Markenlexikon
Der in Emmerich geborene Xaver Wilhelm Matthias Fassin, dessen Vorfahren aus Sizilien stammten und Fassini hießen, wurde 1920 Teilhaber der niederländischen Handelsfirma Langenberg in ’s-Heerenberg. Die 1910 von Jozef Franz Ludgerus Langenberg gegründete Firma handelte mit Farbstoffen, Fliegenpapier und Rattengift. 1930 begann Langenberg mit der Produktion von Fliegenfängern, die sich allerdings nur im Sommer gut verkauften. Da man für die Herstellung von Fliegenfängern Zuckersirup benötigte, boten sich als Ersatzprodukt für die Winterzeit Süßwaren an. Fassin hatte bereits früher ein Lakritz-Rezept aus Sizilien mitgebracht, das nun zum Ausgangspunkt für ein neues Produkt wurde.
Der Saft der Süßholzwurzel war schon in der Antike als medizinisches Produkt gegen Erkältung, Husten und Magenbeschwerden verwendet worden, aber erst im Spätmittelalter begann man in Süditalien und Sizilien damit, den Süßholzsaft zu einem schwarzen Brei zu verkochen, in Blöcke zu gießen und anschließend an der Luft zu trocknen. Diese Blocklakritz hatte keine weiteren Zutaten, wie sie heute bei der Herstellung von Lakritz-Produkten verwendet werden (Gummi arabicum, Stärke, Gelatine, Zucker, Salz, Salmiak, Honig, Lorbeer etc.). Außer in Italien war und ist Lakritz in den Niederlanden, in England und Skandinavien sehr beliebt.
1947 musste die deutsche Fassin-Familie die Niederlande wegen antideutscher Ressentiments für zwei Jahre verlassen. In dieser Zeit reifte bei Xavier Fassin der Gedanke, eine zweite Produktionsstätte in seiner Heimatstadt Emmerich zu errichten, die nur ein paar Kilometer von ’s-Heerenberg entfernt auf der deutschen Seite des Rheins liegt. 1950 war es soweit: Der ältere Sohn Helmut Franz Frits Fassin (1927 – 2013) übernahm das Werk in ’s-Heerenberg, wo weiterhin Haushaltsartikel und gezogene Lakritzprodukte (Lakritzschnüre) hergestellt wurden, sein jüngerer Bruder Klaus Franz Xaver (1931 – 2021) spezialisierte sich im neuen Werk in Emmerich auf die Produktion von gegossenem Lakritz. Das niederländische Unternehmen, das Marken wie Fassin, Fascini, Katja und Nicolientje verwendet, firmierte unter Namen wie Langenberg-Fassin, Fassin und Koninklijke Fassin (Royal Fassin), das deutsche als Katjes Fassin.
Der Name Katjes (niederl. Kätzchen) war in den Niederlanden bereits im späten 19. Jahrhundert von mehreren Herstellern als Marke für Lakritzprodukte verwendet worden. Langenberg vermarktete seine Lakritzkatzen in den 1930er Jahren ebenfalls als Katjes und die niederländische Firma Venco benutzt den Namen noch heute (Venco Katjes Drop). Royal Fassin verwendet daher in den Niederlanden die abgewandelte Form Katja.
Neben den Lakritzprodukten gehören der 1972 gegründeten Beteiligungsgesellschaft Katjes International noch zahlreiche weitere Unternehmen und Marken aus unterschiedlichen Branchen (Ahoj, Barnängen, Bogner, Bübchen, Dallmann, Dr. Hillers, Gletscher Eis, Granini Fruchtbonbons, Hustelinchen, Lutti, Sallos, Shirin Beauty, Sperlari, Theramed, Treets, Vademecuum, Villosa, Wick Hustenbonbons).
Die Unternehmen Katjes Fassin und Katjes International befinden sich größtenteils im Besitz von Bastian Fassin, dem Sohn von Klaus Fassin. Royal Fassin gehört Thomas und Patricia Fassin. Katjes Fassin betreibt Produktionswerke in Emmerich, Remshalden und Potsdam-Babelsberg, Royal Fassin in ’s-Heerenberg.
Text: Toralf Czartowski