Markenlexikon
Der Schmied und Maschinenbau-Ingenieur August Horch (1868 – 1951) hatte einige Jahre bei Carl Benz in Mannheim gearbeitet, bevor er 1899 in Köln-Ehrenfeld in einem ehemaligen Pferdestall eine eigene Autowerkstatt eröffnete. 1900 kam sein erstes Automobil auf den Markt. Da die Werkstatt in Köln für eine größere Produktion zu klein war, zog er 1901 nach Reichenbach/Vogtland um. Nachdem eine geplante Erweiterung seines Werks auf Ablehnung der dortigen Unternehmer gestoßen war, siedelte er seine Firma 1904 in Zwickau/Sachsen an. Das Unternehmen arbeitete in den Anfangsjahren nicht sonderlich rentabel, weshalb der patriarchalische Firmenchef, der sich partout an keinen vernünftigen Finanzplan halten wollte, mit seinen Geldgebern ständig aneinandergeriet. 1909 wurde er schließlich vom Aufsichtsrat aus seiner eigenen Firma entlassen. Kurz darauf gründete er mit finanzieller Unterstützung einiger befreundeter Unternehmer in Zwickau eine neue Firma (Audi). Von 1914 bis 1922 fertigten die Horchwerke auch Lastwagen und Busse. In den 1920er Jahren spezialisierte sich das Unternehmen immer mehr auf Oberklasse- und Luxuslimousinen mit Acht- und Zwölfzylindermotoren, die von Paul Daimler, dem ältesten Sohn von Gottlieb Daimler, und Fritz Fiedler konstruiert wurden.
Infolge der Weltwirtschaftskrise schlossen sich die sächsischen Autohersteller Audi (Zwickau), DKW (Zschopau), Horch (Zwickau) und die Autoabteilung der Wanderer Werke (Chemnitz) 1932 zur Auto-Union zusammen, was sich auch im Logo der neuen Firma, den vier verschlungenen Ringen, widerspiegelte. Das Unternehmen, das nun Fahrzeuge der Marken Audi (Mittelklasse), DKW (Motorräder, Kleinwagen), Horch (Luxuslimousinen, Lastwagen) und Wanderer (Mittelklasse) produzierte, befand sich zum großen Teil im Besitz des Freistaates Sachsen und der Stadt Chemnitz. Horch hatte in den 1930er Jahren den höchsten Marktanteil in der deutschen Ober- und Luxusklasse, weit vor Mercedes-Benz oder Maybach. Zwischen 1933 und 1939 wurden in den Horch-Werksanlagen auch die von Ferdinand Porsche entwickelten Grand-Prix-Rennwagen der Auto-Union gebaut, die mit Fahrern wie Hans Stuck, Bernd Rosemeyer oder Tazio Nuvolari zu den stärksten Gegnern der Mercedes-Benz-Rennwagen zählten (Silberpfeil-Ära).


1946 wurde der Auto-Union-Konzern, dessen Werke größtenteils in der sowjetischen Besatzungszone lagen, verstaatlicht und 1948 aufgelöst, was 1949 eine Neugründung in Ingolstadt (Bayern) durch ehemalige leitende Angestellte ermöglichte. Die westdeutsche Auto-Union verwendete nur noch die Marken Auto-Union und DKW, erst 1965 kehrte man wieder zum Namen Audi zurück.
Das Horch-Werk Zwickau fertigte nun Lastwagen, Motoren und Traktoren, während das Zwickauer Audi-Werk Pkw produzierte (IFA F 8, IFA F 9, P 70, Trabant). 1953 bauten einige Auto-Union-Mitarbeiter in Ingolstadt eine handgefertigte Karosserie auf ein Horch-Vorkriegsfahrgestell auf. Das Fahrzeug, das der damalige Geschäftsführer Richard Bruhn noch einige Jahre als Dienstwagen nutzte, galt lange als verschollen. Erst 2008 wurde es in Texas wiederentdeckt und nach Ingolstadt zurückgebracht, wo es nun unrestauriert im Audi-Museum steht.
Das letzte reguläre Horch-Modell, die Oberklasse-Limousine Horch P 240 mit Sechszylinder-Viertaktmotor, baute das Zwickauer Horch-Werk von 1955 bis 1959. Nachdem die Auto-Union Ingolstadt jedoch Einspruch gegen die Verwendung der Marke Horch erhoben hatte, wurde dieses Fahrzeug 1957 in Sachsenring P 240 umbenannt (nach der Rennstrecke Sachsenring zwischen Chemnitz und Zwickau). Aus dem Zusammenschluss der Zwickauer Audi- und Horch-Werke entstanden 1958 die Sachsenring Automobilwerke. Als der Daimler-Benz-Konzern, dem die Auto-Union von 1958 bis 1966 gehörte, das Unternehmen an Volkswagen verkaufte, behielten die Stuttgarter die Rechte an dem Markennamen Horch, da man eine neue Konkurrenz in der Oberklasse fürchtete. Inzwischen gehört die Marke wieder Audi.
Text: Toralf Czartowski • Fotos: Unsplash.com, Pixabay.com, Public Domain