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Markenlexikon

MBB (Messerschmitt-Bölkow-Blohm)

Ursprungsland: Deutschland

Der Maschinenbau-Ingenieur Wilhelm (Willy) Emil Messerschmitt (1898 – 1978) gründete 1923 in Bamberg die Firma Messerschmitt Flugzeugbau, die Segel-, Sport- und Verkehrsflugzeuge baute (S14, M17, M18, M20). 1927 wurde Messerschmitt in die Bayerischen Flugzeugwerke (Augsburg) eingegliedert – in dieser Zeit trugen die von Willy Messerschmitt konstruierten Flugzeuge die Kennung Bf. 1936/1937 entstanden zwei weitere Werke in Regensburg und Obertraubling. Dort wurde zunächst vor allem das Leichtflugzeug Bf 108 Taifun produziert. 1938 entstand aus den Bayerischen Flugzeugwerken und Messerschmitt Flugzeugbau die Messerschmitt Aktiengesellschaft.

Während des Zweiten Weltkriegs stieg Messerschmitt neben Junkers und Heinkel zur größten Flugzeugfirma Deutschlands auf; die Bf 109 (Me-109) war das meistgebaute Jagdflugzeug des Zweiten Weltkriegs. Allerdings wurde die über dreißigtausend Exemplare nicht nur in den Messerschmitt-Werken produziert, sondern auch von mehreren anderen deutschen, österreichischen und ungarischen Flugzeugherstellern.

Für Furore sorgte Messerschmitt mit der Entwicklung des ersten Strahljägers der Luftfahrtgeschichte. Im April 1942 startete die Me 262 mit einem Junkers-Jumo-Triebwerk zum Jungfernflug. Das Raketenflugzeug Me 163 (Erstflug 1941) flog als erstes Flugzeug schneller als 1000 km/h und die Me 323 (Erstflug 1942) war das damals größte Landflugzeug der Welt.

Nach dem Krieg war es mit der fliegerischen Herrlichkeit erst einmal vorbei, die Alliierten verboten Deutschland weiterhin, Flugzeuge zu bauen. Die Messerschmitt-Werke waren zudem weitgehend zerstört. Willy Messerschmitt arbeitete ab 1951 als Berater und Konstrukteur bei der spanischen Flugzeugfirma Hispano Aviación, die die Bf 109 (HA-1112) in Lizenz produzierte. Bei der staatlichen Egyptian General Aero Organization (EGAO) aus Helwan war er in den frühen 1960er Jahren an der Entwicklung des Jagdflugzeugs Helwan HA-300 (Erstflug 1964) beteiligt, das auf einer Hispano-Konstruktion basierte. Das HA-300-Projekt wurde jedoch 1969 nach nur drei Prototypen eingestellt. Ägypten kaufte nun sowjetische Kampfflugzeuge.

Messerschmitt
Messerschmitt

Das Unternehmen Messerschmitt produzierte in dieser Zeit Fertighäuser, Kabinenroller, Nähmaschinen und italienische Vespa-Motorroller in Lizenz. Ludwig Bölkow (1912 – 2003), der Entwicklungsleiter von Messerschmitt, gründete 1948 in Stuttgart ein eigenes Ingenieurbüro, das sich mit der Entwicklung von Baumaschinen, Förderanlagen, Panzerabwehrraketen (ab 1954) und Hubschraubern (ab 1955) beschäftigte. 1958 wurde das Ingenieurbüro nach Ottobrunn/Bayern verlegt.

Im Rahmen der Wiederaufrüstung der Bundesrepublik entstand 1956 die Flugzeug-Union Süd (1956; Heinkel, Junkers, Messerschmitt), die mehrere Militärflugzeuge in Lizenz produzierte (Fiat G.91, Fouga Potez Magister, Lockheed F-104G Starfighter). Gefertigt wurden diese Flugzeuge zunächst in einem Werk am Flughafen München-Riem und ab 1961 in einem neuen Werk in Manching.

Zu den weiteren Projekten, an denen Messerschmitt und Bölkow beteiligt waren, gehören der experimentelle Senkrechtstarter VJ-101 (1963 – 1965), für dessen Umsetzung der Entwicklungsring Süd gegründet wurde (1959; Bölkow, Messerschmitt, Heinkel), der Hubschrauber Bölkow Bo-105 (1962 – 1967) und das Sportflugzeug Bölkow Bo-209 Monsun (Erstflug 1968).

