musiker und Schauspieler wie Tommy Dorsey, Frank Sinatra, Benny Goodman, Greta Garbo, Fred Astaire, Jimmy Stewart, Henry Fonda und Gregory Peck betreute.

Die 1943 gegründete MCA-Tochtergesellschaft Revue Productions produzierte Programme für Radio- und TV-Sender. 1958 erwarb MCA die Fernsehaustrahlungsrechte aller Paramount-Tonfilme bis 1948 und das Universal-City-Studio-Gelände in Hollywood. Anschließend ging das Unternehmen an die Börse (MCA Inc.). 1962 übernahm MCA die Filmgesellschaft Universal International, der das Universal-Studio einst gehört hatte. Gleichzeitig trennte sich MCA von seinem Agenturgeschäft.

Universal International war seit 1952 im Besitz der Plattenfirma Decca Records Inc. New York (Coral, Brunswick, Decca), einer früheren Tochtergesellschaft der britischen Decca Record Company (London). Decca New York hatte u.a. Duke Ellington, Bing Crosby, Benny Goodman, Bill Haley & His Comets, Buddy Holly und Jackie Wilson unter Vertrag.

Durch die Übernahme der beiden Musikverlage Leeds Music und Duchess Music entstand 1964 der Musikverlag MCA Music Publishing (ab 1999 Universal Music Publishing). Darüber hinaus besaß MCA auch eine Reihe von Dienstleistungsunternehmen (Bestattungsunternehmen, Friedhöfe).

1966 etablierte MCA die neue Plattenfirma MCA Records, unter deren Dach die Labels Coral, Brunswick, Decca, Kapp (ab 1967), Uni (ab 1966) und Vocalion zusammengefasst waren. 1968 rief MCA eine Niederlassung in London ins Leben (MCA Records Ltd.). 1973 wurden alle Musiklabels zugunsten von MCA Records eingestellt (erst 1994 reaktivierte MCA Decca als Country-Label). Später erwarb MCA noch weitere Plattenfirmen: 1979 ABC Records (die Musikabteilung der TV-Gesellschaft ABC inkl. der Labels Dot Records, Dunhill Records, Impulse Records, Paramount Records und Westminster Records), 1985 Chess Records, 1988 Motown (wurde 1991 an Bosten Ventures verkauft; ab 1993 gehörte Motown zu PolyGram) sowie 1990 GRP Records und Geffen Records. 1989 entstand die Dachgesellschaft MCA Music Entertainment Group (Geffen Records, GRP Records, MCA Music Publishing, MCA Records).

MCA Records hatte in den 1970er und 1980er Jahren Musiker und Bands wie Alice Cooper, Boston, Cher, Elton John, Kansas, Kim Carnes, Kim Wilde, Lynyrd Skynyrd, Neil Diamond, Olivia Newton-John, Nik Kershaw, Osibisa, Patti LaBelle, Pebbles, Sheena Easton, The Damned, The Who, Tiffany, Tom Petty and the Heartbreakers, Tony Christie, Tygers of Pan Tang und Wishbone Ash unter Vertrag. Außerdem wurden auf dem Label zahlreiche Soundtracks aus den Universal-Filmen und TV-Serien veröffentlicht.

1991 wurde die MCA-Muttergesellschaft MCA Inc. vom japanischen Elektronikkonzern Matsushita Electric (Panasonic, Technics) übernommen, der sich jedoch mit der Funktionsweise des amerikanischen Entertainmentgeschäfts nie richtig anfreunden konnte und dementsprechende Verluste produzierte. 1995 verkaufte Matsushita 80 Prozent der MCA-Anteile an den kanadischen Spirituosenkonzern Seagram (Captain Morgan, Chivas Regal, Martell, Mumm, Perrier-Jouët, Sandeman, Seagram's).

1996 benannte sich die MCA Inc. in Universal Studio Inc. um und die MCA Music Entertainment Group (Decca Nashville, Geffen Records, GRP Records, MCA Records) in Universal Music Group. Dies geschah vor allem deswegen, weil der Name Universal durch die Universal-Spielfilme und die Studio-Touren in Hollywood und Orlando weltweit einen höheren Bekanntheitsgrad hatte als MCA.

1998 erwarb Seagram von Philips die PolyGram-Gruppe (A&M, Barclay, Casablanca, Decca London, Deutsche Grammophon, Def Jam, Fontana, Interscope, Island, Mercury, Metronome, Motown, Philips Classics, Phonogram, Pickwick, Polar, Polydor/PolyStar, RSO, Vanguard, Vertigo, Verve).

Im Jahr 2000 übernahm der französische Mischkonzern Vivendi (TV-Sender, Personennahverkehr, Telekommunikation, Wasserversorgung), die frühere Compagnie Générale des Eaux (CGE), Seagram und damit auch Universal Music und die Universal Studios. Das neue Unternehmen firmierte zunächst als Vivendi-Universal und ab 2006 wieder als Vivendi. Um den Deal zu finanzieren, mussten jedoch die profitablen Spirituosenmarken verkauft werden (an Diageo, Pernod-Ricard und Allied-Domecq).

Mit der Übernahme der Musikverlage Rondor Music (2000), der zuvor den A&M-Gründern Herb Alpert und Jerry Moss gehört hatte, und dem Bertelsmann-Musikverlag BMG Music Publishing (2006) wurde Universal Music Publishing zum größten Musikverlag der Welt und überholte damit den damaligen Marktführer EMI Music.

Das Label MCA Records wurde 2003 aufgegeben. Die einzelnen Genre-Kataloge übernahmen andere Universal-Musik-Labels wie Verve (Jazz), Geffen (Pop/Rock), Deutsche Grammophon (Klassik) und Decca (Musical). Lediglich der Country-Katalog wird weiterhin unter dem Label MCA Nashville vermarktet.

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 29.11.2020 | 16:42