Markenlexikon
Der amerikanische Erfinder Thomas Edison (1847 – 1931) bekam über eintausend Patente zugesprochen. Seine wichtigsten Erfindungen waren der Quadruplex-Telegraph (1874), der Phonograph (1877), die Glühbirne (1878), der Kinetograph (1887) und das Kinetoscope (1891). Zur Auswertung seiner Patente gründete er zahlreiche Unternehmen, meist gemeinsam mit finanzkräftigen Teilhabern. Nachdem er 1878 die erste funktionsfähige elektrische Glühlampe entwickelt hatte, rief er die Edison Electric Light Company ins Leben, die weltweit Lizenzen zur Produktion der Glühlampe vergab. Aus diesen Lizenznehmern entstanden später Konzerne wie AEG (Deutschland), Montedison (Italien) und Toshiba (Japan).
Bevor die Glühlampe die bis dahin verwendeten Öl- und Gaslampen ersetzen konnte, mussten die Städte mit Elektrizität versorgt werden. Edison entschied sich für die Gleichstromtechnik, die jedoch den Nachteil hatte, dass man den mit Gleichstromgeneratoren erzeugten Strom (110 – 220 Volt) nur über sehr kurze Distanzen transportieren konnte (ca. fünf Kilometer). Seine Konkurrenten, vor allem George Westinghouse, Elihu Thomson und Edwin Houston, bevorzugten dagegen die noch neue Wechselstromtechnik und sicherten sich die US-Patentrechte der meist europäischen Erfinder (Charles Steinmetz, John Hopkinson, Nikola Tesla).
1881/1882 errichteten die Edison Machine Works in Manhattan das erste Kraftwerk mit sechs Gleichstromgeneratoren (zusammen 600 kW Leistung), die von sechs Dampfmaschinen angetrieben wurden; im September 1882 lieferte das Kraftwerk den ersten Strom. 1883 wurde in Mailand das erste europäische Edison-Elektrizitätsnetz in Betrieb genommen. Letztlich setzte sich jedoch der Wechselstrom durch, der dank seiner hohen Spannung (10.000 Volt) billig über lange Strecken übertragen und in den Städten wieder auf niedere Spannungen heruntertransformiert werden konnte.
1889 schloss sich die Edison Electric Light Company mit den Produktionsfirmen Edison Lamp Company (East Newark/New Jersey), Edison Machine Works (Schenectady/New York) und Bergmann & Company zur Edison General Electric Company zusammen. Edison selbst besaß an diesem Unternehmen nur noch einen kleinen Anteil, die meisten Aktien befanden sich in der Hand von Banken. 1892 kam es schließlich zur Fusion der beiden großen Konkurrenten Edison General Electric und Thomson-Houston Electric zur General Electric Company (GE). Dass man sogar seinen Namen aus der neuen Firmenbezeichnung gestrichen hatte, erfuhr Edison erst aus der Zeitung. Kurz darauf verkaufte er seine restlichen Aktien. Der GE-Hauptsitz befand sich zunächst in Schenectady, ab 1933 im neuerrichteten General Electric Building in New York City, 1974 wurde er nach Fairfield/Connecticut verlegt und 2016 schließlich nach Boston.
1899 entwarf Arthur L. Rich das blaue Kreislogo mit den handgeschriebenen Buchstaben G und E, das bis heute in fast unveränderter Form in Gebrauch ist und zu den bekanntesten Markenzeichen der Welt zählt.


Neben Glühlampen (1892 – 2020) sowie Stromerzeugungs- und Stromübertragungsanlagen beschäftigte sich GE in den nächsten Jahrzehnten mit der Entwicklung und Produktion von dieselelektrischen Lokomotiven (1912 – 2019), elektrischen Hausgeräten (1905 – 2016), Flugzeugtriebwerken (ab 1941), Kernreaktoren (ab 1955), Kunststoffen (1930 – 2008), Maschinenkanonen (1946 – 1993), Rechenanlagen (1955 – 1970), Röntgengeräten/Medizintechnik (ab 1920), Schiffsturbinen (ab 1912), Satelliten (1960 – 1993), Turboladern für Flugmotoren (ab 1918), Wellenturbinen für Helikopter (ab 1967), Windkraftanlagen (ab 2002) sowie dem Betrieb von Rundfunk- und Fernsehstationen (1924/1928 – 2013).
Nachdem viele Sparten und Tochtergesellschaften verkauft worden waren (1993 Radar- und Satellitentechnik/Waffen, 2008 Kunststoffe, 2010 Sicherheitstechnik, 2010/2013 Rundfunk-/TV-Stationen, 2015 Immobilien und Finanzdienstleistungen, 2016 Hausgeräte, 2019 Schienenfahrzeuge, 2020 Lichttechnik), teilte sich die General Electric Company 2023/2024 in drei unabhängige Unternehmen auf: General Electric Company/GE Aerospace (Evendale/Ohio; Antriebe für Flugzeuge, Hubschrauber und Schiffe sowie stationäre Gasturbinen), GE Vernova (Cambridge/Massachusetts; Energieerzeugungsanlagen) und GE HealthCare Technologies (Chicago/Illinois; Medizintechnik). Das Markenzeichen GE wird auch von anderen Unternehmen, die frühere GE-Geschäftsbereiche gekauft hatten, in Lizenz verwendet (Haier/GE Appliances, Savant Systems/GE Lighting, Wabtec/GE Transportation).
Der alte GE-Konzern betrieb zahlreiche Produktionswerke in den USA, die größtenteils noch heute in Betrieb sind: Atlanta/Georgia (Kraftwerkstechnik), Camden/South Carolina (Hausgeräte), Cincinnati/Ohio (Triebwerke), Decatur/Alabama (Hausgeräte), Durham/North Carolina (Triebwerke), East Cleveland/Ohio (Lichttechnik), East Newark/New Jersey (Lichttechnik), Erie/Pennsylvania (Schienenfahrzeuge), Evendale/Ohio (Triebwerke), Fort Worth/Texas (Schienenfahrzeuge), Grove City/Pennsylvania (Schienenfahrzeuge), LaFayette/Georgia (Hausgeräte), Louisville/Kentucky (Hausgeräte), Lynn/Massachusetts (Triebwerke), Muskegon/Michigan (Triebwerke), North Aurora/Illinois (Medizintechnik), Schenectady/New York (Kraftwerkstechnik), Selmer/Tennessee (Hausgeräte), Troy/New York (Medizintechnik) und West Milwaukee/Wisconsin (Medizintechnik).
In Großbritannien existierte von 1886 bis 1999 ein Unternehmen, das den gleichen Namen führte, aber ansonsten nichts mit dem US-Konzern zu tun hatte. Die britische The General Electric Co. Ltd. trat meist unter dem Kürzel G.E.C. auf.
Text: Toralf Czartowski • Fotos: Unsplash.com, Pixabay.com, Public Domain