Markenlexikon

Branche: Nahrungsmittel

Le Tartare

Frankreich

Das französische Wort »Tartare« stammt vom griechischen Tartaros ab, in der Mythologie der tiefste Teil der Unterwelt (Hades). Göttervater Zeus pflegte hier seine Feinde für alle Ewigkeit einzusperren, u.a. die Danaiden, Ixion, Oknos, Sisyphos, Tantalos, die Titanen und Tityos. Im Mittelalter bezeichnete man die plündernden Horden Dschinghis Khans als Tartaren, weil man annahm, dass sie direkt aus der Hölle kamen. Mehrere Turkvölker, deren Gebiet der Mongolenkahn einst überrannte, heißen noch heute Tataren – inzwischen ohne »r« geschrieben (u.a. Krim-Tataren, Wolga-Tataren, sibirische Tataren, die Bewohner der russischen Republik Tatarstan).

In Frankreich machte man daraus im späten 18. Jahrhundert eine kulinarische Bezeichnung für gegrillte oder frittierte Fleisch-, Geflügel- und Fischgerichte, nämlich »à la Diable« (nach Teufelsart) oder »à la Tartare« (nach Höllenart). Die kalte Sauce, die dazu gereicht wurde, eine Mischung aus hartgekochtem Eigelb, Olivenöl, Zitronensaft, Salz, Pfeffer, Zwiebeln, Schnittlauch und anderen Kräutern, hieß Sauce à la Tartare. Im deutschen Sprachraum wollte man dem nicht nachstehen und erfand Tatar (fein zerkleinertes rohes Rinderhackfleisch mit Eigelb, gehackten Zwiebeln, Sardellenfilets und Kapern). Der Überlieferung zufolge sollen die Tataren rohe Fleischstücke unter ihren Sätteln mürbe geritten und anschließend verzehrt haben.

Le Tartare
Le Tartare

Die Sauce à la Tartare stand auch Pate für den Kräuterfrischkäse Le Tartare, den der französische Käsehersteller Bongrain (Caprice des Dieux) 1964 auf den Markt brachte – bis 1965 noch ohne »Le«. Das Besondere an dem neuen Käse war einerseits die Herstellung (die frischen Kräuter wurden vor dem Einrühren in den pasteurisierten Frischkäse nicht erhitzt oder getrocknet), andererseits die portionsweise Verpackung in Aluminiumfolie, was den Transport und den Verkauf im Einzelhandel ermöglichte. Zuvor war Frischkäse nur von Hausfrauen und Bäuerinnen für den Eigenverbrauch hergestellt worden.

Produziert wird Le Tartare bis heute in Marsac-sur-l'Isle, einem kleinen Dorf im Südwesten Frankreichs (Dordogne, Aquitanien), wo Bongrain erst kurz vor der Markteinführung von Le Tartare eine neue Käserei errichtet hatte (Fromagerie Marsac/Fromarsac). Ab Mitte der 1970er Jahre wurde die Marke von der Werbefigur »Bauer Jacques« und dem Slogan »Der frische Franzose« beworden; ein stilisiertes Bild dieser Figur ziert noch heute die Verpackung.

Die 1956 von Jean-Noël Bongrain gegründete Firma kreierte im Laufe der Jahre noch weitere Käsemarken, u.a. Chaumes (1967), Rambol (1973), Saint Albray (1973), Chavroux (1984), Saint Agur (1988) und Fol Epi (1989). 1971 kam es zum Zusammenschluss mit der Käserei Gérard (Fromagerie Gérard) aus Le Tholy, die den Weichkäse Géramont herstellte.

2003 erwarb Bongrain die Unilever-Käsemarken Bresso, Milkana, Ramee und Edelweiß sowie den dazugehörigen Produktionsstandort in Kempten/Allgäu, was dazu führte, dass die 8 x 15-Portionen von Le Tartare in Deutschland ab 2007 unter dem Namen Bresso verkauft wurden. In Frankreich, der Schweiz, Polen, Tschechien und Japan heißt die Marke heute Tartare, in Deutschland und Österreich Le Tartare.

2015 benannte sich die Bongrain S.A. in Savencia S.A. (Savencia Fromage & Dairy) um, die Muttergesellschaft Groupe Soparind Bongrain (Käse, Wurstwaren, Fischprodukte, Süßwaren) firmiert nun als Groupe Savencia Saveurs & Spécialités. Der Konzern gehört mehrheitlich der Bongrain-Familie. Savencia betreibt zahlreiche Käsereien in ganz Frankreich, u.a. Fromarsac in Marsac (Le Tartare) und Bongrain-Gérard in Le Tholy (Géramont), außerdem das Edelweiß-Käsewerk in Kempten/Allgäu (Bresso, Brunch, Edelweiß, Milkana, Ramee).

Text: Toralf Czartowski | Foto(s): T. Czartowski

Savencia Fromage & Dairy
42 rue Rieussec
78220 Viroflay – France
T: +33 (0) 30 24 03 83
www.savencia-fromagedairy.com

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Letzte Änderung der Seite: 13.07.2020 | 22:11