Markenlexikon
James Sumner (1860 – 1924), der Sohn eines selbstständigen Schmieds, und die Brüder George und Henry Spurrier, zwei Finanziers aus Manchester, gründeten 1896 in Leyland, einem kleinen Ort in der englischen Grafschaft Lancashire (nördlich von Liverpool), die Lancashire Steam Motor Company. Zunächst baute die Firma Dampffahrzeuge, ab 1904 gab es auch benzinbetriebene Lastwagen. 1907 wurde Leyland Motors gegründet, ein Unternehmen, das sich anfangs nur dem Bau von Lastwagen widmete, von 1920 bis 1923 jedoch auch große Limousinen herstellte. Hauptstandbein blieb jedoch stets die Produktion von Lastwagen und Bussen.
Dank staatlicher Unterstützung und dem riesigen ehemaligen Kolonialreich, das seit 1948 im Commonwealth of Nations zusammengefasst war, wurde Leyland Mitte der 1950er Jahre zum weltgrößten Lastwagenexporteur. In dieser Zeit übernahm Leyland auch mehrere andere Nutzfahrzeughersteller (1951 Albion, 1954 Ashok Motors/Indien, 1955 Scammell Lorries, 1960 Pegaso/Spanien, 1962 Associated Commercial Vehicles inkl. AEC und Thornycroft, 1965 Bristol Commercial Vehicles) und Pkw-Hersteller (1961 Standard-Triumph; 1967 Alvis, Rover/Land-Rover). Leyland war neben Royal Ordnance Factories und Vickers auch an der Produktion mehrerer britischer Panzer beteiligt.
1968 schloss sich Leyland Motors mit British Motor Holdings (Austin, Jaguar, Mini, MG, Morris, Riley, Vanden Plas, Wolseley) zusammen. Die Ölkrise Anfang der 1970er Jahre, langwierige Streiks, gravierende Qualitätsmängel und Markenverwässerung im Pkw-Bereich setzten dem Konzern jedoch schwer zu. Ende 1974 war British Leyland pleite und musste im Jahr darauf verstaatlicht werden.


1979, als die konservative Thatcher-Regierung an die Macht kam, machte man sich in staatlichen Kreisen zunehmend Gedanken über eine Privatisierung des maroden Konzerns. 1981 verkaufte BL zunächst Alvis (Armeefahrzeuge) und Pegaso (Spanien). 1982 wurde British Leyland in drei Bereiche aufgeteilt: Austin-Rover (Austin, Land-Rover, MG, Mini), Jaguar Cars und Leyland Vehicles (Nutzfahrzeuge, Busse). Jaguar Cars schied 1984 aus dem Konzern aus (Platzierung an der Börse). Zu diesem Zeitpunkt waren viele British-Leyland-Marken bereits vom Markt verschwunden (Albion, MG, Morris, Riley, Thornycroft, Triumph, Vanden Plas, Wolseley). Mit der Umbenennung in Rover endete 1986 die Existenz des British-Leyland-Konzerns.
Die Leyland-Bus-Produktion ging zunächst in den Besitz des damaligen Managements über (1988 wurde Volvo Eigentümer der Bussparte). Ashok-Leyland, einer der größten indischen Lastwagenhersteller, wurde von Iveco und der indischen Hinduja Group übernommen. Leyland Vehicles sowie das dazugehörige Werk in Leyland/Lancashire gingen 1987 in den Besitz des niederländischen Nutzfahrzeugherstellers DAF über. Anfang der 1990er Jahre kam DAF jedoch in finanzielle Schwierigkeiten, die 1993 zum Konkurs führten, und 1996 zur Übernahme durch den US-Konzern Paccar (Pacific Car and Foundry Company), zu dem bereits Foden aus Großbritannien sowie die US-Truckhersteller Kenworth und Peterbilt gehörten. Ein Jahr später übernahm Paccar auch Leyland Trucks, woraufhin die 1980 nördlich von Leyland neuerrichtete Fabrik direkt Paccar angegliedert wurde.
Die Transporter-Sparte LDV (Leyland-DAF Vans) war bereits 1993 verselbstständigt worden. LDV baute im ehemaligen Wolseley- und Austin-Morris-Werk in Birmingham verschiedene Transporter auf Basis des Austin Sherpa/Freight-Rover, den es seit 1976 gab. Die in Großbritannien verwendete Marke Leyland-DAF wurde im Jahr 2000 zugunsten von DAF aufgegeben, lediglich die Firma heißt noch Leyland Trucks. DAF Trucks produziert in den beiden Werken Eindhoven und Westerlo (Belgien) sowie bei Paccar/Leyland Trucks in Leyland die drei Lkw-Baureihen LF (leichte Lkw), CF (mittelschwere Lkw) und XF (schwere Lkw).
Text: Toralf Czartowski • Fotos: Pixabay.com, Public Domain