Markenlexikon

Galeria-Karstadt-Kaufhof

Deutschland

Ende 2018 gründeten der kanadische Einzelhandelskonzern Hudson's Bay Company (Galeria Kaufhof, Hudson's Bay, Lord & Taylor, Saks Fifth Avenue, Saks Off 5th, Home Outfitters) und die östereichische Signa Holding ((Karstadt Warenhaus GmbH, arstadt Sports-Gesellschaft, KaDeWe Berlin, Alsterhaus Hamburg, Oberpollinger München) eine gemeinsame Holding für die Karstadt Warenhaus GmbH, die Galeria Kaufhof GmbH, HBC Europe (Saks Off 5th, Galeria Inno Belgien, Hudson‘s Bay Niederlande), Karstadt Sports sowie den Lebensmittel- und Gastronomiebereich beider Unternehmen (Dinea, Galeria Gourmet, Karstadt Feinkost, Le Buffet). Im Juni 2019 erwarb die Signa Holding auch die 49,99 Prozent, die die Hudson's Bay Company (HBC) noch an Karstadt Galeria Kaufhof besaß. HBC behielt nur die niederländische Gesellschaft. Seit treten die Karstadt Warenhaus GmbH (Essen) und die Galeria Kaufhof GmbH (Köln) unter dem Markennamen Galeria Karstadt Kaufhof auf.


Karstadt

Die Geschwister Rudolph, Ernst und Sophie-Charlotte Karstadt eröffneten 1881 in Wismar (Mecklenburg) ihr erstes Tuch-, Manufactur- und Confectionsgeschäft. Das Startkapital steuerte ihr Vater Christian Karstadt bei, der in Schwerin ein eigenes Tuchwarengeschäft betrieb. Im Gegensatz zum damals üblichen Handeln gab es bei Karstadt feste Preise und die Kunden mussten bar bezahlen. Das sicherte der Firma die notwendige Liquidität, um genaustens zu kalkulieren und günstige Einkaufskonditionen wahrzunehmen. Bis sich die Kunden an die Barzahlung gewöhnten, verging jedoch noch einige Zeit. Anfangs blieben die Umsätze weit hinter den Erwartungen zurück. Bereits 1883 stiegen Ernst und Sophie-Charlotte aus dem Unternehmen wieder aus, sodass Rudolph Karstadt (1856 – 1944) alleiniger Inhaber wurde. Die billigeren Preise, die Karstadt gegenüber den Konkurrenten anbieten konnte, waren ein gewichtiges Argument, dem sich auch konservative Kunden auf Dauer nicht verschließen konnten. Ab 1884 eröffnete Karstadt Filialen in anderen Städten (1884 Lübeck, 1888 Neumünster, 1890 Braunschweig, 1893 Kiel, 1912 Hamburg). Um bei niedrigen Preisen höhere Gewinne einzustreichen, umging Karstadt ab 1890 die Großhändler und kaufte direkt bei den Herstellern ein. 1912 eröffnete Karstadt in Hamburg sein erstes Kaufhaus, das mit Ausnahme von Lebensmitteln so ziemlich alle Waren des täglichen Bedarfs anbot. Kurz darauf gründete er mehrere eigene Textilfabriken, um von Zulieferern unabhängig zu sein.

1920 schloss sich Karstadt mit der Theodor Althoff KG zusammen, die in ihren Warenhäusern ein ähnliches System wie Karstadt eingeführt hatte (erst 1963 wurden die Althoff-Kaufhäuser in Karstadt umbenannt). 1923 ging die Rudolph Karstadt KG an die Börse und 1926 entstand die Billigpreiskette EPA (Einheitspreis AG; später Kepa Kaufhaus GmbH). Ende der 1920er Jahre besaß die Rudolph Karstadt AG über 90 Karstadt-Filialen, über 50 EPA-Filialen und fast 30 Produktionsstätten in ganz Deutschland. Während der Weltwirtschaftskrise Anfang der 1930er Jahre geriet Karstadt jedoch ins Schlingern. Fast ein Drittel aller Kaufhäuser und Fabriken mussten geschlossen oder verkauft werden. Rudolph Karstadt zog sich 1932 aus der Geschäftsführung zurück und verkaufte seine Anteile an ein Bankkonsortium, das den Karstadt-Konzern vor dem Konkurs rettete. 1932 wurde der Firmensitz von Hamburg nach Berlin verlegt.

