Markenlexikon

Branche:

Krauss-Maffei

Deutschland

Die Krauss-Maffei AG entstand 1931 durch den Zusammenschluss der beiden Münchener Lokomotivfabriken Krauss & Comp. – gegründet 1866 von Georg Krauss (1826 – 1906) – und J.A. Maffei AG – gegründet 1838 von Joseph Anton Ritter von Maffei (1790 – 1870). In den 1930er Jahren begann die Firma mit der Herstellung von Maschinen für die Folienherstellung und Halbkettenzugmaschinen für die deutsche Wehrmacht. Nach dem Ende des 2. Weltkriegs kamen Omnibusse, Zentrifugen, Trockner, Filter, Spritzgießmaschinen (seit 1957), Extruder und Extrusionsanlagen hinzu. 1955 erwarb die Buderus AG die Krauss-Maffei AG, wurde aber 1956 selbst von der Friedrich Flick KG (Auto-Union, Charlottenhütte, Daimler-Benz, Dynamit-Nobel, Feldmühle, Maxhütte, Maybach, Neckermann) übernommen.

1957 begann Krauss-Maffei mit der Entwicklung eines mittleren Kampfpanzers für die Bundeswehr. 1963 ernannte das deutsche Verteidigungsministerium Krauss-Maffei zum Generalunternehmer für die Serienfertigung, an der u.a. auch MTU (Motoren), Wegmann (Turm) und Siemens (Feuerleitanlage) beteiligt waren. 1965 begann die Serienproduktion – kurz darauf wurden die ersten regulären Exemplare an die Bundeswehr geliefert. 1972 begann die Entwicklung des Nachfolgemodells Leopard II (Serienproduktion ab 1979). Der Leopard ist der Standard-Panzer der deutschen Armee – daneben wurde der Typ auch an andere Staaten geliefert (u.a. Australien, Belgien, Dänemark, Griechenland, Italien, Kanada, Niederlande, Norwegen, Türkei). Auch der Flakpanzer Gepard (Serienfertigung ab 1974) wurde von Krauss-Maffei gebaut.

Ansonsten fertigte Krauss-Maffei auch weiterhin Lokomotiven. Von 1969 bis 1973 baute Krauss-Maffei die ersten Modelle der Magnetschwebebahn Transrapid; 1977 entschied sich das Bundesministeriums für Forschung und Technologie jedoch für das Konkurrenzmodell von Thyssen-Henschel. Von 1985 bis 1988 war Krauss-Maffei neben Krupp, Thyssen-Henschel, MBB, AEG, BBC/ABB und Siemens am Bau des ICE-V beteiligt. Auch die Universallokomotive EuroSprinter (1993) stammte von Krauss-Maffei.

1985 wurde Krauss-Maffei von der Messerschmitt-Bölkow-Blohm (MBB) GmbH und der Diehl GmbH übernommen. Nachdem MBB 1989 in den Besitz von Daimler-Benz übergegangen war, musste Krauss-Maffei aus kartellrechtlichen Gründen an Mannesmann verkauft werden. 1999 schloss die Mannesmann AG die Krauss-Maffei AG und die Mannesmann-Demag AG zur Mannesmann-Demag-Krauss-Maffei AG zusammen. Gleichzeitig wurde der Bereich Verkehrstechnik in München-Allach (Lokomotivenbau) mehrheitlich an Siemens verkauft und die Wehrtechnikaktivitäten mit Wegmann Kassel, dem Hersteller der Turmsysteme für den Leopard und den Gepard, zusammengeschlossen (Krauss-Maffei Wegmann). Wegmann war 1882 von Peter Wegmann als Waggon- und Fahrzeugbau-Firma in Kassel gegründet worden. 1988 hatte die Firma ihre Waggonbauaktivitäten verkauft und war seitdem nur noch in der Wehrtechnik tätig.

Durch die Übernahme der Mannesmann AG durch Vodafone (2000) und den anschließenden Verkauf der einzelnen Mannesmann-Geschäftsfelder an verschiedene Unternehmen, kam Siemens 2001 in den Besitz der Krauss-Maffei-Sparten Vekehrstechnik (Lokomotivenbau), Wehrtechnik (49 Prozent; der Rest von Krauss-Maffei-Wegmann gehörte der Familie des früheren Wegmann-Eigentümers August Boder; 2010 verkaufte Siemens seinen KMW-Anteil an die Wegmann Gruppe) und Maschinenbau (Spritzgießmaschinen).

KMW stellt heute Kampfpanzer (Leopard 2), Schützenpanzer (Puma), Radfahrzeuge (Boxer, Fennek, Dingo, Mungo), Artilleriesysteme (Panzerhaubitzen, Raketenwerfersysteme), Flugabwehrsysteme (Gepard, LeFlaSys), Schutzausstattungen für Militärfahrzeuge, Pioniergerät (Panzerschnellbrücken, Brückenlegepanzer Leguan, Faltstraßengeräte), Trainings- und Simulationsysteme für militärische und zivile Zwecke (Fahrsimulatoren für Schienen- und Radfahrzeuge) und Kabelsysteme her.

Die Kunststoffmaschinenfertigung der ehemaligen Mannesmann AG, die 1986 gegründete Krauss-Maffei Kunststofftechnik GmbH (ab 1998 Mannesmann Plastics Machinery GmbH) mit den Tochtergesellschaften KraussMaffei, Berstorff GmbH und Netstal-Maschinen AG, verkaufte Siemens 2002 an die US-Beteiligungsgesellschaft KKR, die sie 2006 an Madison Capital Partners aus Chicago weiterreichte. 2007 wurde die Mannesmann Plastics Machinery AG in KraussMaffei AG (ab 2012 KraussMaffei GmbH) umbenannt. Von 2012 bis 2016 gehörte die KraussMaffei Group GmbH zum kanadischen Finanzinvestor Onex Corporation, seit 2016 zur China National Chemical Corporation (ChemChina). Für das operative Geschäft der KraussMaffei Group sind die Tochtergesellschaften KraussMaffei Technologies GmbH (München), KraussMaffei Berstorff GmbH (Hannover) und Netstal-Maschinen AG (Näfels/Schweiz) zuständig.

Ende 2015 schloss sich KMW mit dem staatlichen französischen Rüstungskonzern Nexter Systems S.A. aus Roanne (Leclerc Kampfpanzer, Panzerwagen, Schützenpanzer, Artilleriesysteme, Sturmgewehre, Munition) – vormals GIAT Industries (Groupement Industriel de l’Armement Terrestre) – zusammen. Das neue Unternehmen firmiert als KMW Nexter Defense Systems (KNDS).

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 16.06.2019 | 01:49