Markenlexikon
Der Zuckerhändler Iwajiro Suzuki gründete 1877 eine Handelsgesellschaft für Zucker, Kampfer und Lampenöl (Suzuki Shoten), die nach seinem Tod 1894 von seiner Witwe Yone Suzuki (1852 – 1938) und den beiden Managern Fujimatsu Yanagida und Naokichi Kaneko weitergeführt wurde. Das Unternehmen handelte mit Zucker, Kampfer und Öl, betrieb Zuckerfabriken, Getreidemühlen, Reedereien, Ölmühlen, pharmazeutische Fabriken, Bergbauunternehmen (Kupfer, Zink) und war im Immobiliengeschäft tätig. Yone Suzuki gehörte in den 1920er Jahren zu den reichsten Frauen der Welt.
1905 erwarb Suzuki Shoten die kleine Stahlfirma Kobayashi Seikosho (Kobayashi Stahlwerke) in Kobe, die gerade erst von Seiichiro Kobayashi und Tatsuzu Kosugi (ein früherer Marine-Ingenieur) gegründet worden war. Suzuki Shoten hatte für Kobayashi und Kosugi die gesamte Ausrüstung und die Maschinen für deren Werk aus Großbritannien importiert und ihnen auch Kredit gewährt. Die Gründer bekamen aber bald mit, welchen finanziellen Aufwand der Betrieb eines Stahlwerkes bedeutete, und so verkauften sie ihre Firma an den Suzuki-Shoten-Konzern, der trotz seiner Größe und finanziellen Kraft noch Jahre brauchte, um das Stahlgeschäft anzukurbeln. Nach der Übernahme wurde Kobayashi Seikosho in Kobe Seikosho (Kobe Stahlwerke) umbenannt. Zu den großen Kunden gehörte anfangs vor allem die japanische Marine. Der erste Direktor nach der Umwandlung des Werks in eine eigene Gesellschaft (Kobe Seikosho/Kobe Steel) war 1911 ein früherer Admiral. Suzuki Shoten ging 1927 im Zuge einer Finanzkrise pleite; einzelne Firmenteile, u. a. Kobe Steel, wurden anschließend als selbstständige Unternehmen weitergeführt.


Neben der Produktion von Stahl expandierte Kobe Steel bald auch in andere Bereiche. So wurden ab 1914 Kompressoren hergestellt, 1916 folgte Walzstahl, 1917 Kupferstangen und -rohre und ab 1927 fertigte das Unternehmen ganze Fabrikanlagen (u. a. eine Zementfabrik in Hiroshima für Nippon Cement). Später kamen Baumaschinen (1930; zunächst ein elektrisch angetriebener Schaufelbagger für Bergwerke), Aluminiumgussteile (1937), Schweißelektroden (1940) und Titan (1951) hinzu. 1937 ging das Unternehmen an die Börsen von Tokyo, Osaka und Kobe.
International am bekanntesten wurden die Baumaschinen, die seit 1979 unter dem Namen Kobelco vermarktet werden. Der Name ist ein Akronym aus (Kobe) Stee(l) (Co)nstruction Machinery. Das Baumaschinenprogramm wurde in den nächsten Jahrzehnten stetig ausgeweitet und um neue Maschinen ergänzt (1949 Schaufelbagger mit Dieselantrieb, 1955 Krane, 1963 Hydraulikbagger, 1968 Minibagger, 1973 Radlader, 2002 Abrissmaschinen). 1999 wurde die Abteilung Kobelco Construction Machinery in ein Unternehmen umgewandelt. Seit 2006 verwendet auch der Mutterkonzern die Marke Kobelco; das Unternehmen heißt aber weiterhin offiziell Kabushiki Gaisha Kobe Seikosho (engl. Kobe Steel Ltd.).
In Europa wurden die Kobelco-Baumaschinen von 2002 bis 2012 durch das Jointventure Fiat-Kobelco Machinery vertrieben und teilweise auch in Lizenz gefertigt. Fiat-Kobelco gehörte der damaligen Fiat-Tochter CNH Global (Case New Holland), der Kobelco Construction Machinery Co. Ltd. und der Sumitomo Corporation. In dieser Zeit kamen die Baumaschinen als Kobelco und Fiat-Kobelco in den Handel. Die Crane Division firmiert seit 2004 als Kobelco Crane.
Kobe Steel betreibt acht Werke in Japan (Fukuchiyama, Higashi-Hiroshima, Ibaraki, Inabe, Kakogawa, Kobe, Moka, Shimonoseki) und eins in China (Tianjin).
Text: Toralf Czartowski • Fotos: Unsplash.com, Pixabay.com, Public Domain