Markenlexikon

Honeywell

USA

Der Ingenieur Mark Charles Honeywell (1874 – 1964) begann 1906 in Wabash/Indiana mit dem Bau von Heisswasser-Erzeugern. 1927 schloss sich Honeywell mit der Minneapolis Heat Regulator Company, einem Hersteller von Thermostaten, zusammen und wurde so zu einem führenden US-Anbieter von Mess- und Regelsystemen für Heizanlagen. Der 1953 eingeführte runde Heizungsthermostat T-86 »Round«, der die klobigen, viereckigen Modelle ablöste, wurde zu einem weltweiten Bestseller. Der erste elektronische Flugzeug-Autopilot (1942) und das erste elektronische Fotoblitzgerät (1965) waren weitere Meilensteine der Honeywell-Historie. 1955 stieg die Firma auch in das Computergeschäft ein; dieser Bereich wurde 1991 jedoch wieder aufgegeben. 1957 kamen Feueralarmsysteme dazu – die Aufschrift »Protected by Honeywell« ist heute an vielen amerikanischen Geschäften zu finden. 1986 übernahm Honeywell seinen größten Konkurrenten auf dem Gebiet der Flugzeugnavigationssysteme, Sperry Aerospace.

SPERRY: Elmer Ambrose Sperry (1860 – 1930) war ein überaus vielseitiger Erfinder, der heute in einem Atemzug mit Thomas Alva Edison oder Alexander Graham Bell genannt wird. Bis zu seine Tode brachte er es auf über 360 Patente. Am bekanntesten ist der erste funktionfähige Flugzeug-Autopilot, den er 1912 konstruierte. Das Gerät bestand aus einem kardanisch aufgehängten Stabilisierungskreisel, dessen Drehebene sich gegenüber dem festen Gehäuse veränderte, sobald das Flugzeug Richtung oder Höhe änderte. Daraufhin wurden automatisch Steuerungsvorgänge ausgelöst, die die Abweichungen korrigierten. Bereits 1908 hatte Sperry einen ballistischen Kreiselkompass für Schiffe entwickelt, für dessen Produktion und Vermarktung er zwei Jahre später die Sperry Gyroscope Company gründete. Während des 1. Weltkriegs führte Sperry den ersten Autopiloten für Schiffe ein, den sogenannten »Metal-Mike«. Bald wurden nicht nur amerikanische Schiffe mit Navigationsgeräten von Sperry ausgestattet, sondern auch englische, japanische, französische, italienische und russische.

1928 verkaufte Elmer Sperry seine Firma an die Holdinggesellschaft North American Aviation, zu der diverse Flugzeugfirmen und Fluggesellschaften gehörten (Berliner-Joyce Aircraft, China Airways Federal, Curtiss Aeroplane and Motor, Curtiss Caproni, Curtiss Robertson Airplane, Douglas Aircraft, Eastern Air Transport, Ford Instrument, General Aircraft, Intercontinental Aviation, Keystone Aircraft, Moth Aircraft, North Aircraft, Pitcairn Aviation, Sperry Gyroscope, TWA Transcontinental and Western Air, Travel Air, Western Air Express und Wright Aeronautical). 1933 wurden mehrere North-American-Tochtergesellschaften (Sperry Gyroscope, Ford Instrument Company, Intercontinental Aviation) unter dem Dach der Holdinggesellschaft Sperry Corporation zusammengeschlossen.

Ab 1953 beschäftigte sich Sperry auch mit dem Bau von Computern, u.a. dem SPEEDAC (Sperry Electronic Digital Automatic Computer). 1955 übernahm Sperry den Elektronik-, Büromaschinen- und Computerhersteller Remington-Rand, der neben den berühmten Univac-Computern auch Remington-Rasierapparate produzierte; das neue Unternehmen firmierte fortan als Sperry-Rand Corporation. 1971 erwarb Sperry-Rand die Computerabteilung der RCA Corporation; die Radio Corporation of America hatte 1959 den ersten voll mit Transistoren bestückten Computer entwickelt. Mit dem Verkauf der Büromaschinen- und Konsumgüterproduktion (u.a. Remington-Rasierapparate) wurde 1979 der Name Rand aus der Firmenbezeichnung gestrichen.

