Markenlexikon

Leonardo

inkl. Aeritalia, Alenia, Alenia-Aermacchi, Agusta, AgustaWestland, Avio, Finmeccanica, SIAI-Marchetti

Italien

S.I.A., FIAT AVIAZIONE: Der italienische Fahrzeughersteller Fiat begann 1908 mit der Produktion von Flugzeugmotoren. Für diese Aktivitäten gründete Fiat 1916 die Tochtergesellschaft Società Italiana Aviazione (S.I.A.), die 1918 in Fiat Aviazione umbenannt wurde. Ende 1917 startete das erste Flugzeug von Fiat, der Doppeldecker S.I.A. 1200, zum Jungfernflug. Während der beiden Weltkriege avancierte Fiat neben Piaggio zum wichtigsten Flugzeughersteller Italiens (Jäger, Bomber, Schulflugzeuge). Anfang der 1950er Jahre entwickelte Fiat Aviazione den ersten italienischen Düsenjäger, den Strahltrainer Fiat G.80, der im Dezember 1951 seinen Jungfernflug absolvierte. Das Strahltriebwerk stammte von den britischen Firmen De Havilland und Rolls-Royce. 1955 gewann das Nachfolgemodell Fiat G.91 eine NATO-Ausschreibung für ein leichtes Jagdflugzeug, sodass dieses Modell auch in Deutschland vom EWR Entwicklungsring Süd (Messerschmitt, Bölkow, Heinkel) in Lizenz gebaut wurde. In den 1950er Jahren war Fiat an der Lizenzproduktion der italienischen Variante des US-Kampfflugzeuges Lockheed F-104 Starfighter beteiligt. Ab 1962 entwickelte Fiat Aviazione das militärische Transportflugzeug Fiat G.222/Aeritalia G.222 (Erstflug 1970), das unter der Bezeichnung C-27J Spartan bis heute produziert wird.

AERITALIA: 1969 entstand aus den Flugzeugbauaktivitäten von Fiat Aviazione, der Aerfer S.p.A. (Industrie Meccaniche Meridionali Aeronautiche e Ferrotranviarie), die zum Staatskonzern IRI gehörte, und Filotecnica Salmoiraghi der Luft- und Raumfahrt-Konzern Società Aerospaziale Italiana (Aeritalia), der 1976 vollständig in Staatsbesitz überging. Fiat selbst beschränkte sich seit dieser Zeit wieder auf Flugzeugtriebwerke (FiatAvio). Aeritalia gehörte 1969 neben der British Aircaft Corporation (BAC) und Messerschmitt-Bölkow-Blohm (MBB) zu den Gründern der Panavia Aircraft GmbH, die in den 1970er Jahren den Kampfjet MRCA Tornado entwickelte, ebenso ab 1986 zum Eurofighter-Konsortium (British Aerospace/BAE Systems, MBB, Aeritalia). Daneben produzierte Aeritalia auch Komponenten für zivile Verkehrsflugzeug (McDonnell-Douglas MD-80, MD-11, Boeing 767).

MRCA PANAVIA TORNADO: Um für die Luftstreitkräfte Großbritanniens, Deutschlands und Italiens ein allwettertaugliches Mehrzweck-Kampfflugzeug zu entwickeln (als Nachfolger für die US-amerikanische Lockheed F-104G Starfighter), bildeten die drei Flugzeugfirmen British Aircraft Corporation (42,5 Prozent; ab 1977 British Aerospace, seit 1999 BAE Systems), Messerschmitt-Bölkow GmbH (42,5 Prozent; ab 1969 Messerschmitt-Bölkow-Blohm GmbH) und Aeritalia S.p.A. (15 Prozent) im März 1969 die Panavia Aircraft GmbH. Die Triebwerke wurden von den in der Turbo-Union zusammengeschlossenen Firmen Rolls-Royce, MTU und Fiat Aviazione entwickelt, die Bordkanonen von IWKA/Mauser und die Elektronik von Elliott. Den ersten Prototypen Panavia 200 P-01 baute MBB, der Jungfernflug fand im August 1974 statt.

