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Markenlexikon

Magneti Marelli

Ursprungsland: Italien

Ercole Marelli (1867 – 1922) ging nach seiner Ausbildung an der Società d'Incoraggiamento d'Arti e Mestieri und in einer mechanischen Werkstatt als Elektriker zu einer italienischen Tochtergesellschaft des Schweizer Elektrokonzerns Brown Boveri & Cie. (BBC). Nach einem mehrjährigen Auslandsaufenthalt in Asunción (Paraguay), wo er mit der Montage und Inbetriebnahme einer städtischen Beleuchtungsanlage beschäftigt war, eröffnete er 1891 in Mailand seine eigene Elektrowerkstatt, die vor allem Elektrogeräte und -anlagen für Schulen und Krankenhäuser fertigte. Bald kamen weitere Produkte wie Batterien, Elektromotoren, Pumpen, Transformatoren und Ventilatoren hinzu. Ab der Jahrhundertwende begann der Export nach Spanien und Südamerika.

1905 errichtete die Firma eine neue Produktionsstätte in Sesto San Giovanni, einem nördlichen Vorort von Mailand. Ab 1915 beschäftigte sich die Società Anonima Ercole Marelli, wie die Firma damals hieß, mit der Magnetzündung für Verbrennungsmotoren. 1919 gründeten Marelli und der Turiner Automobilhersteller Fiat das Jointventure Società Anomima Fabbrica Italiana Magneti Marelli. Durch diese Zusammenarbeit stieg Magnet Marelli bald zum führenden italienischen Hersteller von Fahrzeugteilen auf, wobei die elektrischen Komponenten weiterhin im Vordergrund standen (Kraftstoff-Einspritzsysteme, Lichtmaschinen, Zündanlagen, Zündspulen). In den 1980er und 1990er Jahren war Magneti Marelli maßgeblich an der Entwicklung der Diesel-Direkteinspritzung und der Weiterentwicklung des Common-Rail-Einspritzsystems für Dieselmotoren beteiligt.

Die Muttergesellschaft Marelli fertigte unabhängig von Magneti Marelli zahlreiche Produkte wie elektrische Ausrüstungen für Schienenfahrzeuge und Oberleitungsbusse, Elektromotoren, Generatoren für Kraftwerke, Hausgeräte (Klimageräte, Kühlschränke, Staubsauger, Waschmaschinen), Kläranlagen, Luftfahrttechnik, Marinetechnik, Messgeräte, Pumpen, Unterhaltungselektronik (Radio-, Fernseh- und Tonbandgeräte), Ventilatoren und Wasseraufbereitungsanlagen. Nachdem das Unternehmen 1981 zahlungsunfähig geworden war, wurde es 1983 aufgelöst. Die Tochtergesellschaft Radiomarelli, die schon 1975 an ein anderes italienisches Unternehmen verkauft worden war, blieb als Marke noch lange erhalten, ebenso Marelli Ventilazione.

Magneti Marelli wurde 1967 mehrheitlich vom Fiat-Konzern übernommen. 2018/2019 verkaufte Fiat Chrysler Automobiles (seit 2021 Stellantis) Magneti Marelli an den japanischen Fahrzeugzulieferer Calsonic Kansei, der bis 2016 zu Nissan gehört hatte. Damit fiel der Namensbestandteil Magneti weg. Das Unternehmen heißt nun Marelli Holdings und hat seinen Hauptsitz in Saitama (Japan). Der europäische Teil firmiert als Marelli Europe mit Sitz in Corbetta bei Mailand. 2025 musste Marelli Holdings in den USA Antrag auf Gläubigerschutz stellen.

Text: Toralf Czartowski

www.marelli.com