Markenlexikon

MBB (Messerschmitt-Bölkow-Blohm)

Deutschland

Der Maschinenbauingenieur Wilhelm Emil (Willy) Messerschmitt (1898 – 1978) gründete 1923 in Bamberg die Messerschmitt Flugzeugbau GmbH. Zunächst produzierte die Firma Segel- und Sportflugzeuge, später auch Verkehrs- und vor allem Militärflugzeuge. 1927 wurde Messerschmitt in die Bayerische Flugzeugwerke AG (München) eingegliedert – in dieser Zeit trugen die Messerschmitt-Maschinen die Kennung Bf. 1938 entstand aus der Bayerische Flugzeugwerke AG und der Messerschmitt Flugzeugbau GmbH die Messerschmitt AG mit Werken in Augsburg, Regensburg und Obertraubling. Während des 2. Weltkriegs stieg Messerschmitt neben Junkers und Heinkel zur größten Flugzeugfirma Deutschlands auf; die Bf 109 (Me-109) war mit einer Produktionszahl von rund 35.000 Stück das meistgebaute Jagdflugzeug des 2. Weltkriegs. Für Furore sorgte Messerschmitt auch mit der Entwicklung des ersten Strahljägers der Luftfahrtgeschichte. Am 18. April 1942 startete die Me-262 mit einem Junkers-Jumo-Triebwerk zum Jungfernflug.

Nach dem Krieg war es mit der fliegerischen Herrlichkeit jedoch erst einmal vorbei, die Allierten verboten Deutschland weiterhin Flugzeuge zu bauen. Willy Messerschmitt ging zunächst nach Spanien, wo er bereits 1953 wieder einen Konstruktionsauftrag annahm. Die Messerschmitt AG produzierte in dieser Zeit Fertighäuser, Nähmaschinen und Kabinenroller. Ludwig Bölkow (1912 – 2003), der Entwicklungsleiter von Messerschmitt, gründete 1948 in Stuttgart sein eigenes Ingenieurbüro (ab 1955 Bölkow Entwicklungen KG, ab 1965 Bölkow GmbH). Im Rahmen der 1956 gegründeten Flugzeug-Union Süd GmbH (Messerschmitt, Heinkel, Junkers) sowie der 1959 gegründeten EWR Entwicklungsring Süd GmbH (Messerschmitt, Heinkel, Bölkow) war Messerschmitt am Bau der deutschen Lizenzvariante der Lockheed F-104G »Starfighter« beteiligt. Weitere Projekte waren der experimentelle Senkrechtstarter VJ-101 (1963 – 1965), der Hubschrauber Bölkow BO-105 (1962 – 1967) und das kunstsporttaugliche Kleinflugzeug Bölkow Bo-209 »Monsun« (Erstflug 1968).

Um der Übermacht amerikanischer Flugzeughersteller begegnen zu können, beschlossen die Regierungen von Frankreich, Deutschland und Großbritannien Mitte der 1960er Jahre, ein eigenes ziviles Verkehrsflugzeug zu entwickeln. Die britische Regierung zog sich jedoch schon kurz darauf wieder aus dem Projekt zurück. 1965 fanden die ersten Gespräche zwischen Ludwig Bölkow und Vertretern von Sud Aviation (Frankreich) statt. 1965 wurde in München die Arbeitsgemeinschaft Airbus durch die Flugzeughersteller Messerschmitt AG, Bölkow GmbH, Dornier Werke GmbH, Hamburger Flugzeugbau GmbH (HFB), Siebelwerke Allgemeine Transportanlagen GmbH (SIAT) und Vereinigte Flugtechnische Werke GmbH (VFW) gegründet – 1967 entstand daraus die Deutsche Airbus GmbH.

1968 schlossen sich die Messerschmitt AG und die Bölkow GmbH, der bereits seit 1965 die Mehrheit der Siebelwerke Allgemeine Transportanlagen GmbH (SIAT; 1937 von Friedrich Wilhelm Siebel in Halle/Saale gegründet) aus Donauwörth gehörte, zusammen und 1969, nachdem Messerschmitt-Bölkow die Hamburger Flugzeugbau GmbH, eine 1933 gegründete Tochtergesellschaft der Werft Blohm & Voss AG, erworben hatte, kam es zur Gründung der Messerschmitt-Bölkow-Blohm GmbH (MBB). Ludwig Bölkow wurde Vorsitzender der Geschäftsführung, HFB-Chef Werner Blohm Mitglied der Geschäftsführung und Willy Messerschmitt übernahm den Vorsitz des Aufsichtsrates. Zu MBB gehörte auch die Junkers Flugzeug- und Motorenwerke GmbH (JFM; München); Messerschmitt hatte die JFM 1965 durch die Übernahme der Flugzeug Union Süd GmbH (1956 von Messerschmitt, Junkers und Heinkel gegründet) erworben.

Der Bölkow BO-105 bekam daraufhin die Bezeichnung MBB BO-105. 1969 begann die Entwicklung des Mittel- und Langstrecken-Verkehrsflugzeuges Airbus A300.

