Tory Tordal: Taro Yagur – Kampf um Tanybur

Markenlexikon

Hansa

Ursprungsland: Deutschland

Der Tänzer und Komponist August Wilhelm Meisel (1897 – 1967) gründete 1926 in Berlin einen eigenen Musikverlag (Edition Meisel), um die Verlagsanteile für seinen Tango »Ilona« selbst kassieren zu können. Seine Söhne Peter und Thomas riefen 1960 einen weiteren Musikverlag ins Leben (Edition Intro). Im gleichen Jahr begann Will Meisel mit einer eigenen Tonträgerproduktion, bald darauf auch seine Söhne. Gemeinsam mit dem Komponisten Christian Bruhn (»Marmor, Stein und Eisen bricht«, »Heidi«, »Ein bisschen Spaß muss sein«, »Liebeskummer lohnt sich nicht«) gründeten sie 1964 in Berlin die Hansa Musik Produktion mit einem eigenen Studio in der Nestor Straße (seit 1972 in der Köthener Straße).

Hansa war eines der ersten sogenannten Independent-Label Deutschlands. Kleine, von großen Musikkonzernen unabhängige Plattenfirmen, gab es bis zu dieser vor allem in den USA und Großbritannien. Vielfach machten die kleinen Firmen, die meist nur Singles produzierten, neue Musikrichtungen und -stile salonfähig (Blues, Rhythm & Blues, Punk, New Wave, Rap).

1965 schloss Hansa mit der Bertelsmann-Tochter Ariola einen Lizenzvertrag ab, sodass die Hansa-Produktionen fortan von Ariola Eurodisc vertrieben wurden. Der erste Millionseller gelang Hansa 1965 mit Nini Rossos Trompetenstück »Il Silenzio« (1,6 Millionen verkaufte Exemplare). Weitere erfolgreiche Musiker und Bands, die bei Hansa unter Vertrag standen, waren Boney M. (1976 »Daddy Cool«, »Sunny«; 1977 »Ma Baker«, »Belfast«; 1978 »Rivers Of Babylon«, »Rasputin«, »Brown Girl In The Ring«, »Mary’s Boy Child«; 1979 »El Lute«), C. C. Catch (1985 »I Can Lose My Heart Tonight«, »’Cause You’re Young«; 1986 »Strangers By Night«, »Heartbreak Hotel«, »Heaven And Hell«; 1987 »Are You Man Enough«, »Soul Survivor«), Chris Norman (1986 »Midnight Lady«, 1988 »Broken Heroes«), Gunter Gabriel (1974 »Hey Boss, ich brauch mehr Geld«; 1975 »Komm’ unter meine Decke«), Juliane Werding (1972 »Am Tag als Conny Kramer starb«, 1975 »Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst«), Modern Talking (1984 »You’re My Heart, You’re My Soul«; 1985 »You Can Win If You Want«, »Cheri, Cheri Lady«; 1986 »Brother Louie«, »Atlantis Is Calling«, »Geronimo’s Cadillac«; 1987 »Jet Airliner«), The Teens (1978 »Gimme Gimme Gimme Gimme Gimme Your Love«, »We'll Have A Party Tonite 'Nite«, 1979 »Give Me More«), The Twins (1983 »Ballet Dancer«, 1984 »Love System«) oder Wolfgang Petry (1976 »Sommer in der Stadt«; 1992 »Verlieben, verloren, vergessen, verzeih’n«).

1985 verkauften die Meisel-Brüder die Hansa Musik Produktion an die Bertelsmann Music Group (BMG-Ariola), die die Labels Amiga (die ehemalige DDR-Plattenfirma), Beam, Dolce Vita, Hansa, K&P, Lautstark, MCI (Frank Farians Label), Na Klar! (Wolgang Petry), Rare (Stefan Raabs Label), Turbo Beat und Sing Sing 1997 zusammenschloss (BMG Musik Berlin). Seit 2008 ist Sony Music Eigentümer der früheren Bertelsmann Music Group (Ariola, Arista, Hansa, Jive, RCA, Zomba).

Die Edition Intro Meisel und das Hansa Studio in Berlin befinden sich noch immer im Besitz der Familie Meisel. Neben nationalen Künstlern (Alphaville, Boney M., Sarah Connor, Nina Hagen, Humpe & Humpe, Udo Jürgens, Roland Kaiser, Hildegard Knef, Zarah Leander, Freddy Quinn, Rainbirds, Rattles, Rosenstolz) haben hier auch zahlreiche internationale Stars ihre Platten aufgenommen (Anne Clark, Bon Jovi, Brian Eno, Bronski Beat, David Bowie, Depeche Mode, Eartha Kitt, Falco, Hooters, Iggy Pop, Julio Iglesias, Marillion, Real Life, U2).

Text: Toralf Czartowski