Markenlexikon
Jaffa ist eine alte Hafen- und Handelsstadt, die es bereits in der Antike gab – damals war sie unter Namen wie Yapo, Ipu oder Joppe bekannt. Im Mittelalter diente Jaffa als Hauptlandeplatz für die Kreuzfahrer. Später gehörte die Stadt zum Osmanisch-Türkischen Reich, seit 1948 zu Israel und seit 1950 ist sie ein Teil der ehemaligen israelischen Hauptstadt Tel Aviv (offiziell Tel Aviv-Yafo), die 1909 von eingewanderten Juden vor den Toren Jaffas gegründet worden war.
Seit der Antike wurden in Palästina auch Zitrusfrüchte angebaut, zunächst Zitronen und ab dem 7. Jahrhundert die Orangensorte Baladi, aus der sich später die Shamouti- oder Jaffa-Orange entwickelte. Die kernarme Jaffa-Orange wird auch in anderen Ländern der Levante angebaut (Irak, Jordanien, Libanon, Syrien, Türkei, Zypern). Wegen ihrer harten Schale eignet sie sich sehr gut zum Export in weit entfernte Länder wie etwa Großbritannien. Verschifft wurden die Früchte vom Hafen in Jaffa, ab 1938 vom Hafen Tel Aviv und seit 1965 vom Hafen Ashdod.
Die Zitrusplantagen befanden sich zunächst in der Hand wohlhabender palästinensischer Kaufleute. 1866 baute Sir Moses Haim Montefiore (1784 – 1885) in der Nähe von Jaffa erstmals Zitrusfrüchte an. Der in Italien geborene Jude Montefiore war zuvor in London als Teehändler und Politiker (ab 1837 Sheriff of London) tätig gewesen. Nachdem er 1827 erstmals Palästina bereist hatte, beschloss er, die Auswanderung der Juden nach Palästina finanziell sowie durch industrielle und landwirtschaftliche Ansiedlungen zu fördern. Bestrebungen, Teile der europäischen Juden in ihrer ursprünglichen Heimat Palästina anzusiedeln, hatte es in Großbritannien bereits im späten 18. Jahrhundert gegeben. Dabei ging es allerdings nicht um die Vertreibung der Juden aus Europa, sondern um die Vorherrschaft einzelner Staaten wie Großbritannien und Frankreich im Nahen Osten. In der Folgezeit wurde der Anbau von Zitrusfrüchten zur Haupteinnahmequelle der jüdischen Siedler in Palästina.
1929, als Palästina noch britisches Mandatsgebiet war, entstand die Jaffa Citrus Exchange, die die weltweite Vermarktung der Zitrusfrüchte (Grapefruits, Klementinen, Mandarinen, Orangen, Zitronen) aus diesem Anbaugebiet übernahm. Diese Organisation wurde 1940 vom Citrus Supervision Committee abgelöst. Nachdem der Zweite Weltkrieg den Export der Zitrusfrüchte nach Europa unterbrochen hatte, gründete die britische Administration 1941 das Citrus Marketing Board of Palestine, mit dessen Hilfe die arabischen und jüdischen Bauern ihre Plantagen bis zum Ende des Krieges am Leben halten konnten. 1948, als der Staat Israel entstand, wurde das Citrus Marketing Board of Palestine in Citrus Marketing Board of Israel (CMBI) umbenannt.


Infolge der Gründung Israels und der damit einhergehenden gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Israelis und arabischen Palästinensern verloren viele palästinensische Eigentümer ihre Plantagen, nachdem sie aus den israelischen Gebieten geflohen oder vertrieben worden waren. Die Farmen wurden später entweder zerstört oder 1950 aufgrund eines israelischen Gesetzes über das Eigentum Abwesender enteignet. Die 1948 erstmals offiziell eingetragene Marke Jaffa wurde vom CMBI fortan zur Vermarktung israelischer Zitrusfrüchte verwendet, wobei die Orangen und Grapefruits zum Teil auch aus palästinensischen Gebieten kamen. Seit 1990 ist das CMBI, das seinen Hauptsitz in Beit Dagan hat, eine Privatgesellschaft.
Da die Anbaufläche für Zitrusfrüchte in Israel in den letzten Jahrzehnten stark zurückgegangen ist, hat das CMBI das Label Jaffa auch an andere Unternehmen aus Südafrika, Spanien oder Peru lizenziert, die Orangen und Grapefruits gegen eine Provision unter dem Namen Jaffa vermarkten dürfen, wenn sie gewissen Qualitätsstandards entsprechen. Daneben kommen auch immer mal wieder gefälschte Jaffa-Früchte auf den Markt, die meist aus China stammen. Inzwischen gibt es von Jaffa auch andere Früchte wie Ananas, Melonen und Trauben.
Die britische Firma McVitie and Price aus Edinburgh brachte 1927 erstmals Schokoladenkekse mit einer Füllung aus Orangen-Marmelade auf den Markt, die als Jaffa Cakes vermarktet wurden, um eine Verbindung zu den damals in Großbritannien beliebten Jaffa-Orangen herzustellen. Die Marmelade bestand anfangs aus Zucker und Mandarinenöl. Da McVitie and Price den Namen Jaffa Cakes nie als Marke schützte, konnte ihn jedes andere Unternehmen für ähnliche Kekse ebenfalls verwenden. Inzwischen ist aus dem Begriff Jaffa Cakes eine Gattungsbezeichnung geworden.
Text: Toralf Czartowski • Fotos: Pixabay.com, Public Domain