Panavia Tornado
Panavia Tornado

1976 taufte man den bis dahin nur MRCA (Multi-Role-Combat-Aircraft) genannten Schwenkflügel-Jet in Tornado um. Die Serienproduktion begann 1979. Die ersten Maschinen wurden 1982 ausgeliefert. Bis zum Produktionsende 1993 entstanden in den drei Montagewerken Warton, Manching und Turin insgesamt 992 Tornados, die als Jagdbomber, Aufklärer und Abfangjäger eingesetzt werden.

EUROFIGHTER TYPHOON: Um für die Luftstreitkräfte Großbritanniens, Deutschlands und Italiens ein allwettertaugliches Mehrzweck-Kampfflugzeug zu entwickeln (als Nachfolger für die US-amerikanische Lockheed F-104G Starfighter), bildeten die drei Flugzeugfirmen British Aircraft Corporation (42,5 Prozent; seit 1977 British Aerospace), Messerschmitt-Bölkow GmbH (42,5 Prozent; ab 1969 Messerschmitt-Bölkow-Blohm GmbH) und Aeritalia S.p.A. (15 Prozent) im März 1969 die Panavia Aircraft GmbH. Die Triebwerke wurden von den in der Turbo-Union zusammengeschlossenen Firmen Rolls-Royce, MTU und Fiat Aviazione entwickelt, die Bordkanonen von IWKA/Mauser und die Elektronik von Elliott. Den ersten Prototypen Panavia 200 P-01 baute MBB, der Jungfernflug fand im August 1974 statt. 1976 taufte man den bis dahin nur MRCA (Multi-Role-Combat-Aircraft) genannten Schwenkflügel-Jet in Tornado um. Die Serienproduktion begann 1979. Die ersten Maschinen wurden 1982 ausgeliefert. Bis zum Produktionsende 1993 entstanden in den drei Montagewerken Warton, Manching und Turin insgesamt 992 Tornados, die als Jagdbomber, Aufklärer und Abfangjäger eingesetzt werden.

Im Juni 1986 gründeten British Aerospace, MBB (Messerschmitt-Bölkow-Blohm) und Aeritalia das Eurofighter-Konsortium mit dem Ziel, bis zum Ende der 1990er Jahre ein vollkommen neues Mehrzweck-Kampfflugzeug zu entwickeln und zu bauen. Gleichzeitig riefen die Unternehmen Rolls-Royce (Großbritannien), DASA/MTU (Deutschland), FiatAvio (Italien) und SENER/ITP (Spanien) das Eurojet-Konsortium zum Bau des Triebwerks ins Leben. Zunächst wollte sich auch Frankreich an dem Projekt beteiligen. Dann beschlossen die Franzosen jedoch, als Nachfolger für die Dassault Mirage ein eigenes Flugzeug zu entwickeln (Dassault Rafale).

Bereits vor der Gründung des Eurofighter-Konsortiums hatte es mehrere Projekte zur Entwicklung eines zukünftigen europäischen Kampfflugzeugs gegeben, u.a. ECF (European Combat Fighter; 1979 – 1982; British Aerospace, MBB, Dassault), ACA (Agile Combat Aircraft; 1982 – 1983; British Aerospace), EAP (Experimental Aircraft Programme; 1983 – 1991; British Aerospace, MBB, Aeritalia; Erstflug des BAe EAP: 1986) und F/EFA (Future European Fighter Aircraft; 1983 – 1985; British Aerospace, MBB, Aeritalia, CASA, Dassault).

Eurofighter Typhoon
Eurofighter Typhoon

Nach langwierigen politischen Verhandlungen über Kosten, Ausstattung und Nutzen entschlossen sich die Regierungen der beteiligten Länder schließlich Ende 1992 für die Serienproduktion. Gegenüber dem ursprünglich geplanten aufwendigen System hatte man sich inzwischen für eine abgespeckte und billigere Version entschieden. Gleichzeitig wurde das bis dahin EFA/European Fighter Aircraft (in Deutschland Jäger 90) genannte Flugzeug in Eurofighter 2000 umgetauft.

