Markenlexikon
Chung Ju-Yung (1915 – 2001) kam in den 1930er Jahren nach Seoul, wo er zunächst auf den Docks und in einer Reismühle arbeitete. 1939 eröffnete er eine kleine Autowerkstatt. Hier tauchte der Name Hyundai (koreanisch »modern«) zum ersten Mal auf. Nach der Kapitulation der Japaner (1945), die Korea 1910 annektiert hatten, wurde der Südteil des Landes von amerikanischen Truppen besetzt, der Nordteil von der sowjetischen Armee. Aufgrund guter Kontakte zur US-Armeeführung erhielt Chung Ju-Yung Aufträge für den Bau von Soldatenunterkünften. Zur Realisierung dieses Projektes gründete er 1947 die Hyundai Engineering and Construction Company. Nach dem Korea-Krieg (1950 – 1953) reparierte er amerikanische Armee-Jeeps. In den 1950er und 1960er Jahren erweiterte das Unternehmen seine Aktivitäten auf internationale Handelsgeschäfte, Bergbau, Industrieanlagenbau, Straßenbau, Brückenbau, Schiffbau, Ölverarbeitung, Chemie, Maschinenbau und Elektronik.
Seit 1967 baut Hyundai auch Fahrzeuge; das erste Modell war eine Lizenzvariante des englischen Ford Cortina (Taunus). 1975/1976 brachte der Konzern mit dem Pony das erste eigene Modell auf den Markt. Finanziert wurde das Projekt von der britischen Barclays Bank und mehreren Londoner Finanzunternehmen. Die technische Leitung hatte George Turnbull, der frühere Chef der British-Leyland-Tochter Austin-Morris (Mini), inne. Das Fahrwerk und der Motor stammten von Mitsubishi, das Design von Ital Design (Giugiaro), die Gussteile kamen von British Leyland und die Karosserien aus Frankreich. Montiert wurde der Pony in Ulsan. Ab 1983 ging der Pony als Excel in den Export, zunächst nach Kanada und Mittelamerika, ein Jahr später auch in die USA. Dort wurde Hyundai zur am schnellsten wachsenden Importmarke, was vor allem am niedrigen Preis des Excel lag, der die billigen japanischen Fahrzeuge noch einmal unterbot.
Ab 1978 fertigte Hyundai auch Nutzfahrzeuge. In den späten 1980er Jahren wurde die Mitsubishi-Technik nach und nach durch Eigenentwicklungen ersetzt. 1998 beteiligte sich die Hyundai Motor Company mit 51 Prozent an der insolventen Kia Motor Company; inzwischen wurde der Anteil auf rund 33 Prozent reduziert. 2000 erwarb DaimlerChrysler einen Anteil von 10,5 Prozent an der Hyundai Motor Company. 2001 gründeten Hyundai und DaimlerChrysler das 50:50 Jointventure Daimler-Hyundai Truck Corporation. Doch bereits Mitte 2004 beendeten beide Partner die Zusammearbeit wieder. DaimlerChrysler verkaufte den 10,5-prozentigen Anteil an Hyundai Motor und die Daimler-Hyundai Truck Corporation ging vollständig in den Besitz von Hyundai über.
2000 teilte sich die ehemalige Hyundai Group in die selbstständigen Unternehmen Hyundai Corporation (internationaler Handel), Hyundai Engineering and Construction (Brücken, Industrieanlagen, Kraftwerke, Straßen, Tunnels), Hyundai Heavy Industries (Elektrische Bauteile, Gabelstapler, Industrieroboter, Pressen, Pumpen, Schiffbau, Transformatoren) und Hyundai Motor (Automobile, Nutzfahrzeuge) auf. Hyundai Heavy Industries ist inzwischen das größte Schiffbau-Unternehmen der Welt.
Für einen YouTube-Hit sorgte der damalige VW-Chef Martin Winterkorn, als er den Kompaktwagen Hyundai i30 auf der IAA 2011 persönlich begutachtete und dem Golf-Konkurrenten missgelaunt bescheinigte: »Do scheppert nix« (gemeint war die Lenkradverstellung).