Trotz Enteignungen im Osten Deutschlands und großer Zerstörungen an den übriggebliebenen Warenhäusern, entwickelte sich die Karstadt AG nach dem 2. Weltkrieg schnell wieder zum führenden Warenhauskonzern Deutschlands. 1969 wurde der Firmensitz nach Essen verlegt. 1977 übernahm Karstadt die Mehrheit an der Neckermann Versand AG (51,2 Prozent) und 1981 auch die Neckermann-Touristiktochter NUR Neckermann und Reisen GmbH. 1984 wurde die Neckermann Versand AG ganz in die Karstadt AG eingegliedert. Im gleichen Jahr entstanden die Fachgeschäftsketten Runners Point (Sportbekleidung) sowie Pico Bello (Kinderbekleidung).

1993 übernahm Karstadt die sanierungsreife Hertie Waren- und Kaufhaus GmbH (Alsterhaus, Hertie, KaDeWe, Schaulandt, Wertheim, Wehmeyer, Schürmann, WOM World of Music) mit 80 Standorten; die Hertie-Stiftung, der das Unternehmen zuvor gehörte, erhielt dafür 29,4 Prozent der Karstadt-Aktien. Der neue Karstadt-Aufsichtsratschef Guido Sandler, ein Hertie-Mann, und der langjährige Karstadt-Vorstandschef Walter Deuss verstanden sich allerdings nicht sonderlich gut. Karstadt hatte damals mit vielen zu Problemen zu kämpfen (u.a. hohe Mietzahlungen an die Hertie-Stiftung, zunehmende Konkurrenz durch Fachmarktketten, hohe Kosten für die teueren Citylagen der Kaufhäuser, hohe Verwaltungskosten aufgrund des Vollsortiments, schlechter Service durch eingespartes Personal, drastischer Gewinneinbruch). Auf einer außerordentliche Aufsichtsratssitzung im März 1997 versuchte Sandler gemeinsam mit Deutsche-Bank-Vorstand Ulrich Cartellieri und Commerzbank-Chef Martin Kohlhaussen Deuss zu stürzen, was jedoch am Widerstand der Arbeitnehmerseite und mehrerer Aktionärsvertreter scheiterte. Deuss suchte nun nach einem neuen Großaktionär, um die Hertie-Stiftung loszuwerden, zumal auch die an Karstadt beteiligten Banken verkaufsbereit waren. Die fand er schließlich in der Quelle-Schickedanz-Gruppe (Quelle, Schöpflin, SinnLeffers), der es auch nicht viel besser ging. Quelle-Schickedanz erwarb zunächst die Karstadt-Anteile von der Commerzbank und der Deutschen Bank und dann die Anteile der Hertie-Stiftung. Diese Anteile, insgesamt 48 Prozent, wurden in eine extra neugegründete Vorschaltgesellschaft namens Schickedanz Handelswerte GmbH & Co. KG eingebracht, an der neben Schickedanz noch eine Tochter der Dresdner Bank AG und die Allianz AG beteiligt waren.

1997 bündelten die Deutsche Lufthansa AG (Condor Flugdienst GmbH) und die Karstadt AG (NUR Touristic GmbH) ihre Touristikaktivitäten in dem 50/50-Jointventure C&N Touristic AG, das 2001, nachdem C&N von Preussag den britischen Reiseveranstalter Thomas Cook übernommen hatte, in Thomas Cook AG umbenannt wurde.

1999 kam es dann schließlich zum vollständigen Zusammenschluss der Karstadt AG (Essen) und der Schickedanz Handelswerte GmbH & Co. KG (Fürth) zur KarstadtQuelle AG (Essen). Walter Deuss, der seit 1972 als Vorstandsvorsitzende der Karstadt AG gewesen war, trat im September 2000 von seinem Posten zurück, nachdem die Kritik an seiner Unternehmensführung seitens der Aktionäre immer lauter geworden war.

