Markenlexikon
Der böhmische Ingenieur František Janeček (1878–1941) arbeitete zunächst bei der Prager Elektrofirma von Emil Kolben, aus der später der Elektrokonzern ČKD (Českomoravská-Kolben-Daněk) hervorging. 1909 machte er sich mit einer eigenen Werkstatt selbstständig. In dieser Zeit meldete er dutzende Patente an, deren kommerzielle Umsetzung jedoch am Ausbruch des Ersten Weltkriegs scheiterte. Nachdem er vom Fronteinsatz in Italien zurückgekehrt war, entwickelte er eine verbesserte Handgranate, die später die Standard-Handgranate der tschechoslowakischen Armee wurde.
1929 erwarb Janecek die Herstellungsrechte für ein 500-Kubikzentimeter-Motorrad der deutschen Firma Wanderer, das zunächst als Janeček-Wanderer auf den Markt kam, dann aber in Jawa umgetauft wurde. Als Wanderer die Motorradproduktion 1930 einstellte, kaufte Jawa auch einen Teil der Maschinen, die für die Herstellung der Motorräder nötig waren. Von 1933 bis 1951 baute Jawa auch Autos. Das erste war eine modifizierte Lizenzversion des DKW F2 Meisterklasse (Jawa 700). 1937 folgte die Eigenentwicklung Jawa Minor (1937 – 1939, 1945). Das Nachfolgemodell Aero Minor II (1946 – 1951) wurde zwar von Jawa entwickelt, jedoch in anderen Werken produziert.
Nach dem Zweiten Weltkrieg konzentrierte sich Jawa – nun ein Staatsunternehmen – auf 250-Kubikzentimeter-, 350-Kubikzentimeter- und bis 1958 auch 500-Kubikzentimeter-Maschinen mit Ein- und Zweizylinder-Zweitaktmotoren, die in viele Länder der Welt exportiert wurden. Ab 1954 gab es auch Mopeds und Motorroller, die als Babetta, Jawa, Jawetta, Mustang, Pionýr und Stadion in den Handel kamen. Zwischen 1954 und 1961 liefen die Jawa-Motorräder unter dem Markenzeichen Jawa-ČZ, da beide Motorradhersteller seit ihrer Verstaatlichung 1949 eng zusammenarbeiteten. Ab Mitte der 1950er Jahre hatten die Jawa-Serienmaschinen ein recht markantes Aussehen, das bis in die 1980er Jahre hinein nur geringfügig verändert wurde. Von 1960 bis 1990 war Jawa der größte europäische Motorradhersteller.


Die Firma, die ihren Sitz in Týnec nad Sázavou hat (das dortige Werk existiert seit 1940), wurde 1993 in eine staatliche Aktiengesellschaft umgewandelt und 1996 reprivatisiert. Hauptaktionär von Jawa Moto ist das tschechische Unternehmen Jihostroj aus Velešín, ein Hersteller von Flugzeugtechnik und Hydraulikkomponenten. Jawa produziert heute Motorräder mit 50-Kubikzentimeter- bis 650-Kubikzentimeter-Motoren, die aus eigener Produktion (Zweitakter) sowie von verschiedenen Fremdherstellern stammen (Jincheng Motors/Honda, Rotax, Shineray, Yamaha).
2016 erwarb der indische Mischkonzern Mahindra aus Mumbai (Autos, Baumaschinen, Energie, Luft- und Raumfahrt, Motorräder, Landmaschinen, Wehrtechnik) die Jawa-Markenrechte für die asiatischen Märkte. Produziert werden die indischen Jawas von der Mahindra-Tochter Classic Legends in Madhya Pradesh. Mahindra gehören auch der französische Motorrollerhersteller Peugeot Motocycles und die alte britische Motorradmarke BSA.
Text: Toralf Czartowski • Fotos: Unsplash.com, Pixabay.com, Public Domain