Markenlexikon

Branche:

G.E.C.

Großbritannien

Die englische General Electric Company Ltd., die meist unter dem Kürzel G.E.C. auftrat und nichts mit dem gleichnamigen US-Konzern zu tun hatte, wurde 1886 von Hugo Hirst (1863 – 1943) und Gustav Binswanger (1855 – 1910) später nannte er sich Gustav Byng) unter dem Namen The General Electric Apparatus Company (G. Binswanger) in London gegründet. 1889 erfolgte die Umbenennung in General Electric Company Ltd. Zunächst produzierte GEC Elektroartikel wie Schalter, Klingeln, Glühlampen, Telefone und Elektromotoren. Später kamen Radioröhren, Aufzüge und Radargeräte hinzu. Die beginnende Elekrifizierung ließ das Unternehmen rasant wachsen. GEC eröffnete überall auf der Welt Niederlassungen, vor allem innerhalb des britischen Kolonialreiches. Während der beiden Weltkriege war GEC ein Hauptlieferant von elektrische Ausrüstungen für die britische Armee. Daneben war das Unternehmen am Aufbau des britischen Stromnetzes beteiligt.

Durch eine ganze Reihe von Übernahmen (1961 Radio & Allied Industries, 1967 Associated Electrical Industries, 1968 English Electric/Marconi, 1979 Avery, 1981 Picker International, Mitel und Cincinnati Electronics, 1985 Yarrow Shipbuilders, 1988 Plessey Avionics and Naval Systems, 1990 Ferranti Defence Systems Group, 1995 Vickers Shipbuilding and Engineering, 1998 Tracor) wuchs G.E.C. zu einem der größten europäischen Elektronik- und Rüstungskonzerne heran (Flugzeug- und Schiffselektronik, Kraftwerksturbinen, Schiffe, Atom-U-Boote, Torpedos, Hochgeschwindigkeitszüge, elektrische Hausgeräte, Computer, medizinische Ausrüstungen, Klimaanlagen, Aufzüge).

Von 1989 bis 1998 betrieben GEC und Alcatel-Alsthom (Hersteller des französischen Hochgeschwindigkeitszuges TGV) das Jointventure GEC-Alsthom, das in dieser Zeit für den Bau der TGV-Züge und -strecken zuständig war. 1998 verkauften Alcatel-Alsthom und G.E.C. ihre Anteile an dem Jointventure GEC-Alsthom. Das abgespaltete Unternehmen nannte sich Alstom S.A. – nun in der neuen Schreibweise ohne »h«.

G.E.C. war auch lange Zeit als Hersteller von Medizintechnik tätig (GEC Medical, Marconi Medical Systems, Mitel, Picker, Cambridge Instruments, American Optical, Watson & Sons, A.E. Dean & Co.) – dieser bereich wurde jedoch 2001 an Philips verkauft.

1987 wurde The Marconi Company in GEC-Marconi umbenannt und 1998 in Marconi Electronic Systems (MES).

1999 übernahm British Aerospace schließlich Marconi Electronic Systems und damit den gesamten militärischen Bereich von GEC (einschließlich der Werften und der Avionik-Sparte). British Aerospace benannte sich anschließend in BAE Systems plc. um. Gleichzeitig gab sich der verbliebene GEC-Konzern, der sich nun nur noch mit Telekomausrüstungen beschäftigte, den Namen Marconi plc.

Die im militärischen Bereich tätigen Jointventures Alenia-Marconi Systems (1998 – 2005; GEC-Marconi/BAE Systems + Finmeccanica/Alenia Difesa), Matra-Marconi Space (1990 – 2000; Lagardère/Matra Espace + GEC/Marconi Space Systems), Thomson-Marconi Sonar (1995 – 2001; Thomson-CSF + GEC) gehören heute zu Airbus (vormals EADS), BAE Systems, Leonardo (vormals Finmeccanica/Alenia) und Thales (vormals Thomson-CSF).

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 16.06.2019 | 01:49