1986 schlossen sich die Sperry Corporation und die Burroughs Corporation, ebenfalls ein Hersteller von Mainframe-Computern, zur Unisys Corporation zusammen. Gleichzeitig verkaufte Unisys die Aerospace-Division (Sperry Aerospace) an den Elektronikkonzern Honeywell, der die Marke Sperry nicht mehr verwendete, und die Marine-Division (Sperry Marine Systems) an Tenneco/Newport News Shipbuilding (Sperry Marine gehört heute zu Northrop-Grumman).

1990 gliederte Honeywell seine Rüstungssparte (u.a. Autopiloten) in das unabhängige Unternehmen Alliant Techsystems (später ATK Aerospace and Defense und Orbital ATK) aus, das seit 2018 zu Northrop-Grumman gehört.

1999 wurde Honeywell von dem Mischkonzern AlliedSignal Inc. aus Morristown/New Jersey (Radarsysteme, Fahrzeugteile, Plastikproduktion) übernommen; AlliedSignal benannte sich daraufhin in Honeywell International Inc. um.

ALLIED-SIGNAL: AlliedSignal geht einerseits auf die 1920 gegründete Allied Chemical and Dye Corporation (Zusammenschluss der fünf Chemieunternehmen Barrett Chemical Company, General Chemical Company, National Aniline and Chemical Company, Semet-Solvay Company, Solvay Process Company) zurück, andererseits auf den Mischkonzern Signal Companies. 1958 benannte sich das Unternehmen erst in Allied Chemical Corporation um und dann 1981 noch einmal in Allied Corporation. Durch die Übernahme der Bendix Corporation 1983 kam Allied zu mehreren neuen Geschäftsfeldern (Bremssysteme für Autos und Nutzfahrzeuge, Flugzeugsteuerungssysteme, Autopiloten, Steuerungssysteme für militärische Raketen wie Pershing, Minuteman, Poseidon, Hawk und Nike/Hercules). 1985 schloss sich Allied mit Signal zusammen. Dieses Unternehmen war 1922 von dem Farmer Samuel Barlow Mosher (1892 – 1970) als Signal Gasoline Company (ab 1928 Signal Gas and Oil Company) in Kalifornien gegründet worden. Mosher gehörte auch zu den Gründern der Frachtfluggesellschaft Flying Tiger Line (heute FedEx). 1964 schloss sich Signal mit der Garrett Corporation (Los Angeles), einem Zulieferer der US-Luft- und Raumfahrtindustrie, zusammen; der neue Konzern firmierte ab 1968 als The Signal Companies Inc. Signal erwarb in den nächsten Jahren zahlreiche branchenfremde Unternehmen (u.a Ampex, Dunham-Bush, Mack Trucks, UOP, Wheelabrator-Frye). 1985 kam es zum Zusammenschluss mit der Allied Corporation unter dem Namen Allied-Signal Inc. (ab 1993 AlliedSignal Inc.). 1994 übernahm AlliedSignal von Textron den traditionsreichen Triebwerkhersteller Lycoming Turbine Engine Division aus Stratford (Connecticut).

Honeywell International stellt heute u.a. Automatisierungs- und Steuerungstechnik, Fahrzeugelektronik, Flugzeugnavigationssysteme, Flugzeugteile, Flugsicherungssysteme, Flugzeugtriebwerke, Haustechnik, Heizsysteme, Klimageräte, Mikro-Aufklärungsdrohnen, Sicherheitstechnik, Spezialchemikalien, Spezialfolien und Transportsysteme her. Der Hauptsitz befindet sich in Morristown/New Jersey.

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 16.06.2019 | 01:49