Markenlexikon

Herlitz

Deutschland

Der aus Schlesien stammende Carl Herlitz (1867 – 1939) absolvierte in Berlin eine Lehre als Buchhändler, bevor er 1904 in Schöneberg eine Großhandlung für Papier- und Schreibwaren eröffnete. 1935 übernahm sein Sohn Günter Herlitz (* 1913) die Firmenleitung und weitete den Vertrieb anschließend nach Brandenburg aus. Während des 2. Weltkriegs kam der Betrieb durch die zweimalige Zerstörung (1943, 1944) der Geschäftsräume vollständig zum Erliegen. Im Sommer 1945 nahm die Firma ihre Geschäfte in einem Kellergeschoss in Moabit wieder auf; verkauft wurden zunächst Blumenvasen aus defekten Osram-Glühbirnen oder bemalte Kacheln aus den Trümmern Berlins. Während der Berlin-Blockade (1948/49) gelang es Günter Herlitz Schreibwaren auf dem Luftweg aus Westdeutschland nach Berlin zu bringen, u.a. Uhu-Kleber. Da infolge der Teilung Deutschlands viele Lieferanten aus Mitteldeutschland weggefallen waren, baute Herlitz 1953 in Berlin-Wilmersdorf eine eigene Fertigung auf (Notizblöcke, Briefblöcke, Karteikarten, Zeichenblöcke, Buntpapier, Schulhefte).

1960 nahm das Unternehmen mit Diarien und Zeichenblöcken die Eroberung des westdeutschen Marktes in Angriff. Besonders gut verkauften sich die Blöcke, deren Deckblätter mit Tier- und Sportbildern bedruckt waren – damals eine Neuheit. 1972 wurde das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, die 1977 an die Berliner Börse ging. In dieser Zeit entstanden auch die ersten ausländischen Vertriebsgesellschaften (1977 Österreich, Niederlande, Schweiz; 1980 Frankreich, 1981 USA). Durch zahlreiche Übernahmen (1978 Paul Zoecke, 1984 Böhler, 1987 Susy Card, 1994/1998 Becker Falken, 1996 Landré, 1997 Diplomat) konnte Herlitz bald auch Faserstifte, Füllfederhalter, Geschenkpapier, Glückwunschkarten, Briefpapier und Fotoalben anbieten und wurde so zum ersten Komplettanbieter der Branche. 1987 entstanden unter Herlitz-Regie die ersten McPaper-Filialen in Aachen, Augsburg und Ludwigsburg (die McPaper AG wurde 1998 an die Deutsche Post AG verkauft).

In den 1990er Jahren geriet die Herlitz AG, die seit 1996 als Holding für die Herlitz PBS AG (Herstellung und Vertrieb von Papier, Büroartikeln und Schreibwaren), die Herlitz International Trading AG (Papierhandel) und die Herlitz Falkenhöh AG (Immobilien) fungierte, durch eine zu schnelle Expansion in eine schwere Schieflage, die im April 2002 zur Insolvenz führte. Da die Gläubiger auf einen Großteil ihrer Forderungen verzichteten, konnte das Unternehmen jedoch gerettet werden – nur 57 Stellen fielen weg. 2005 wurde die Herlitz AG mehrheitlich von der luxemburger Firma Stationery Products übernommen (64,7 Prozent); deren Muttergesellschaft, die US-Private-Equity-Firma Advent International, verkaufte die Anteile 2010 an den Konkurrenten Pelikan International weiter. Rund fünfzehn Prozent befinden sich weiterhin im Besitz der Herlitz-Familie. Herlitz betreibt Produktionsstätten in Deutschland (Falkensee, Peitz), Großbritannien (Hyde), Polen (Przezmierowo) und Rumänien (Corbeanca).

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 16.06.2019 | 01:49