1965 gehörte Messerschmitt neben Bölkow, Dornier, HFB (Hamburger Flugzeugbau), SIAT (Siebelwerke Allgemeine Transportanlagen) und VFW (Vereinigte Flugtechnische Werke) zu den Gründern der Arbeitsgemeinschaft Airbus (München), der deutschen Keimzelle des späteren Airbus-Konzerns. Zur gleichen Zeit fanden auch die ersten Gespräche zwischen Ludwig Bölkow und Vertretern von Sud Aviation (Frankreich) über die Entwicklung des Mittel- und Langstrecken-Verkehrsflugzeuges Airbus A300 statt, die schließlich 1969 begann.

1965 übernahm Messerschmitt die Flugzeug Union Süd inkl. der Junkers Flugzeug- und Motorenwerke (Heinkel war bereits ausgeschieden und gehörte ab 1964 zu VFW). 1968 schlossen sich Messerschmitt und Bölkow zusammen. Bölkow gehörte seit 1965 auch die Mehrheit der Siebelwerke aus Donauwörth. 1969 übernahm Messerschmitt-Bölkow die HFB Hamburg, eine 1933 gegründete Tochtergesellschaft der Werft Blohm & Voss. Das neue Unternehmen firmierte als Messerschmitt-Bölkow-Blohm (MBB). Ludwig Bölkow wurde Vorsitzender der Geschäftsführung, HFB-Chef Werner Blohm Mitglied der Geschäftsführung und Willy Messerschmitt übernahm den Vorsitz des Aufsichtsrates.

In den 1970er und 1980er Jahren war MBB neben Aeritalia, BAC (British Aircraft Corporation), Fiat Aviazione, MTU und Rolls-Royce an der Entwicklung des Mehrzweck-Kampfflugzeugs Panavia Tornado (Erstflug 1974; Serienproduktion von 1979 bis 1993) beteiligt, das bei den Luftstreitkräften Deutschlands, Großbritanniens und Italiens die Lockheed F-104G Starfighter ablöste. Gemeinsam mit Kawasaki entstand der Mehrzweckhubschrauber MBB/Kawasaki BK-117 (Erstflug 1979).

Messerschmitt-Bölkow-Blohm (MBB)
Messerschmitt-Bölkow-Blohm (MBB)

1981 übernahm MBB die Vereinigten Flugtechnischen Werke (VFW), die 1961 durch den Zusammenschluss von Focke-Wulf (Lemwerder) und Weser Flugzeugbau (Bremen) entstanden waren. 1964 kam noch Heinkel Flugzeugbau (Speyer) dazu. Zu VFW gehörte auch die 1964 gegründete Firma ERNO Raumfahrttechnik (Arbeitsgemeinschaft Entwicklungsring Nord), die in den 1960er und 1970er Jahren die ersten europäischen Satelliten (TD-1A, AZUR), Raumlabore (Spacelab) und Raketen (Ariane) mitentwickelte.

In einem Weser-Werk in Hoyenkamp bei Bremen wurden hydraulische Arbeitsbühnen für den Flugzeugbau gefertigt, allerdings nur für den Eigenbedarf. Ebenso Transportbehälter, Hangartore, Wohnwagen und Hubladebühnen für Lastwagen (Hubfix). Ab 1987 firmierte dieser Bereich als MBB Förder- und Hebesysteme.

Ab 1986 entwickelten Aeritalia (ab 1990 Alenia), British Aerospace (BAC-Nachfolger), Fiat, MBB, Rolls-Royce und SENER/ITP den Tornado-Nachfolger Eurofighter (Erstflug 1994). 1988 absolvierte der Hubschrauber MBB Bo-108, der Nachfolger des Bo-105, seinen Jungfernflug. In den 1970er und 1980er Jahren war MBB neben anderen Unternehmen (ABB/BBC, AEG, Krauss-Maffei, LHB, MAN, Siemens, Thyssen-Henschel) auch an der Entwicklung und am Bau des ICE (InterCity Express) beteiligt.

1989 wurde MBB von Daimler-Benz übernommen. Aus dem Zusammenschluss von MBB mit den ebenfalls zu Daimler-Benz gehörenden Unternehmen Dornier, MTU München und Telefunken Systemtechnik (TST) entstand 1989 die Deutsche Aerospace AG (DASA), die ab 1995 als Daimler-Benz Aerospace und ab 1998 als DaimlerChrysler Aerospace firmierte.

1996 verkaufte Daimler-Benz die Tochtergesellschaft MBB Förder- und Hebesysteme an eine unabhängige Investorengruppe. Ab 1998 firmierte das Unternehmen als MBB Liftsystems, 2007 wurde es von dem österreichischen Kranhersteller Palfinger übernommen.

2000 schlossen sich Aérospatiale-Matra (Frankreich), DaimlerChrysler Aerospace (Deutschland) und CASA (Spanien) zur European Aeronautic, Defence and Space Corporation (EADS; ab 2014 Airbus) zusammen.

Text: Toralf Czartowski • Fotos: Pixabay.com, Public Domain