Markenlexikon
Der Kaufmann Joseph Anton von Maffei (1790 – 1870) war zunächst Vorsitzender der München-Augsburger Eisenbahn-Gesellschaft. Um Bayern von Dampflokomotiven aus England unabhängig zu machen, erhielt er von König Ludwig I. die Konzession zum Betrieb eines Eisenwerks. Daraufhin erwarb er 1837/1838 die bayerische Hofhammerschmiede (Lindauer'schen Hammer München-Hirschau), die 1814 von dem Hofhammerschmied Georg Lindauer gegründet worden war. Nach der Eröffnung des Ludwig-Donau-Main-Kanals stieg Maffei 1847 auch in den Bau von Dampfschiffen ein. Daneben fertigte das Unternehmen stationäre Dampfmaschinen und Eisenbahnbrücken, später in den 1920er Jahren auch Diesel- und Elektrolokomotiven, Straßenwalzen, Zugmaschinen und Zentrifugen. 1928 wurde Maffei durch die Kasseler Lokomotiv- und Maschinenfabrik Henschel & Sohn übernommen. Da der damalige Maffei-Chef Carl Canaris zuvor die Bilanzen geschönt hatte, um die desolate Lage des Unternehmens zu verschleiern, machte Henschel die Fusion wieder rückgängig. 1931 erwarb der Münchener Konkurrent Krauss & Comp. das Unternehmen Maffei, nicht aber die Werksanlagen und die Mitarbeiter. Das Werk Hirschau wurde 1935 abgerissen.
Georg Krauß (1826 – 1906) hatte einige Jahre als Schlosser bei Maffei in München gearbeitet und war dann als leitender Maschinenmeister bei der Königlich Bayerischen Staatsbahn in Hof, Kempten und Lindau sowie bei der Schweizerischen Nordostbahn in Zürich tätig. Dort baute er auch seine ersten Lokomotiven. Gegen den Widerstand von Joseph Anton von Maffei gründete er 1866 auf dem Marsfeld in München-Neuhausen eine eigene Lokomotivfabrik. 1867 lieferte Krauss die erste Lokomotive aus. 1872 und 1880 entstanden zwei weitere Werke am Münchner Südbahnhof und in Linz. 1873 begann Krauss mit dem Bau von Lokalbahnen im ländlichen Raum, um den Absatz der eigenen Lokomotiven zu fördern. Ende der 1920er Jahre nahm das Unternehmen die Fertigung von Nutzfahrzeugen auf.
In den 1930er Jahren begann Krauss-Maffei mit der Herstellung von Maschinen für die Folienherstellung und Halbkettenzugmaschinen für die deutsche Wehrmacht. 1935 zog das Unternehmen nach München-Allach um. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kamen Produkte wie Extruder, Extrusionsanlagen, Filter, Omnibusse, Spritzgießmaschinen, Trockner und Zentrifugen hinzu. 1955 wurde Krauss-Maffei von den Buderus’schen Eisenwerken übernommen, die 1956 in den Besitz des Flick-Konzerns (Auto-Union, Charlottenhütte, Daimler-Benz, Dynamit-Nobel, Feldmühle, Maxhütte, Maybach, Neckermann) übergingen.


1957 begann Krauss-Maffei mit der Entwicklung eines mittleren Kampfpanzers für die Bundeswehr. 1963 ernannte das deutsche Verteidigungsministerium Krauss-Maffei zum Generalunternehmer für die Serienfertigung, an der auch MTU (Motoren), Wegmann (Turm) und Siemens (Feuerleitanlage) beteiligt waren. 1965 begann die Serienproduktion. Kurz darauf wurden die ersten regulären Exemplare an die Bundeswehr geliefert. 1972 begann die Entwicklung des Nachfolgemodells Leopard II (Serienproduktion ab 1979). Der Leopard ist der Standard-Panzer der deutschen Armee – daneben wurde der Typ auch an andere Staaten geliefert (Australien, Belgien, Dänemark, Griechenland, Italien, Kanada, Niederlande, Norwegen, Türkei). Auch der Flakpanzer Gepard (Serienfertigung ab 1974) wurde von Krauss-Maffei gebaut.
Von 1969 bis 1973 baute Krauss-Maffei die ersten Modelle der Magnetschwebebahn Transrapid. 1977 entschied sich das Bundesministerium für Forschung und Technologie jedoch für das Konkurrenzmodell von Thyssen-Henschel. Von 1985 bis 1988 war Krauss-Maffei neben ABB/BBC, AEG, Krupp, MBB, Siemens und Thyssen-Henschel am Bau des ICE-V beteiligt. Auch die Universallokomotive EuroSprinter (1993) stammte von Krauss-Maffei.
1985 wurde Krauss-Maffei von MBB Messerschmitt-Bölkow-Blohm (Luft- und Raumfahrt) und Diehl (Wehrtechnik) übernommen. Nachdem MBB 1989 in den Besitz von Daimler-Benz übergegangen war, musste Krauss-Maffei aus kartellrechtlichen Gründen an Mannesmann verkauft werden. 1999 schloss Mannesmann die beiden Tochtergesellschaften Krauss-Maffei und Mannesmann-Demag zusammen. Gleichzeitig wurde der Bereich Verkehrstechnik in München-Allach (Lokomotivbau) mehrheitlich an Siemens verkauft und die Wehrtechnikaktivitäten mit Wegmann Kassel, dem Hersteller der Turmsysteme für den Leopard und den Gepard, zusammengeschlossen (KMW Krauss-Maffei Wegmann). Wegmann war 1882 von Peter Wegmann als Waggon- und Fahrzeugbau-Firma in Kassel gegründet worden. 1988 hatte die Firma ihre Waggonbauaktivitäten verkauft und war seitdem nur noch im Bereich Wehrtechnik tätig..
Durch die Übernahme von Mannesmann durch Vodafone (2000) und den anschließenden Verkauf der einzelnen Mannesmann-Geschäftsfelder an verschiedene Unternehmen, kam Siemens 2001 auch in den Besitz der KM-Sparten Maschinenbau und Wehrtechnik (KMW gehörte zur Hälfte der Familie des früheren Wegmann-Eigentümers August Bode). Die Fertigung der Kunststoffmaschinen verkaufte Siemens 2002 an eine US-Beteiligungsfirma. Die KraussMaffei Group gehört seit 2016 zum chinesischen Staatskonzern ChemChin. Den KMW-Anteil verkaufte Siemens 2010 an die Wegmann Gruppe. KMW schloss sich 2015 mit dem staatlichen französischen Rüstungskonzern Nexter Systems (Artilleriesysteme, Leclerc Kampfpanzer, Munition, Panzerwagen, Schützenpanzer, Sturmgewehre) zusammen. KNDS (bis 2024 KMW Nexter Defense Systems) und Siemens Mobility sind beide noch am Standort München-Allach ansässig.
Text: Toralf Czartowski • Fotos: Public Domain