Markenlexikon

Branche: Nutzfahrzeuge

Kamaz

Russland

Infolge des erhöhten Lastgwagenbedarfs ließ die sowjetische Regierung von 1969 bis 1976 in der russischen Industriestadt Nabereschnyje Tschelny an der Kama (ein Nebenfluss der Wolga) ein neues Lastwagenwerk errichten, das Anfang 1976 den Betrieb aufnahm. Zunächst liefen drei dreiachsige Varianten vom Band: eine Sattelzugmaschine (Kamaz 5410), ein Pritschenwagen (Kamaz 5320) und ein Muldenkipper (Kamaz 5511). Von 1972 bis 1977 entstand ein weiteres Werk in Neftekamsk, wo zunächst der Kamaz 5511 vom Band lief und ab 1981 auch Busse.

Entwickelt wurden die Prototypen vom zentralen sowjetischen Fahrzeugplanungs- und Entwicklungsinstitut NAMI (Nautschno-issledowatelski Awtomobilny y Awtomotorny Institut), der Motorenfabrik in Jaroslawl sowie dem Moskauer Ingenieur-Institut I. A. Lichatchov; Iwan Alexejewitsch Lichatschow (1896 – 1956) war lange Zeit Direktor des Moskauer Lkw-Herstellers AMO (Awtomobilnoje Moskowskoje Obschtschestwo) sowie der AMO-Nachfolger ZIS (Zavod imeni Stalina) und ZIL (Zavod imeni Lichatschova) gewesen. 1985 wurde ein weiteres Montagewerk auf Kuba errichtet. Die Kamaz-Lastwagen kamen fast ausschließlich in den RGW-Staaten sowie einigen sozilistisch ausgerichteten Ländern in Afrika und Asien zum Einsatz. Im Oktober 1988 lief in Nabereschnyje Tschelny der einmillionste Lastwagen vom Band.

1990 wurde Kamaz als erstes russisches Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Nachdem ein Großfeuer im April 1993 das gesamte Motorenwerk zerstört hatte, verbaute Kamaz fortan Motoren von Cummins und Caterpillar. Das Werk in Neftekamsk wurde 1993 in ein eigenständiges Unternehmen (NEFAZ – OAO Neftekamski Avto Zavod) mit einer Mehrheitsbeteiligung von Kamaz umgewandelt.

Von 1987 bis 2006 lief in Nabereschnyje Tschelny auch der von mehreren russischen Firmen (Kamaz, Lada, SeAZ) produzierte Kleinwagen Oka vom Band.

Kamaz (Kamskiy Avtomobilny Zavod) produziert heute Lastwagen aller Größenklassen, Busse, Baustellenfahrzeuge und Panzer. 2008 beteiligte sich die Daimler AG mit 10 Prozent an Kamaz. Weitere Aktionäre sind das Staatsunternehmen Rostec (vorm. Rostehnologii; 49.9 Prozent), die Investmentgesellschaft Troika Dialog (27.3 Prozent) und die European Bank for Reconstruction and Development (4 Prozent).

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 16.06.2019 | 01:49