Im März 1994 startete der erste Prototyp DASA DA1 in Manching zum Jungfernflug, kurz darauf folgte die britische BAe DA2 – beide noch mit den alten Tornado-Triebwerken (Turbo-Union RB 199). Im Juni 1995 flog die italienische Alenia DA3 erstmals mit dem neuen Turbofan-Triebwerk EJ-200-01A. Für die außereuropäischen Exportmodelle des Eurofighter wurde 1998 der Name Typhoon eingeführt. 1998 beteiligte sich auch der spanische Flugzeughersteller Construcciones Aeronáuticas S.A. (CASA) am Eurofighter-Konsortium.

FINMECCANICA, ALENIA: 1990 fasste der Staatskonzern IRI (Istituto per la Ricostruzione Industriale) seine Luft- und Raumfahrtaktivitäten unter dem Dach der Tochtergesellschaft Finmeccanica zusammen; gleichzeitig wurden Aeritalia (Turin) und Selenia Spazio (Rom) unter den Namen Alenia zusammengeschlossen. 1994 übernahm Finmeccanica auch den Hubschrauber-Hersteller Agusta.

AGUSTA: Sein erstes Flugzeug konstruierte Giovanni Agusta (1879 – 1927) bereits 1907, die gleichnamige Firma in Cascina Costa bei Mailand entstand jedoch erst 1923. Wie andere Flugzeughersteller auch, musste sich Agusta nach dem Ende des 2. Weltkriegs erst einmal ein anderes Betätigungsfeld suchen. Domeinco Agusta (1907 – 1971), der Sohn des Gründers, entschied sich für die Produktion eines Motorrades und rief 1945 in Verghera bei Varese die Firma Meccania Verghera Agusta (MV-Agusta) ins Leben. 1946 kam das erste Leichtmotorrad auf den Markt, 1949 der erste Motorroller und ab 1950 auch Motorräder mit größerem Hubraum. Agusta selbst engagierte sich bereits in den 1950er Jahren wieder im Hubschrauberbau. In den 1950er und 1960er Jahren baute Agusta vor allem US-amerikanische Hubschrauber in Lizenz (Bell 47, Bell 205, Bell 206, Bell 212, Bell 412, Sikorsky S-61, Boeing-Vertol CH-47). 1971 absolvierte der Mehrzweckhubschrauber Agusta A109 Hirundo, der erste von Agusta selbst entwickelte Hubschrauber, seinen Jungfernflug. Von 1970 bis 1983 übernahm Agusta den italienischen Flugzeughersteller SIAI-Marchetti, einen Hersteller von Schulflugzeugen.

SIAI-MARCHETTI: Die 1915 von Luigi Capè und Raffaele Conflenti in Mailand gegründete Firma Società Idrovolanti Alta Italia (SIAI), die ab 1937 unter dem Kürzel S.M. (für die 1920 übernommene Flugzeugfirma Società Anonima Costruzioni Aeronautiche Savoia und den Konstrukteur Alessandro Marchetti, der seit 1922 bei SIAI tätig war) auftrat, produzierte u.a. Flugboote, Landflugzeuge (SIAI S.50), Bomber (Savoia-Marchetti SM.79 Sparviero) und Ausbildungsfluggzeuge (SIAI-Marchetti SF.260, S.211).

AGUSTA: 1973, zwei Jahre nach dem Tod von Domeinco Agusta, wurde Agusta von der Staatsholding EFIM (Ente Partecipazioni e Finanziamento Industria Manifatturiera) übernommen. Obwohl sich MV-Agusta zu einem weltweit führenden Motorradhersteller entwickelt hatte und eine ganze Reihe sportlicher Erfolge vorweisen konnte (bis 1975 errangen berühmte Fahrer wie Carlo Ubbiali, John Surtees, Mike Hailwood, Giacomo Agostini und Phil Read insgesamt 275 GP-Siege und 38 Fahrerweltmeisterschaften), stellte Agusta die Motorradproduktion 1980 ein (die Rennabteilung war schon 1976 geschlossen worden), um sich wieder ganz der Entwicklung und dem Bau von Hubschraubern widmen zu können (der Markenname MV-Agusta wurde 1992 an den Motorradhersteller Cagiva verkauft, der anschließend die neue Firma MV-Agusta Motor S.p.A. gründete).

