Markenlexikon

Jacobs

Deutschland

»Am 15. Januar 1895 legte Johann Jacobs in Bremen den Grundstein für ein Unternehmen, dessen Kaffee sich vom einstigen Luxusgut zu einem Stück Kulturgut entwickelte. Die von Anfang an untrennbare Verbindung von höchster Qualität und Genuss hat Jacobs-Café im Laufe der Jahre einen Spitzenplatz in der Beliebtheit deutscher Kaffeegenießer gesichert.« So stand es 1994 zum 99. Jubiläum von Jacobs auf einer neu aufgelegten traditionellen Kaffeedose. Der frühere Jacobs-Werber Roger Whittaker hätte es nicht »wunderbarer« singen können. Doch weder Qualität noch Genuss machten aus dem kleinen Bremer Spezialitätenladen einen der führenden Kaffeeproduzenten Europas, sondern schlicht Reklame in allen erdenklichen Formen – vom Handzettel bis zur Zeitungsanzeige, vom Emailleschild bis hin zur leidlich bekannten Fernsehwerbung. Einziger Wermutstropfen: Die seichte Werbung, die sich jahrzehntelang nur an ältere Kunden richtete, vergraulte die jüngere Generation nachhaltig und verlieh dem bitteren Trunk ein Kaffeekränzchen-Image, das der gesamten Industrie noch lange Zeit schwer im Magen lag.

Wie schon der »Dosentext« mitteilte, eröffnete der Kaufmann Johann Jacobs (1869 – 1958) 1895 in Bremen ein »Specialgeschäft in Caffee, Thee, Cacao, Chocoladen und Biscuits«. 1907 errichtete er im Hinterhof seine Geschäfts eine eigene Rösterei und 1910 einen Lieferdienst, der frisch gerösteten Kaffee direkt ins Haus lieferte. In den 1930er Jahren gab es dann auch abgepackten Jacobs-Kaffee zu kaufen. Während der beiden Weltkriege war Kaffee jedoch kein Produkt, mit dem man Geld verdienen konnte. Erst mit dem deutschen Wirtschaftswunder kam auch für Jacobs der Aufschwung – vielleicht erfand Walter Johann Jacobs (1907 – 1998), der Neffe des Gründers, deswegen 1954 den Slogan »Jacobs-Kaffee – wunderbar«.1966 wurde die Marke Jacobs Krönung (»mit dem unverwechselbaren Verwöhnaroma«) eingeführt. In dieser Zeit entdeckte das Unternehmen auch die Radio-, TV- und Kinowerbung für sich. In den 1960er und 1970er Jahren entstanden in mehrerern europäischen Ländern Niederlassungen und Tochtergesellschaften (Österreich, Schweiz, Dänemark, Frankreich).

Mit der Übernahme des Schweizer Süßwarenherstellers Interfood (1982), dem Marken wie Callebaut, Milka, Suchard, Tobler und Toblerone gehörten, des niederländischen Kakaoherstellers Van Houten (1986) und des belgischen Schokoladenherstellers Côte d'Or (1986) wandelte sich das Familienunternehmen allmählich zum Nahrungsmittelkonzern (Jacobs-Suchard AG Zürich). 1990 verkaufte der damalige Besitzer Klaus Johann Jacobs (1936 – 2008) das Unternehmen an den US-Tabakkonzern Philip Morris (Marlboro), dem damals auch die beiden Nahrungsmittelkonzerne Kraft (Kraft Deluxe, Kraft Macaroni and Cheese Dinner, Miracle Whip, Mirácoli, Philadelphia, Velveeta) und General Foods (Birds Eye, Cefrisch, Jell-O, Kaba, Kaffee HAG, Kool Aid, Maxwell House, Onko, Oscar Mayer, Post Cereals, Sanka, Tang, Yuban) gehörten; lediglich die Marken Van Houten und Callebout blieben in seinem Besitz. Die Jacobs-Familie besitzt über ihre Jacobs Holding AG (Zürich) Beteiligungen an mehreren Unternehmen, u.a. an der Zeitarbeitsfirma Adecco und der Barry Callbeaut AG (Alpia, Alprose, Cacao Barry, Callbeaut, Delacre, Eszet, Jacques, Sarotti, Sprengel, Stollwerck, Van Houten).

2012 benannte sich Kraft Foods in Mondelēz International (Deerfield/Illinois; Süßwaren, Snacks, Kaffee, International Foods) um und verkaufte das nordamerikanische Nahrungsmittelgeschäft (USA, Kanada) unter dem Namen Kraft Foods Group (Northfield/Illinois) anschließend an seine Aktionäre. 2014 schlossen Mondelēz International (Café HAG, Carte Noire, Gevalia, Jacobs, Kenco, Maxwell House, Millicanao, Onko, Sanka, Tassimo, Yuban) und D.E Master Blenders 1753 Amsterdam (Douwe Egberts, Senseo) ihre Kaffeesparten in dem Jointventure Jacobs Douwe Egberts (JDE) zusammen.

Die Finanzholding Joh. A. Benckiser SE Wien (JAB), Eigentümer von D.E Master Blenders 1753, war anfangs über die Acorn Holdings B.V. zu 51 Prozent an JDE beteiligt, Mondelēz International mit 49 Prozent. Inzwischen gehört den JAB-Töchtern Delta Charger HoldCo B.V. (56.11 Prozent) und JDE Holding Minority B.V. (17.00 Prozent) die Mehrheit. Der Mondelēz Coffee HoldCo B.V. ist mit 26.36 Prozent an JDE beteiligt (Stand 2020). Das Unternehmen produziert in weltweit 22 Fabriken verschiedene Kaffee- und Teemarken (u.a. Café HAG, Douwe Egberts, Gevalia, Jacobs, Kenco, Maxwell House, Pickwick, Tiora), den Süßstoff Natreen sowie die Systeme Senseo (Kaffeepadsystem; Maschinen von Philips) und Tassimo (Heißgetränkesystem; Maschinen von Bosch).

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 17.03.2020 | 23:59