Um für die Luftstreitkräfte Großbritanniens, Deutschlands und Italiens ein allwettertaugliches Mehrzweck-Kampfflugzeug zu entwickeln (als Nachfolger für die Lockheed F-104G »Starfighter«), bildeten die drei Flugzeugfirmen British Aircraft Corporation, MBB und Aeritalia im März 1969 das Konsortium Panavia Aircraft. Die Triebwerke wurden von den in der Turbo-Union zusammengeschlossenen Firmen Rolls-Royce, MTU und Fiat Aviazione entwickelt, die Bordkanonen von IWKA/Mauser und die Elektronik von Elliott. Im August 1974 fand der Jungfernflug des von MBB gebauten Prototypen Panavia 200 P-01 statt. 1976 taufte man den bis dahin nur Panavia MRCA (Multi-Role-Combat-Aircraft) genannten Schwenkflügel-Jet in Tornado um. 1979 begann die Serienproduktion des Tornado. Bis zum Produktionsende 1993 entstanden in den drei Montagewerken Warton, Manching und Turin insgesamt 992 Tornados.

1979 absolvierte der gemeinsam von MBB und Kawasaki entwickelte Mehrzweckhubschrauber MBB/Kawasaki BK-117 seinen Jungfernflug. In den 1970er und 1980er Jahren war MBB neben anderen Unternehmen (AEG, ABB/BBC, Krauss-Maffei, LHB, MAN, Siemens, Thyssen-Henschel) an der Entwicklung des ICE (InterCity Express) beteiligt.

1981 übernahm MBB die Vereinigte Flugtechnischen Werke GmbH (VFW). VFW war 1961 durch den Zusammenschluss der Focke-Wulf GmbH (Lemwerder) und der Weser Flugzeugbau GmbH (Bremen) entstanden. 1964 kam noch die Ernst Heinkel Flugzeugbau GmbH (Speyer) dazu. Ebenfalls 1964 riefen VFW und die Hamburger Flugzeugbau GmbH in Bremen die Arbeitsgemeinschaft »Entwicklungsring Nord« (ab 1967 ERNO Raumfahrttechnik GmbH) ins Leben, die in den 1960er und 1970er Jahren die ersten europäischen Satelliten (TD-1A, AZUR), Raumlabore (Spacelab) und Raketen (Ariane) mitentwickelte. Von 1969 bis 1981 bestand das Gemeinschaftsunternehmen VFW-Fokker, an dem VFW und Fokker (Niederlande) zu je 50 Prozent beteiligt waren. In einem Weser-Werk in Hoyenkamp bei Bremen wurden auch hydraulische Arbeitsbühnen für den Flugzeugbau gefertigt, allerdings nur für den Eigenbedarf. Ebenso Transportbehälter, Hangartore, Wohnwagen und Hubladebühnen für Lastwagen (Hubfix). Ab 1987 firmierte dieser Bereich als MBB Förder- und Hebesysteme GmbH.

1986 gründeten British Aerospace, MBB und Aeritalia (seit 1990 Alenia) das Eurofighter-Konsortium mit dem Ziel, bis zum Ende der 1990er Jahre einen vollkommen neues Mehrzweck-Kampfflugzeug zu entwickeln und zu bauen. 1988 absolvierte der MBB BO-108, der Nachfolger des BO-105, seinen Jungfernflug.

1989 wurde MBB von der Daimler-Benz AG übernommen. Aus dem Zusammenschluss von MBB mit den ebenfalls zu Daimler-Benz gehörenden Firmen Dornier, MTU München und Telefunken Systemtechnik (TST) entstand 1989 die Deutsche Aerospace AG (DASA), die ab 1995 als Daimler-Benz Aerospace AG und ab 1998 DaimlerChrysler Aerospace AG firmierte.

1996 verkaufte Daimler-Benz Aerospace die MBB Förder- und Hebesysteme GmbH an eine unabhängige Investorengruppe. Ab 1998 firmierte das Unternehmen als MBB Liftsystems AG, 2007 wurde es von dem österreichischen Kranhersteller Palfinger AG übernommen.

2000 schlossen sich die Aérospatiale-Matra S.A. (Frankreich), die DaimlerChrysler Aerospace AG und die CASA S.A. (Spanien) zur European Aeronautic, Defence and Space Corporation (EADS; ab 2014 Airbus Group) zusammen.

Text: Toralf Czartowski

MBB (Messerschmitt-Bölkow-Blohm) Logo
Messerschmitt Logo
Bölkow Logo
HFB Hamburger Flugzeubbau Logo
VFW Vereinigte Flugtechnische Werke Logo
Siebelwerke SIAT Logo
VFW Vereinigte Flugtechnische Werke Logo
DASA Deutsche Aerospace Logo
DaimlerChrysler Aerospace Logo
EADS Logo
Airbus Group Logo
Letzte Änderung der Seite: 13.04.2019 | 00:57