Die ganzen 1970er und 1980er Jahre hindurch beschäftigte sich Agusta mit der Entwicklung des leichten Panzerabwehr-Hubschraubers Agusta A129 Mangusta (Erstflug 1983), der ab 1990 an die italienische Armee ausgeliefert wurde. 1980 gründeten Agusta und Westland Helicopters (Großbritannien) das Jointventure European Helicopter Industries (EH Industries), das den militärischen und zivilen Transporthubschrauber EH-101 Merlin (Erstflug 1987) entwickelte. Das Modell, das vor allem für den Einsatz bei der britischen und italienischen Marine gedacht war, basierte auf einem Entwurf von Westland. Der EH-101 wird in den Werken Yeovil (Westland) und Cascina Costa (Agusta) hergestellt. Gemeinsam mit Eurocopter (Frankreich/Deutschland) und Fokker (Niederlande) rief Agusta 1992 ein weiteres Unternehmen ins Leben, NATO Helicopter Industries. NH Industries entwickelte den Mehrzweck-Hubschrauber NH-90 (Erstflug 1995). Das 1998 mit Bell Helicopter Textron gegründete Jointventure Bell-Agusta Aerospace Company (Forth Worth/Texas) ist für die Produktion des Hubschraubers AB139 (Erstflug 2001) und des Kipprotorflugzeugs BA609 (Erstflug 2003), einer Weiterentwicklung der Bell/Boeing V-22 Osprey, zuständig.

AGUSTA-WESTLAND: Im Jahr 2000 schloss sich Agusta mit dem britischen Hubschrauber-Hersteller Westland Helicopters zusammen. Das neue Unternehmen AgustaWestland N.V., das in Amsterdam (Niederlande) registriert war, seinen Hauptsitz aber in Samarate (Varese) hatte, gehörte zunächst der Finmeccanica S.p.A. und der britischen GKN plc, dem vormaligen Eigentümer von Westland. 2004 erwarb jedoch Finmeccanica alle Anteile an AgustaWestland. Produktionswerke gab es in Cascina Costa di Samarata (Varese), Vergiate (Varese), Tessèra (Venezia), Anagni, Frosinone, Brindisi, Yeovil (Großbritannien), Philadelphia (USA) und Swidnik (Polen; 2009 Übernahme des polnischen Hubschrauberherstellers PZL Świdnik).

WESTLAND HELICOPTERS: Westland wurde 1915 als Tochtergesellschaft der Petters Ltd. (Dieselmotoren) in Yeovil (Somerset) gegründet. Der Name Westland geht auf die geografische Bezeichnung West Hendford zurück, wo die Petter-Familie 1913 neues Land erworben hatte, auf dem dann die Westland Aircraft Works (ab 1935 Westland Aircraft Ltd.) errichtet wurden. Zunächst produzierte die Firma Kampfflugzeuge in Lizenz (Short 184, Short 166, Sopwith 1½ Strutter, De Havilland Airco DH.4, Airco DH.9, Airco DH.9A, Vickers Vimy), ab 1917 wurden auch eigene Konstruktionen gebaut (1917 Westland N.1B, 1918 Westland Wagtail, 1918 Westland Weasel, 1927 Westland Wapiti, 1936 Westland Lysander, 1938 Westland Whirlwind, 1942 Westland Welkin, 1946 Westland Wyvern). Während des 2. Weltkriegs baute Westland auch die berühmten Vickers Supermarine Spitfire in Lizenz. Mehrere der späteren Westland-Flugzeuge (Lysander, Whirlwind, Welkin) wurden von William Edward Willoughby (Teddy) Petter (1908 – 1968), dem Sohn des Firmengründers Sir Ernest Petter (1873 – 1954), konstruiert. Teddy Petter war auch Konstrukteur der Kampfflugzeuge English Electric Canberra, English Electric/BAC Lightning, Folland Midge und Folland Gnat.