2004/2005 geriet der Konzern, zu dem damals 190 Warenhäuser der Marken Karstadt, Hertie, Wertheim, Alsterhaus und KaDeWe, die Versandhäuser Quelle und Neckermann sowie über 290 Fachgeschäfte (Golf House, Runners Point, Schaulandt, SinnLeffers, Wehmeyer, WOM/World of Music) gehörten, erneut in finanzielle Schwierigkeiten, die zum Verkauf von SinnLeffers (an Deutsche Industrie-Holding und HMD Partners), Runners Point (an Hannover Finanz Gruppe) und 73 kleineren Kaufäusern (Verkaufsfläche unter 8.000 Quadratmeter) führten; Käufer waren der britische Immobilienfonds Dawnay Day (85 Prozent) und die britisch-amerikanische Unternehmensberatung Hilco UK Limited, die sich auf Handelsunternehmen spezialisiert hat. Unter dem traditionellen Nmen Hertie existierten diese Kaufhäuser noch zwei Jahre weiter, bevor die neue Hertie GmbH im August 2009 Insolvenz anmelden musste. 2006 verkaufte KarstadtQuelle 164 Immobilien, u.a. 120 Warenhäuser, an die Immobiliengesellschaft Highstreet, die dem Goldman-Sachs-Fonds Whitehall (51 Prozent) und KarstadtQuelle (49 Prozent) gehören; die 4,5 Milliarden Euro, die der Verkauf einbrachte, wurde einerseits zur Entschuldung des Konzerns verwendet, andererseits zum Erwerb des Lufthansa-Anteils an der Thomas Cook AG. 2007 benannte sich die KarstadtQuelle AG in Arcandor AG um und fungierte nun als reine Finanzholding. Die frühere Neckermann Versand AG, die seit 2005 als Neckermann.de GmbH firmierte, wurde Ende 2007 mehrheitlich an den US-Finanzinvestor Sun Capital Partners verkauft. 2008 veräußerte Arcandor den 49-prozentigen Highstreet-Anteil an ein Konsortium, bestehend aus der Deutsche-Bank-Immobilientochter RREEF sowie den italienischen Investoren Pirelli Real Estate, Generali und Borletti Group.

Im Juni 2009 mussten Arcandor sowie die Töchter Karstadt Kaufhaus GmbH, Primondo GmbH und Quelle GmbH Insolvenz anmelden. Nur die Touristiktochter Thomas Cook blieb davon ausgenommen. Als eine der Ursachen gelten die hohen Mieten für die Kaufhaus-Immobilien, die der damalige KarstadtQuelle-Vorstandschef Thomas Middelhoff mit Highstreet vereinbart hatte. Das Versandhaus Quelle wurde Ende 2009 geschlossen (die Marke Quelle erwarb kurz darauf der langjährige Konkurrent Otto). 2010 erwarb der deutsch-amerikanische Investor Nicolas Berggruen, der Sohn des 2007 verstorbenen Kunstsammlers Heinz Berggruen, die insolvente Warenhauskette für einen symbolischen Preis von einem Euro.

2013 verkaufte Berggruen 75,1 Prozent der Karstadt Premium Group (KaDeWe Berlin, Alsterhaus Hamburg, Oberpollinger München) und 75,1 Prozent der Karstadt Sports-Gesellschaft mit 28 Filialen an die österreichische Immobiliengruppe Signa (René Benko), die zuvor schon mehrere Karstadt-Immobilien erworben hatte, u.a. das KaDeWe. Im August 2014 übernahm Signa auch die Karstadt Warenhaus GmbH mit den restlichen 83 Karstadt-Warenhäusern – ebenfalls für einen Euro.

Kaufhof

Der Kaufmann Leonhard Tietz (1849 – 1914) erwarb 1879 in Stralsund ein kleines Textilgeschäft mit 25 Quadratmetern Verkaufsfläche. Das Startkapital von dreitausend Talern hatte ihm ein Schulfreund geliehen. Sein Bruder Oskar und dessen Onkel Hermann machten sich 1882 mit einem eigenen Textilladen in Gera selbstständig. Wie auch bei Karstadt in Wismar mussten die Kunden im Gegensatz zum damals noch üblichen Handeln die Waren in bar bezahlen. Ab 1889 entstanden weitere Filialen, vor allem im Raum Köln, wo sich seit 1891 auch der Firmensitzes befand. Leonhard Tietz konzentrierte sich fortan vor allem auf den Westen Deutschlands und Belgien, sein Bruder auf den Süden und Osten. 1905 wurde das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt (Leonhard Tietz AG), blieb aber mehrheitlich in Familienhand. 1925 etablierte Leonhard Tietz die Einheitspreiskette EHAPE (Einheitspreis Handels Gesellschaft mbH; ab 1937 Kaufhalle).

1933 wurde die jüdische Tietz-Familie durch die Nationalsozialisten zwangsenteignet. Die Aktienanteile übernahmen die Deutsche Bank, die Commerzbank, die Dresdner Bank, der Textilunternehmer Abraham Frowein und zahlreiche Privataktionäre. Alfred Leonhard Tietz, der Sohn des Gründers, ging mit seiner Familie erst nach Holland und 1940 nach Jerusalem, wo er ein Jahr später starb. Um den jüdischen Ursprung der Unternehmen zu verschleiern, benannten die Nazis »Hermann Tietz« in Hertie und »Leonard Tietz« in Westdeutsche Kaufhof AG um (ab 1953 Kaufhof AG, ab 1989 Kaufhof Holding AG/Kaufhof Warenhaus AG, ab 2008 Galeria Kaufhof GmbH). Während des 2. Weltkriegs wurden fast alle 40 Kaufhof-Warenhäuser teilweise oder vollständig zerstört. Die Tietz-Familie bekam später von der Kaufhof AG eine Entschädigung in Höhe von 5 Millionen DM.

