Markenlexikon

Branchen: Kraftwerke | Rohstoffe

Framatome / Orano / Areva

Frankreich

In den frühen 1950er Jahren beschlossen die Franzosen ein Teil ihres Energiebedarfs mit Hilfe von Atomkraftwerken zu bestreiten, ebenso wie viele andere europäische Länder zu dieser Zeit auch. Diese Technologie galt damals noch als modern, sauber und zukunftsträchtig. Im Juni 1954 hatte das sowjetische Kernkraftwerk Obninsk den ersten Atomstrom in ein öffentliches Stromnetz eingespeist. Das erste kommerzielle KKW der USA ging 1958 ans Netz (Shippingport/Pennsylvania). Die ersten französischen KKWs Marcoule (Bauzeit: 1955 – 1960) und Chinon (1957 – 1966) mit gasgekühlten UNGG-Reaktoren (Uranium Naturel Graphite Gaz) wurden von dem staatlichen Forschungszentrum Commissariat à l'Énergie Atomique (CEA) und dem ebenfalls staatlichen Energierversorger Électricité de France (EdF) errichtet. Eine Gruppe von Ingenieuren sahen die Zukunft jedoch im wassergekühlten Druckwasserreaktor, wie er in Shippingport zum Einsatz kam. Auch EdF schloss sich dieser Meinung bald an.

FRAMATOME: 1958 entstand schließlich die Firma Framatome (Société Franco-Américaine de Constructions Atomiques). Anteilseigner waren der französische Stahlkonzern Schneider (Creusot-Loire), das belgische Bauunternehmen Empain (war von 1963 bis 1981 auch Hauptaktionär der Schneider-Gruppe), das französische Elektrounternehmen Merlin-Gérin (gehörte ab 1975 teilweise zu Schneider) und die US-amerikanische Westinghouse Electric Corporation als Lizenzgeber für die Druckwasser-Reaktor-Technologie (Westinghouse verkaufte 30 Prozent seiner Framatome-Anteile 1975 an die CEA und die restlichen 15 Prozent 1981 an Schneider/Creusot-Loire). Von 1960 bis 1967 wurde in Chooz an der Maas, nahe der Grenze zu Belgien, das erste Framatome-Kernkraftwerk errichtet. 1969 bekam Framatome den zweiten Großauftrag zur Errichtung des KKWs Tihange in der Nähe von Lüttich (Belgien). Framatome hatte beim Bau von KKWs in Frankreich ein Quasi-Monopol, obwohl es noch weitere Unternehmen in diesem Bereich gab (u.a. die CGE-Tochter SOGERCA/Société Générale d'Entreprise de Centrales Atomiques), die jedoch ohne größere Bedeutung blieben. Ab Anfang der 1980er Jahre war Framatome durch seine beiden Aktionäre, den fast bankrotten Stahlkonzern Creusot-Loire, der sich teilweise im Besitz der staatlichen Paribas-Bank befand, und der Atombehörde CEA, praktisch ein Staatsunternehmen. 1986 übernahm der ebenfalls staatliche Rivale CGE (Compagnie Générale d' Electricité), der ein Jahr später privatisiert wurde, 40 Prozent der Framatome-Anteile.

AREVA: 2001 schlossen Framatome und der deutsche Siemens-Konzern ihre Nuklearsparten zusammen (2009 verkaufte Siemens seine Anteile an dem Jointventure Framatome ANP – ab 2006 Areva NP – an Areva). Ebenfalls 2001 kam es zum Zusammenschluss der Unternehmen CEA Industrie, COGEMA (die Compagnie Générale des Matières Nucléaires war 1976 von der CEA gegründet worden und beschäftigt sich u.a. mit der Uran-Gewinnung, der Uran-Anreicherung und der Wiederaufarbeitung abgebrannter Brennelemente), FCI (Framatome Connectors International) und Framatome ANP (Advanced Nuclear Power); den Namen Areva hat sich die frühere COGEMA-Chefin Anne Lauvergeon in Anlehnung an die nordspanische Abtei Arevalo einfallen lassen. Zu dieser Zeit verkaufte das CGE-Nachfolgeunternehmen Alcatel-Alsthom seine letzten Areva-Anteile, sodass sich Areva wieder größtenteils im Besitz der Atombehörde CEA befand. Im Zuge der Fokussierung auf das Nukleargeschäft verkaufte Areva 2005 die Tochtergesellschaft FCI an den Finanzinvestor Bain Capital.

Infolge der Nuklearkatastrophe von Fukushima (2011) gerieten die Atombranche und damit auch Areva immer mehr in Schwierigkeiten (Verzögerungen beim Neubau von Kernkraftwerken, höhere Baukosten, Atomausstieg in einigen Ländern).

AREVA, ORANO, FRAMATOME: Schließlich wurde Areva 2017 in drei Teile aufgespalten: Orano S.A. (Uran-Gewinnung, Anreicherung, Wiederaufarbeitung, Entsorgung; gehört mehrheitlich dem französischen Staat, ca. 10 Prozent an Orano halten die japanischen Konzerne Japan Nuclear Fuel Limited und Mitsubishi Heavy Industries), Framatome S.A. (Bau und Instandhaltung von Reaktoren; gehört dem staatlichen Energiekonzern EdF Électricité de France) und Areva SA (Abwicklung der finanziellen Lasten aus früheren Projekten).

Framatome/Areva war seit seiner Gründung am Bau von 90 Kernkraftwerken in elf Ländern beteiligt.

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 22.05.2020 | 22:43