Westland baute nach dem 2. Weltkrieg nur noch Hubschrauber, und zwar zunächst ausnahmlos Modelle des US-Herstellers Sikorsky: ab 1950 den Westland WS-51 Dragonfly (Sikorsky S-51), ab 1954 den Westland Whirlwind (Sikorsky S-55/H-19 Chickasaw), ab 1961 den Westland Wessex (Sikorsky S-58 Choctaw) und ab 1969 den Westland WS-61 Sea King (Sikorsky S-61). In den 1960er Jahren fertigte Westland auch Modelle anderer Hersteller in Lizenz (Bell/Agusta 47 als Westland Sioux, Sud Aviation/Aérospatiale SA 330 Puma als Westland Puma, Aérospatiale Gazelle als Westland Gazelle). Eine Eigenentwicklung war der Westland Lynx (Erstflug 1971), der ursprünglich gemeinsam von Westland und Aérospatiale gebaut werden sollte.

1959/1961 kam es im Zuge der Konzentration der britischen Luftfahrtindustrie zum Zusammenschluss der Hubschrauber-Hersteller Westland Aircraft, Saunders-Roe (Saro), Fairey Aviation und Bristol Aeroplane Helicopter Division zur Westland Helicopters Ltd. Westland erbte dadurch Modelle wie den Saunders-Roe Scout, den Saunders-Roe Wasp, den Fairey Rotodyne oder den Bristol 192 Belvedere. Auch das erste Luftkissenboot Saunders-Roe SR.N1 ging in den Besitz von Westland über. Die 1964 gegründete British Hovercraft Corporation (Westland Helicopters, Vickers-Armstrong, National Research and Development Corporation) baute in den 1960er Jahren die Luftkissenboote SR.N2 – SR.N6 sowie das BH.7 (1969). 1984 wurde die British Hovercraft Corporation in Westland Aerospace umbenannt.

Von 1988 bis 1994 ging Westland Helicopters in den Besitz des britischen Konzerns GKN/Guest, Keen and Nettlefolds (Metallverarbeitung, Schrauben, Muttern, Bolzen, Antriebswellen, Militärfahrzeuge) über. Zu dieser Zeit konnte sich Westland einen Auftrag über den Bau von 67 Kampfhubschraubern des Typs McDonnell-Douglas AH-64D Apache Longbow für die Britische Armee sichern. Die Westland AH Mk 1 Apache wurden von 2001 bis 2004 ausgeliefert.

AGUSTA-WESTLAND: Aktuelle Produkte von AgustaWestland sind die Modelle AW109 (Agusta A109; Erstflug 1971), AW159/Super Lynx 300 (Westland Lynx; Erstflug 1971/2009), AW101/EH101 Merlin (Erstflug 1987), AW119 Koala (Erstflug 1995), T129 (Agusta A129 Mangusta; Jointventure mit TAI Turkish Aerospace Industries; Erstflug 2009), NH90 (Erstflug 1995; NHIndustries: Airbus/Eurocopter, AgustaWestland, Fokker), Chinook ICH-47F (Lizenzproduktion des Boeing CH-47 Chinook), Apache AH MK1 (Lizenzproduktion des Boeing AH-64D Apache Longbow), AW139 (Erstflug 2001), AW609 TiltRotor (Kipprotor-Wandelflugzeug; Erstflug 2003), AW149 (Erstflug 2009), AW189 (Erstflug 2011) und AW169 (Erstflug 2012).

FINMECCANICA: Im Jahr 2000 wurde die Finmeccanica-Gruppe teilprivatisiert; der italienische Staat hielt aber immer noch einen bedeutenden Anteil der Aktien.

