Markenlexikon

Hochland

Ursprungsland: Deutschland

Bonifaz Kohler gründete 1880 in Goßholz bei Lindenberg eine Käsegroßhandlung, die zuvor im Allgäu und in der Schweiz gekauften Emmentaler-Käse weiterverkaufte. Lindenberg im Allgäu war damals gerade neben der Strohhutherstellung zu einem Zentrum des Milch- und Käsehandels aufgestiegen. Auch der US-Käsekonzern Kraft war später hier ansässig. In den 1920er Jahren leitete Kohler die Firma eine Zeitlang gemeinsam mit seinem Stiefsohn Georg Summer. Der machte sich 1927 mit seinem Schwager Robert Reich in Goßholz selbstständig. Mit vier Schmelzpfannen und einer halbautomatischen Abfüllmaschine produzierte das Hochland-Käsewerk den ersten Schmelzkäse.

Schmelzkäse war erst 1911 in der Schweiz von Walter Gerber zur Konservierung von Schnittkäse entwickelt worden. Dieser neuartige Käse war nicht nur ohne Kühlung lange haltbar, er ließ sich auch beliebig portionieren und konnte mit allerlei Zutaten wie Kräutern, Pilzen, Schinken, Salami oder Paprika geschmacklich verfeinert werden.

1928 brachte Hochland erstmals Schmelzkäse-Ecken in Rund- und Halbrunddosen auf den Markt. Sie gehören bis heute zu den Klassikern des Hochland-Sortiments. 1931 zog die Firma in eine ehemalige Hutfabrik nach Heimenkirch um, wo sie noch heute ihren Sitz hat. 1942 wurde der Käsefabrikant Franz Fuchs Partner von Summer und Reich. Ihren Nachkommen gehört das Unternehmen bis heute. Der Aufstieg begann in den 1950er Jahren, als Hochland einen Liefervertrag mit dem damals noch recht überschaubaren Essener Einzelhandelsunternehmen Albrecht abschloss. Aus Albrecht ging in den 1960er Jahren der Discounter Aldi hervor und Hochland wurde zusammen mit Aldi groß. Die Geschäftsbeziehung hat bis heute Bestand.

Um nicht ausschließlich von Discountern und Supermärkten abhängig zu sein, wurden ab den 1960er Jahren weitere Vertriebswege erschlossen. 1968 entstand die erste Auslandsgesellschaft im Käseland Frankreich. Seit 1973 ist Hochland offizieller Käselieferant von McDonald's in Deutschland. 1978 erwarb Hochland die französische Käserei Fromagerie Henri Hutin, die den Weichkäse Valbrie herstellte. Auch die Marken Grünländer (seit 2009) und Gervais (seit 2013) gehören inzwischen zu Hochland.

Für den Vertrieb und die Vermarktung der Handelsmarken (u. a. Alpenmark, Couronne, Devina, Devinos, Gutes Land, Hofburger, Hofmaier, Milbona, Mitakos, Roi de Trefle) rief man 2007 einen neue Firma ins Leben, die den Namen Bonifaz Kohler trägt. 1999 wurde das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, blieb aber vollständig im Besitz der Gründerfamilien. Mit der Übernahme der Firma Franklin Foods (Boca Raton/Florida) wurde Hochland 2017 auch in den USA tätig.

Hochland gehört mit Marken wie Almette, Cathedral City, Fetaxa, Gervais, Greek Cream Cheese, Grünländer, Hochland, Patros, Valbon und Valbrie zu den größten Käseherstellern Europas. Produktionsstätten gibt es in Deutschland (Heimenkirch, Schongau), Frankreich (Dieue-sur-Meuse), Polen (Kaźmierz, Węgrów), Rumänien (Sighişoara, Sovata), Russland (Belinsky, Prokhorovka, Raos), Spanien (Viladecans/Barcelona) und den USA (Casa Grande/Arizona, Enosburg Falls/Vermont). Zu Hochland gehört auch die Maschinenbaufirma Natec, die Spezialmaschinen für die Käseherstellung entwickelt und produziert.

Text: Toralf Czartowski