Markenlexikon

Branche: Motorräder

Indian

USA

Der Ex-Radrennfahrer George Hendee (1866 – 1943) gründete 1889 in Springfield/Massachusetts eine Firma, die zunächst Fahrräder unter den Markennamen Silver King, Silver Queen und American Indian (für den Export nach Europa) produzierte. 1901 konstruierte der aus Schweden stammende Fahrradmechaniker und Motorenkonstrukteur Carl Oscar Hedström (1871 – 1960) für Hendee das erste Motorfahrrad, das ab 1902 unter dem Namen Indian verkauft wurde. 1904 waren die Indian-Motorräder erstmals in der typischen feuerroten Farbe erhältlich, ab 1912 gab es nur noch rote Maschinen. Während des 1. Weltkriegs baute Indian ausschließlich Motorräder für die Armee, ebenso während der Zeit des 2. Weltkriegs. Indian war lange Zeit der größte US-Motorradhersteller, zeitweise auch der weltgrößte, und das Design erinnerte stark an die Harley-Davidson-Maschinen. Zu den wichtigsten Modellen von Indian zählen die Indian Powerplus (1916), die Indian Scout (1920), die Indian Chief (1922), die Indian Big Chief (1923), die Indian Prince (1925), die Indian Scout (1928), die Indian Sport Scout (1934) und die Indian Arrow (1948). Der meisten Indian-Maschinen hatten großvolumige V-Zweizylinder-Motoren mit Seitenventil-Steuerung. Der lange Radstand erlaubte eine bequeme, niedrige Sitzposition. Ab 1947 war auf den vorderen Kotflügeln der Indian-Maschinen ein beleuchtete Indianerkopf montiert. 1949 verkaufte Indian kleine Zweitaktmotorräder des tschechoslowakischen Herstellers ČZ (Česká Zbrojovka) aus Strakonice unter dem Namen Indian CZ 125. Anfang der 1950er Jahre geriet die Firma, die bereits mehrmals den Eigentümer gewechselt hatte, in finanzielle Schwierigkeiten und 1953 wurde die Produktion ganz eingestellt. Die Indian-Markenrechte erwarb daraufhin die britische Firma Associated Motor Cycles (AJS, Francis Barnett, James, Matchless, Norton, Royal Enfield, Sunbeam), was dazu führte, dass die Indians, die nun auf den Markt kamen, von Matchless und Royal Enfield in Großbritannien produziert wurden; 1966 endete die Produktion der Indian Chief. Associated Motor Cycle class="impulse"s ging 1966 in Konkurs und wurde anschließend als Norton-Villiers (später Norton-Villiers-Triumph) weitergeführt.

Indian
Indian

Seit dieser Zeit gab es von verschiedenen Firmen und Privatpersonen, die sich im Besitz der Namensrechte befanden, Versuche den klangvollen Namen wiederzubeleben. Der amerikanische Verleger (Cycle), Ex-Pilot und Motorradfan Floyd Clymer, der auch eine Zeitlang an der deutschen Firma Münch beteiligt war, erwarb die Indian-Markenrechte 1968 und ließ von Leopoldo Tartarini, dem Besitzer der Motorrad- und Mopedfirma Italjet aus Bologna, eine neue Indian entwickeln, die es wahlweise mit 500er Velocette- und 750er Royal-Enfield-Zweizylinder-Motoren gab (Fine Anni 60 Indian 500). Zeitweise wurde auch die von dem früheren Horex-Rennfahrer Friedel Münch entwickelte Clymer-Münch Mammoth IV, das größte, schwerste, schnellste und zugleich teuerste Motorrad, das jemals in Serie gebaut wurde, in den USA als Indian vermarktet. Clymer starb 1970 und seine Witwe verkaufte die Indian-Markenrechte 1971 an Alan Newman aus Los Angeles, der bis 1977 Mopeds und Kleinmotorräder von Italjet (mit 50 bis 175 Kubikzentimeter-Motoren von Morini, Fuji und Minarelli) in die USA importierte und als Indian verkaufte. Eine Zeitlang wurden die Maschinen in einer Fabrik Taipeh (Taiwan) montiert.

Nach langen Rechtsstreitigkeiten um den Markennamen gründete eine kanadische Investorengruppe 1998 eine neue Indian Motorcycle Company in Gilroy/California, die ab 1999 wieder Motorräder unter den Namen Indian Chief, Stout und Spirit auf den Markt brachte. Als Produktionsstätte diente ein Werk in Gilroy, das der zuvor übernommenen California Motorcycle Company (CMC) gehörte. Die 1995 von Rey Sotelo gegründete Firma CMC baute Motorrad-Replikas (z.B. aus Filmen und TV-Serien wie »Easy Rider« und »Renegate«), die zum Teil aus eigenen und zugekauften Teilen bestanden. Sotelo wurde 2000 Präsident der Indian Motorcycle Company. 2003 machte auch diese Firma, die seit 2001 zur Bostoner Investmentfirma Audax Group gehörte, Pleite. 2004 erwarben Stephen Julius und Steve Heese, Besitzer der britischen Investmenfirma Stellicon Limited, das bankrotte Unternehmen und gründeten zwei Jahre später eine neue Indian Motorcycle Company. 2008 begann eine Fabrik in Kings Mountain/North Carolina mit der Produktion einer neuen Indian Chief. Seit 2011 ist Polaris Industries aus Medina/Minnesota, ein 1954 gegründeter Hersteller von Schneemobilen, All Terrain Vehicles und Motorrädern (Victory) neuer Eigentümer der Indian Motorcycle Company.

Text: Toralf Czartowski | Foto(s): Pixabay

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Letzte Änderung der Seite: 16.06.2019 | 01:49