AVIO: Nachdem Aeritalia (vormals Fiat Aviazione) 1976 verstaalicht worden war, baute Fiat weiterhin Flugzeugtriebwerke. Die dafür zuständige Tochtergesellschaft firmierte ab 1989 als Fiat Avio S.p.A. (ab 2003 Avio S.p.A.). 1994 übernahm Fiat Avio die SNIA-BPD S.p.A. aus Colleferro (vormals SNIA Viscosa und BPD), einen Hersteller von Raketentriebwerken. 2004 wurde die Fiat Avio S.p.A. von Finmeccanica und der amerikanischen Investmentgruppe Carlyle Group erworben. Den Triebwerks- und Turbinenbereich (nun Avio Aero) mit Werken und Standorten in Bari, Brindisi, Cameri, Pomigliano d’Arco, Rivalta di Torino und Rom verkaufte Finmeccanica 2013 an GE Aviation (General Electric). Die Leonardo S.p.A. (vormals Finmeccanica S.p.A.) ist an der Avio S.p.A. (Colleferro) mit 28 Prozent beteiligt (2020). Das Unternehmen stellt Motoren für die Raketen Ariane 5, Ariane 6, Vega und Aster her.

ALENIA-AERMACCHI: 2012 entstand aus dem Zusammenschluss von Alenia Aeronautica und Aermacchi das neue Unternehmen Alenia-Aermacchi mit Sitz in Venegono Superiore bei Varese.

AERMACCHI: Aermacchi wurde 1905 von den Brüdern Giovanni, Giuseppe, Enrico und Giulio Macchi gegründet (Società Anonima Fratelli Macchi). Das Unternehmen produzierte Kutschen, Eisenbahnwaggons, Motorräder (ab 1948; die Motorradproduktion in Schiranna bei Varese wurde zwischen 1960 und 1974 an Harley-Davidson verkauft und 1978 an die Castiglioni-Familie, die sie in Cagiva umbenannte) und Flugzeuge (1913 Gründung der Società Anonima Nieuport-Macchi/Aeronautica Macchi in Varese). Aermacchi spezialisierte sich vor allem auf Flugboote (Macchi M.5), Jagdflugzeuge (Macchi MC.200, MC.202, MC.205), Schulflugzeuge (Aermacchi MB 326, Aermacchi MB 339) und Rennflugzeuge (Macchi MC.72, Macchi M.33, Macchi M.39, Macchi M.52, Macchi M.67, Macchi MC.72). 1997 wurde der italienische Flugzeughersteller SIAI-Marchetti, der von 1970 bis 1983 von Agusta übernommen worden war, in die Firma Aermacchi eingegliedert.

Alenia-Aermacchi war an der Produktion des Eurofighters (Airbus, BAE Systems, Alenia-Aermacchi), der Lockheed-Martin F-35 Lightning II (Joint Strike Fighter), des militärischen Mehrzwecktransporters Alenia C-27J Spartan (mit Lockheed-Martin), des UCAV-Technologieträgers Neuron (Dassault Aviation, Alenia-Aermacchi, EADS, Hellenic Aerospace, RUAG, Saab, Thales) und der ATR-Regionalflugzeuge (gemeinsam mit EADS/Airbus; ATR 42, ATR 72) beteiligt. Eigene Produkte waren die Jettrainer Alenia-Aermacchi M-311/M-345 (SIAI-Marchetti S.211/Aermacchi S-211), Alenia-Aermacchi M-346 Master (auf Basis der Jakowlew Jak-130) und Alenia-Aermacchi MB-339 (Aermacchi MB-339), die Kunstflugmaschine Alenia-Aermacchi SF-260 (SIAI-Marchetti SF-260) sowie die unbemannten Luftfahrzeuge Alenia-Aermacchi Sky-X (Erstflug 2005) und Alenia-Aermacchi Sky-Y (Erstflug 2007). Daneben fertigte das Unternehmen Komponenten für Boeing (767, 777, 787), Airbus (320, 330, 340, 380), Dassault (Falcon) und Sukhoi (Superjet 100). Am russischen Sukhoi-Superjet-100-Projekt war Alenia-Aermacchi mit 51 Prozent beteiligt.

