Tory Tordal: Taro Yagur – Kampf um Tanybur

Markenlexikon

Korg

Ursprungsland: Japan

Über das frühe Leben des in Nagoya geborenen Tsutomu Katoh (1926 – 2011) ist wenig bekannt. Während des Zweiten Weltkriegs soll er eine Ausbildung auf einem U-Boot der Kaiserlichen Japanischen Marine absolviert haben. Nach dem Krieg ging er nach Tokyo und arbeitete dort bei einer Eisenbahngesellschaft. Um 1960 besaß er bereits ein Lebensmittelgeschäft, ein Musikgeschäft und einen Nachtclub – alle im Bezirk Shinjuku, im Westen Tokyos, wo sich eins der größten Vergnügungsviertel der Stadt befand (Kabukicho). In den 1960er Jahren veranstaltete er in seinem Nachtclub häufig Live-Auftritte von bekannten Musikern. Der Akkordeonspieler und Elektroingenieur Tadashi Osanai (1910 – 1977) trat dort regelmäßig auf. Da er mit seiner Rhythmus-Maschine vom Typ Wurlitzer Sideman unzufrieden war, überzeugte er Katoh, ihm die Entwicklung eines besseren Geräts zu finanzieren.

1962 mieteten sie eine kleine Fabrik direkt an der Keio-Eisenbahnlinie, die den Bahnhof Shinjuku mit den Städten Chofu, Fuchu und Hachioji verbindet, und der Firma auch den ersten Namen gab: Keio Gijutsu Kenkyujo (Keio Electronic Laboratory). 1963 kam die elektromechanische Rhythmus-Maschine Donca Matic DA-20 als erstes Produkt des neuen Unternehmens auf den Markt. Wie auch die Sideman, arbeitete die DoncaMatic mit einem rotierenden Scheibensystem, um die Rhythmen zu erzeugen. Die nächsten Jahre produzierte Keio verschiedene verbesserte Varianten dieser Rhythmus-Maschine.

1967/1968 entwickelte der Ingenieur Fumio Mieda für Keio eine programmierbare Elektro-Orgel, die dem Unternehmen dann auch den heutigen Namen gab: erst Korgue (Katoh + Osanai + Orgue/Organ od. Keio Orgue) und ab 1973 Korg. Von dieser Orgel wurden jedoch nur fünfzig Stück produziert. Weil die Firma meinte, gegen etablierte Orgel-Hersteller wie Hammond oder Wurlitzer keine Chance zu haben, verlegte sie sich auf den Bau von Synthesizern, eine Nische, die sich gut für kleinere Firmen eignete. Zudem hatte Katoh von einem Musikstudenten erfahren, dass Miedas Orgel ähnlich wie ein Minimoog klang. Fumio Mieda arbeitete jahrzehntelang für Korg und war an der Entwicklung vieler Korg-Synthesizer beteiligt.

1973, rund zehn Jahre nachdem der amerikanische Elektroingenieur und Physiker Robert Arthur Moog dieses neue Instrument zur Serienreife entwickelt hatte, kam der erste analoge Mono-Synthesizer von Korg auf den Markt (Mini-Korg 700 oder K1). Zur gleichen Zeit entwickelten auch Roland und Yamaha ihre ersten Synthesizer. Doch während Hammond, Moog und Wurlitzer bald in die Bedeutungslosigkeit versanken, verhalfen die drei japanischen Hersteller dem Synthesizer dank Massenfertigung und günstigen Preisen zum internationalen Durchbruch. Auch die sehr innovativen US-Hersteller wie ARP, Oberheim oder Sequential Circuits (Prophet) konnten da auf Dauer nicht mithalten.

Korg
Korg

Mit dem Modell PS-3300/3100 (1977 – 1981) brachte Korg seinen ersten vollständig polyphonen (mehrstimmigen) Synthesizer auf den Markt. Der größte Erfolg gelang Korg ab 1981 mit dem polyphonen Analogsynthesizer PolySix, der erstmals die 2000-Dollar-Preisgrenze (USA) und 1000-Pfund-Preisgrenze (Großbritannien) durchbrach. Dieses Gerät gehörte zwar nicht zu den Flaggschiff-Synthesizern auf dem Markt (Poor man's Prophet), aber es war der erste massentaugliche Synthesizer. Korg blieb dem guten Preis-Leistungs-Verhältnis auch bei anderen Analoggeräten der 1980er Jahre treu (Mono/Poly, Poly-61, Poly-800). Einige dieser alten Synthesizer werden von Musikern wegen ihres Klangs noch heute gerne benutzt.

In den USA wurden die Korg-Synthesizer bis 1975 unter dem Markennamen Univox vertrieben; das war eine Marke der Vertriebsgesellschaft Unicord, die damals zum Mischkonzern Gulf & Western (Autoteile, Bergbau, Chemie, Filmstudios, Metallverarbeitung, Plattenlabel, Tabak, Zucker) gehörte. Nachdem Keio Electronic Unicord 1985 gekauft hatte, kam es zur Umfirmierung in Korg USA. 1986 benannte sich auch die japanische Muttergesellschaft nach ihrem Markennamen in Korg Inc. um. In Großbritannien war die Musikalienhandelsgesellschaft Rose-Morris für den Korg-Vertrieb zuständig, bis Korg diese Firma 1992 ebenfalls übernahm und in Korg UK umbenannte.

Mit dem digitalen M1 (1988 – 1994) definierte Korg im Prinzip ein neues Instrument: die Music Workstation, in der verschiedene Hardwarekomponenten in einem einzigen Gerät zusammengefasst wurden (Drumcomputer, Effektgeräte, Klaviatur, Sampler, Sequenzer, Synthesizer). Der M1 war neben dem Yamaha DX7 und dem Roland D50 der am meisten gebaute und verkaufte Synthesizer der 1980er und 1990er Jahre.

1989 engagierte Korg das frühere Entwicklerteam von Sequential Circuits (Dave Smith, John Bowen, Scott Peterson, Stanley Jungleib), nachdem diese Firma zuvor zwei Jahre zu Yamaha gehört hatte, ohne dass dabei ein neues Produkt herausgekommen war. Bei Korg arbeitete das ehemalige SCI-Team an der Entwicklung der Wavestation-Synthesizer. Gemeinsam mit David Friend, neben Alan Robert Pearlman der zweite Gründer von ARP Instruments, brachte Korg 2015 den analogen Synthesizer ARP Odyssey (1972 – 1981) in einer modernisierten Version erneut auf den Markt. Die Firma ARP war bereits 1981 an CBS verkauft worden.

Der Firmensitz von Korg befindet sich in Inagi (westlich von Tokyo). Hergestellt werden die Produkte (Akkordeons, Digitalpianos, Drum-Computer, Effektgeräte, Keyboards, Kopfhörer, Lautsprechersysteme, Metronome, Plattenspieler, Recorder, Software, Synthesizer, Tuner) vor allem im Korg-Werk Haiphong (Vietnam). Ab 1996 wurden Korg-Keyboards zeitweise auch in Osimo (Italien) entwickelt und gefertigt. Von 1987 bis 1993 war der Konkurrent Yamaha an Korg beteiligt.

Text: Toralf Czartowski • Fotos: Pixabay.com, Public Domain

www.korg.com