1970 gründete Kaufhof den Reiseveranstalter ITS (International Tourist Service), der jedoch 1995 an Rewe verkauft wurde. 1980 beteiligte sich der Großhandelskonzern Metro (24 Prozent) und die Schweizerische Bankgesellschaft (über 25 Prozent) an der Kaufhof AG; bis 1987 wurde daraus eine Metro-Mehrheitsbeteiligung. 1986 erwarb Kaufhof den Schuhfilialisten Reno, 1988 die Elektronikfachmarktkette Media Markt, 1990 Saturn-Hansa, ebenfalls eine Elektronikfachmarktkette, und 1994 den Warenhauskonzern Horten AG, der zwei Jahre später ganz in die Kaufhof Warenhaus AG integriert wurde.

Aus dem Zusammenschluss der vier Unternehmen Metro Cash & Carry, Kaufhof Holding AG, Asko Deutsche Kaufhaus AG und Deutsche SB-Kauf AG entstand 1996 die Metro AG. Die Kaufhof-Filialen wurden 1998 in die Metro-Tochter Divaco AG ausgegliedert. Mit der Übernahme des belgischen Warenhaus-Unternehmens Inno S.A. (nun Galeria Inno) begann Kaufhof 2001 die Expansion ins europäische Ausland. 2008 wurde die Kaufhof Warenhaus AG in eine GmbH umgewandelt (Galeria Kaufhof GmbH). Galeria Kaufhof betreibt in Deutschland 104 Warenhäuser und 16 Sportartikel-Läden (Sportarena), außerdem 16 Galeria-Inno-Warenhäuser in Belgien.

2015 verkaufte die Metro Group die Galeria Kaufhof GmbH (Köln) an den kanadischen Einzelhandelskonzern Hudson's Bay Company (Hudson's Bay, Lord & Taylor, Saks Fifth Avenue, Saks Off 5th, Home Outfitters).

Horten, Galeria Horten

Helmut Horten (1909 – 1987) hatte 1936 ein Kaufhaus in Duisburg übernommen, dessen jüdischer Besitzer von den Nationalsozialisten enteignet worden war. Im gleichen Jahr eröffnete er ein zweites Kaufhaus in Wattenscheid. Bis 1939 kamen sechs weitere hinzu. Während des Kriegs war Horten auch als »Reichsverteiler für Textilien« tätig. Seine engen Kontakte zu den Nationalsozialisten brachten ihn 1947/48 für 17 Monate in ein britisches Internierungslager.

Nach seiner Entlassung baute er sein weitgehend zerstörtes Unternehmen zur viertgrößten deutschen Warenhauskette auf – nach Karstadt, Kaufhof und Hertie. Neben den Horten-Kaufhäusern betrieb Horten auch Fillialen unter den Namen Merkur und DeFaKa (Deutsches Familien Kaufhaus). 1968 wurde Horten in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. 1971 beteiligte sich der britische Tabakkonzern British American Tobacco (BAT) mit 51 Prozent an Horten.

1988 führte Horten zunächst in Heidelberg und Münster das sogenannte Galeria-Konzept ein, das man im positiven Sinne als »diverse selbstständige Fachgeschäfte unter einem Dach« bezeichnen könnte und im negativen schlicht als Outsourcing – so wie es die großen Shopping-Malls auf der grünen Wiese schon Jahre früher vorgemacht hatten.

1994 beteiligte sich die Metro-Tochter Kaufhof Holding AG mehrheitlich an der Horten AG. 1995 wurde das operative Warenhausgeschäft der Horten AG auf die Horten Galeria GmbH übertragen; die Horten AG war nur noch für die Verwaltung und Vermietung der Immobilien tätig. 1996 kam es zur Verschmelzung der Horten Galeria GmbH auf die Kaufhof Warenhaus AG. Bis 2004 wurden die noch verbliebenen Horten-Filialen in Galeria-Kaufhof umbenannt, verkauft oder geschlossen. Die Horten AG verschwand unter dem Dach der Divaco AG, in der die Metro AG mehrere nicht mehr zum Kerngeschäft gehörende Gesellschaften ausgliederte.

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 29.11.2019 | 03:02