Markenlexikon

Martin-Marietta

USA

Glenn Luther Martin (1886 – 1955) baute sein erstes Flugzeug, einen Curtiss-Nachbau, 1908 in Santa Ana/California; anschließend brachte er sich das Fliegen selbst bei. Die erste Serienmaschine war der viersitzige Doppeldecker Martin T (1913), von dem sechs Exemplare gebaut wurden. Bei Martin waren zu dieser Zeit eine ganze Reihe von berühmten Flugzeugkonstrukteuren angestellt, die später ihre eigenen Firmen gründeten, u.a. Lawrence Bell, Donald Douglas und James McDonnell. 1916 schloss sich Martin mit den Brüdern Orville und Wilbur Wright zusammen (Wright-Martin Aircraft Company), doch bereits 1917 trennten sich beide Unternehmen wieder; Martin siedelte seine neue Glenn L. Martin Company nun in Cleveland/Ohio an. 1928 verkaufte Martin das Werk in Cleveland an Detroit Aircraft und begann mit dem Bau eine neuen Produktionsstätte in Middle River in der Nähe von Baltimore/Maryland, die 1929 eröffnet wurde. Während der beiden Weltkriege produzierte Martin vor allem leichte und mittlere Bomber (1918 MB-1/2, 1933 Martin B-10/12/14, 1940 B-26 Marauder, Martin 187 Baltimore) sowie Flugboote (1935 Martin 130 China Clipper, 1939 PBM Mariner, 1942 Martin 170 Mars, 1948 P5M Marlin). Aus Kapazitätsgründen entstanden bei Martin auch rund 3.900 Bomber des Typs Boeing B-29 Superfortress, u.a. die beiden B-29 (Enola Gay, Bockscar), die 1945 die ersten Atombomben über Hiroshima und Nagasaki abwarfen. 1946 gab es mit der zweimotorigen Martin 4-0-4 ein ziviles Kurz- und Mittelstrecken-Verkehrsflugzeug, das aber nur bis 1953 gebaut wurde. Ab 1950 produzierte Martin für die U.S. Air Force eine Lizenzvariante des britischen Bomben- und Aufklärungsflugzeuges English Electric Canberra (Martin B-57).

Bereits in den letzten Kriegsjahren beschäftigte sich Martin mit Satellitenprojekten, doch die verantwortlichen Stellen in Washington sahen darin vorerst keinen Nutzen. Dafür erhielt das Unternehmen 1946 den Auftrag 14 Viking-Forschungsraketen – eine Weiterentwicklung der deutschen A4 (V2) – zu bauen. Ab Mitte der 1950er Jahre verlegte das Unternehmen sein Tätigkeitsfeld auf interkontinentale ballistische Raketen (1955 Titan I, 1961 SM-68B Titan II, 1960 Pershing I) und Raketenstartrampen. Die Titan-II diente in einer modifizierten Form auch als Trägerrakete für das US-Raumfahrtprogramm Gemini. 1960 wurde die Flugzeugproduktion ganz eingestellt.

1961 schloss sich Martin mit dem Baumaterialhersteller American Marietta Company zur Martin-Marietta Corporation zusammen. American-Marietta war 1940 aus dem Zusammenschluss der American Asphalt Paint Company (Chicago) und der Marietta Paint and Color Company (Marietta/Ohio) entstanden. Martin-Marietta produzierte in verschiedenen Werken (Baltimore, Orlando, Denver, New Orleans) u.a. Raketen (Titan, Pershing), helikoptergestützte Panzerabwehrraketen (Hellfire), Raumsonden (Magellan), Raumfahrtkomponenten (Andockadapter für die Skylab-Raumstation, Landeeinheiten der Viking-Mars-Sonden, Haupttank der Space-Shuttles), Radar- und Flugkontrollsysteme (u.a. für den Apache-Hubschrauber) sowie elektronische Überwachungssysteme. Außerdem betrieb der Konzern für das Pentagon und das US-Energieministerium mehrere Nuklear- und Energieforschungszentren (u.a. Sandia National Laboratories, Albuquerque/New Mexico).

1993 erwarb Martin-Marietta die Aerospace-Sparte von General Electric und die Space Systems Division von General Dynamics (Atlas, Centaur). Im gleichen Jahr wurde die Baumaterialiensparte (Kies, Spilt, Sand, Sandstein, Kalk, Faserverbundkunststoffe) in die Tochtergesellschaft Martin-Marietta Materials Inc. (Raleigh/North Carolina) eingebracht. 1994 kam es schließlich zum Zusammenschluss mit dem Luft- und Raumfahrtkonzern Lockheed Corporation zur Lockheed-Martin Corporation. Martin-Marietta Materials wurde 1996 aus dem Konzern ausgegliedert und verselbstständigt.

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 16.06.2019 | 01:49