2016 wurde Alenia-Aermacchi in die Aeronautics-Division von Finmeccanica eingegliedert. Der Unternehmenssitz von Alenia-Aermacchi befand sich am Werksflugplatz Venegono bei Varese. Weitere Produktionsstandorte gab es in Turin, Neapel, Cameri, Pomigliano d’Arco und Tarent.

LEONARDO: 2016 wurden die Finmeccanica-Tochtergesellschaften AgustaWestland (Hubschrauber), Alenia Aermacchi (Flugzeuge), Selex ES (Flugsicherungsanlagen), Oto Melara (Panzerfahrzeuge, Kanonen, Schiffsgeschütze, Raketen) und Whitehead Alenia Sistemi Subacque (Torpedos, Torpedo-Abwehrsysteme, Sonare) in einem neuen Unternehmen mit dem alten Namen Finmeccanica S.p.A. zusammengeschlossen. Mehrere andere Geschäftsfelder waren zuvor verkauft worden (Energie, Omnibusse, Schienenfahrzeuge). Seit 2017 firmiert die neue Finmeccanica S.p.A. unter dem Namen Leonardo S.p.A. – nach dem italienischen Universalgelehrten Leonardo da Vinci, der neben seinen vielfältigen Aktivitäten auch diverse Flug- und Kriegsgeräte entworfen hatte (Luftschrauben, U-Boote, Belagerungsgeräte, Panzer).

Leonardo produziert u.a. Militärflugzeuge (AW609 TiltRotor, C-27J Spartan, Eurofighter Typhoon, M-311/M-345, M-346 Master, MB-339), Zivilflugzeuge (ATR 42, ATR 47, SF-260), Hubschrauber (Apache AH MK1, AW101/EH101 Merlin, AW109, AW119 Koala, AW139, AW149, AW159/Super Lynx 300, AW189, Chinook ICH-47F, NH90, T129/A129), unbemannte Luftfahrzeuge (Sky-X, Sky-Y), Flugzeugkomponenten (für Airbus, Boeing, Dassault, Embraer, Sukhoi), Avionik, Raumfahrttechnik, Rüstungselektronik (Radargeräte, Sensoren), Schiffsgeschütze, Torpedos, Radpanzer, Munition sowie Sicherheits- und Informationssysteme (Flugsicherungssysteme, Überwachungssysteme).

Darüber hinaus ist Leonardo an mehreren Jointventures beteiligt: ATR Avions de Transport Régional (mit Airbus), Eurofighter (mit Airbus und BAE Systems), MBDA Missile Systems (mit Airbus und BAE Systems), Sukhoi Superjet 100 (mit Sukhoi), Thales Alenia Space (mit Thales) und Telespazio (mit Thales).

Der Hauptsitz der Leonardo S.p.A. befindet sich in Rom, Produktionsstandorte gibt es u.a. in Anagni, Brindisi, Cameri, Cascina Costa di Samarata, Foggia, Frosinone, Grottaglie, Neapel, Philadelphia (USA), Pomigliano d’Arco, Swidnik (Polen), Tarent, Tessèra, Turin, Venegono bei Varese, Vergiate und Yeovil (Großbritannien).

Text: Toralf Czartowski

Leonardo Logo
Leonardo Logo

Tochtergesellschaften, Beteiligungen (Auswahl)

AgustaWestland Logo
AgustaWestland Logo
AgustaWestland Logo
ATR Logo
Avio Logo
Eurofighter Typhoon Logo
MBDA Missile Systems Logo
Selex SE Logo
Thales Alenia Space Logo
Telespazio Logo

Vorgänger Unternehmen

Aeritalia Logo
Aermacchi Logo
Aermacchi Logo
Agusta Logo
Alenia Aermacchi Logo
Alenia Aermacchi Logo
Alenia Aeronautica Logo
Alenia Aeronautica Logo
Alenia Aerospazio Logo
Fiat Aviazione Logo
Finmeccanica Logo
Westland Helicopters Logo
Letzte Änderung der Seite: 29.03.2020 | 14:17