Tory Tordal: Taro Yagur – Kampf um Tanybur

Markenlexikon

John Player Special (JPS)

Ursprungsland: Großbritannien

John Player (1839 – 1884) betrieb zunächst ein Geschäft in Nottingham, das Saatgut, Dünger und später auch Tabak verkaufte. 1877 erwarb er eine Fabrik in Nottingham-Radford und begann mit der Herstellung von Pfeifen- und Kautabak sowie handgedrehten Zigaretten. Schon damals entwickelte der Gründer eine glückliche Hand für erfolgreiche Werbekampagnen, sodass sein Unternehmen schnell expandierte. Er war auch der Erste, der in Großbritannien abgepackte Markenzigaretten verkaufte (ab 1883 Player's Navy Cut). 1884 zog die Firma in ein größeres Gebäude im Stadtteil Radford um (Castle Tobacco Factory). Kurz darauf starb der Gründer im Alter von nur 45 Jahren an Leberkrebs. Daraufhin wurde die Firma von mehreren Familienfreunden weitergeführt, bis die Gründersöhne John und William 1893 alt genug waren, um die Leitung selbst zu übernehmen.

1901 schloss sich John Player & Sons mit zwölf britischen Tabakherstellern zur Imperial Tobacco Company (Bristol) zusammen. Hintergrund der Gründung war der Versuch der American Tobacco Company (ATC), auf den britischen Markt vorzudringen. Schließlich einigten sich beide Unternehmen darauf, dass sie sich auf ihren jeweiligen Heimatmärkten keine Konkurrenz machten, während sie für den Export ihrer Tabakprodukte auf die internationalen Märkte 1902 die British American Tobacco Company (BAT) gründeten. Infolge der Zerschlagung des ATC-Konzerns in mehrere Unternehmen, musste sich die neue American Tobacco Company 1911 jedoch von der BAT-Beteiligung trennen. BAT ging nun vollständig in britischen Besitz über.

Ein großer Erfolg gelang John Player & Sons ab 1966 mit der Marke Player's No. 6, die es mit und ohne Filter gab. Sie war kürzer als andere Zigaretten und damit billiger. Außerdem lagen den Packungen Gutscheine bei, die man sammeln und später gegen allerlei Geschenke eintauschen konnte. Anfangs kam die Firma mit der Produktion kaum hinterher. 1970 wurde Player's No. 6 die meistverkaufte Zigarette in Großbritannien. Die 1968 eingeführte Marke Player's No. 10 war eine Zeit lang die billigste Zigarette auf dem britischen Markt.

Von 1969 bis 1972 errichtete John Player & Sons eine neue Fabrik in Nottingham-Lenton. In der Horizon Factory produzierten rund siebentausend Angestellte jedes Jahr über fünfzig Milliarden Zigaretten. Das alte Werk in Radford wurde nach und nach stillgelegt.

Internationale Bekanntheit erlangte der Name John Player vor allem durch das Engagement in der Formel-1-WM. 1968 war John Player die erste Firma, die Werbeaufkleber (Gold Leaf) auf Formel-1-Fahrzeugen (Lotus-Ford) anbrachte. 1972 verschwand der Name Lotus ganz und die Fahrzeuge hießen nach einer 1970 in Großbritannien neu eingeführten Zigarettenmarke nur noch JPS (John Player Special). Die vollkommen schwarz lackierten fahrenden Zigarettenschachteln mit dem goldenen JPS-Logo gehörten nicht nur zu den schönsten Rennwagen der Formel-1-Geschichte, sondern auch zu den erfolgreichsten. Viermal konnten sich die JPS-Lotus den Weltmeistertitel sichern (1968, 1970, 1972, 1978). Zu den herausragenden F1-Fahrern der JPS-Ära zählten Emerson Fittipaldi, Jochen Rindt, Mario Andretti und Ronnie Peterson. 1986 beendete John Player das Engagement in der Formel 1.

JPS
JPS

In den 1960er und 1970er Jahren erwarb Imperial Tobacco mehrere Unternehmen außerhalb der Tabakbranche (Brauereien, Drugstores, Hotels, Restaurants), was 1972 zur Gründung der Imperial Group führte. Im selben Jahr wurde die Aufteilung der Märkte zwischen Imperial Tobacco (Großbritannien, Irland) und BAT (weltweit) durch neue Handelsrichtlinien der Europäischen Gemeinschaft beendet, was dazu führte, dass sich Imperial Tobacco bis 1980 von seinen BAT-Anteilen trennte.

Bis dahin hatte das Unternehmen seine Zigarettenmarken (Embassy, Golden Virginia, Gold Leaf, John Player, JPS John Player Special, Lambert & Butler, Player's Navy Cut, Regal, Richmond, Superkings) hauptsächlich in Großbritannien und Irland verkauft, bald kamen jedoch neue Märkte in Kontinentaleuropa und in der Asien-Pazifik-Region hinzu. 1982 brachte Imperial Tobacco die Marke JPS in mehreren europäischen Ländern auf den Markt (Deutschland, Frankreich, Italien, Portugal, Spanien). 1989 folgten die American-Blend-Varianten JPS Red, Silver und White.

1986 wurde Imperial Tobacco durch den britischen Mischkonzern Hanson Trust übernommen, der sich 1996 in vier Unternehmen aufteilte: Hanson, Imperial Tobacco, Millennium Chemicals und The Energy Group. Kurz darauf ging die Imperial Tobacco Group an die Londoner Börse. Ab den späten 1990er Jahren erwarb Imperial Tobacco mehrere internationale Unternehmen aus der Tabakbranche (1997 Rizla, 1998 Douwe Egberts Tabaksparte, 2002/2004 Reemtsma Cigarettenfabriken, 2008 Altadis) und kam damit in den Besitz von Marken wie Astor, Gauloises, Gitanes, Ernte 23, Davidoff, Peter Stuyvesant, R1, Reval, Roth-Händle und West. 2014 erwarb Imperial Tobacco die US-Marken Winston (nur in Nordamerika), Kool und Salem (nur in Nordamerika), die die BAT-Tochter Reynolds American (Camel, Lucky Strike, Pall Mall) infolge der Übernahme von Lorillard Tobacco (Kent, Newport) aus wettbewerbsrechtlichen Gründen verkaufen musste.

War die Marke JPS anfangs eher im Premium-Segment vertreten, verpasste man ihr aufgrund des Trends zu billigeren Discount-Marken nach der Jahrtausendwende ein neues Image als preisgünstige Zigarette. Unter dem Label JPS werden inzwischen auch Lizenzprodukte vermarktet (Kosmetik- und Körperpflegeartikel, Scotch Whisky). In einigen Ländern besitzt British American Tobacco (BAT) die Herstellungs- und Verkaufsrechte an einzelnen oder mehreren John-Player-Marken (u. a. in Kanada).

2016 benannte sich die Imperial Tobacco Group in Imperial Brands um. Die Aktivitäten in den USA firmieren als ITG Brands. Die Horizon Factory in Nottingham-Lenton wurde 2016 als letzte englische Tabakfabrik geschlossen und 2019 abgerissen. Imperial Brands verlagerte die Produktion daraufhin nach Osteuropa.

Text: Toralf Czartowski • Fotos: Pixabay.com, Public Domain

www.imperialbrandsplc.com