Markenlexikon
In-hwoi Koo (1907 – 1969) handelte nach seinem Schulabschluss mit verschiedenen Waren, eröffnete ein Textilgeschäft, leitete eine Genossenschaft in seiner Heimatstadt Jinju und eine Zeitung in Jisu. Nach der Gründung der Republik Korea (Südkorea) 1948 rief er zusammen mit seinem jüngeren Bruder Chul-hwoi Koo in Pusan die Chemiefirma Lak Hui ins Leben. Das Unternehmen produzierte zunächst Gesichtscreme (Lucky Cream), die sich in Südkorea sehr gut verkaufte. Der Name Lucky (engl. glücklich) wurde als Marke gewählt, weil er genauso klang und in etwa die gleiche Bedeutung hat wie der Firmenname Lak Hui (kor. allen Freude bereiten).
Nachdem es mit den Deckeln der Creme zu Problemen gekommen war und viele Kunden das Produkt zurückgegeben hatten, verwendet Koo für den Deckel Kunststoff, ein Material, das damals noch nicht weit verbreitet war. Anfang der 1950er Jahre errichtete er in Pusan ein Kunststoffwerk, das nun auch Haarbürsten, Plastikkämme, Waschschüsseln und Zahnbürsten herstellte. In den 1950er Jahren kamen weitere Körperpflegeartikel (Seife, Zahnpasta) und Waschmittel hinzu.
Für die Produktion von Radiogeräten, Telefonen und Ventilatoren wurde 1958 die Firma GoldStar ins Leben gerufen, die später auch Kühlschränke (ab 1965), Fernsehgeräte (ab 1966), Klimaanlagen (ab 1968), Waschmaschinen (ab 1969), Staubsauger (ab 1976), Halbleiter (ab 1979), Mikrowellengeräte (ab 1983) und Wäschetrockner (ab 1984) herstellte. 1962 entstand mit Korea Cable Industry (ab 1969 GoldStar Cable) ein weiteres Unternehmen.
1983 benannte sich die seit 1968 existierende Lucky Group in Lucky-Goldstar um. 1995 ersetzte man den Namen Lucky-Goldstar durch die Abkürzung LG. Daraufhin erhielten alle Lucky- und GoldStar-Unternehmen den neuen Namen LG. Die Holdinggesellschaft firmierte nun als LG Corporation (auch LG Group genannt).
1992 stieg Lucky Chemical (ab 1995 LG Chem) in das Geschäft mit Akkus ein; die Produktion von Lithium-Ionen-Batterien begann 1999. Ab 2009 lieferte LG Chem die Akkus für das Plug-in-Hybrid-Fahrzeug Chevrolet Volt.
1995 erwarb LG Electronics die US-amerikanische Zenith Electronics Corporation aus Chicago, die für zahlreiche Innovationen im Bereich der Unterhaltungselektronik verantwortlich war (1923 das weltweit erste transportable Radiogerät, 1955 die erste kabellose TV-Fernbedienung, 1961 das FM-Stereo-System, das sich als weltweiter Standard durchsetzte).
In den 2000er Jahren wurden zahlreiche LG-Geschäftsbereiche (Bau, Einzelhandel, Finanzdienstleistungen, Industrie-Elektrik, Halbleiter, Hotels, Kabel, Kraftwerke, Kreditkarten, Ölverarbeitung, Online-Handel, Sportklubs, Tankstellen) aufgelöst, verkauft oder aus der LG Group ausgegliedert. Daraus entstanden neue Konzerne wie die LS Group (2003), die GS Group (2005) und SK Hynix (2011 Zusammenschluss von SK Telecom und Hyundai [Hynix] Semiconductor [inkl. LG Semicon].
Die wichtigsten Gesellschaften der LG Group sind LG Chem (das Gründungsunternehmen Lak Hui; Bio-Pharma, Moderne Werkstoffe, Petrochemie), LG Display (vorm. das 1999 gegründete Joint Venture LG-Philips LCD), LG Electronics (vorm. GoldStar; Hausgeräte, Mobiltelefone [1995 – 2021], Notebooks, Unterhaltungselektronik), LG Energy Solution (Batterien; gehörte bis 2020 zu LG Chem), LG Household & Health Care (gehörte bis 2001 zu LG Chem; Erfrischungsgetränke [2007 Übernahme von Coca-Cola Korea Bottling], Körperpflegeprodukte, Wasch- und Reinigungsmittel) und LG Innotek (Elektronische Bauteile).
Text: Toralf Czartowski