Markenlexikon

Foron

Ursprungsland: Deutschland

Der dänische Ingenieur Jörgen Skafte Rasmussen (1878 – 1964), der Gründer der Zschopauer Motorenwerke (DKW) und der Frankenberger Metallwerke (Framo), erwarb 1925 die insolvente Metallwarenfirma Moll Werke aus Scharfenstein bei Zschopau. Ab 1927 wurden im Werk Scharfenstein Kühlgeräte und Kompressoren produziert. 1931 wandelte Rasmussen das Zweigwerk in Scharfenstein in eine eigenständige Firma um (DKK Deutsche Kühl- und Kraftmaschinen).

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das Unternehmen verstaatlicht. 1949/1950 lief die Kühlgeräte-Produktion wieder an. 1954 kam noch ein weiteres Werk in Niederschmiedeberg hinzu, wo fortan Haushaltskühlschränke hergestellt wurden. Anfang der 1960er Jahre übenahm DKK die gesamte Produktion von Haushaltskühlgeräten in der DDR. Die Kompressorenfertigung und die Herstellung von Gewerbekühlgeräten wurde in andere Betriebe nach Schkeuditz und Erfurt verlagert. Ab 1970 gehörten DKK Scharfenstein und das Waschgerätewerk Schwarzenberg (WGW) zum Kombinat Monsator Schwarzenberg, das wiederum dem VVB Eisen, Blech, Metall (EBM) unterstellt war. 1979 wurde DKK in das neugeschaffene Kombinat Haushaltgeräte Karl-Marx-Stadt integriert. Von 1980 bis 1983 entstand ein neues Gefrierschrankwerk in Niederschmiedeberg. 1983 führte das Kombinat die Marke Foron ein, unter der fortan verschiedene Produkte vermarktet wurden (Kühlschränke, Messer, Waschmaschinen). Zeitweise exportierte das Kombinat die Foron-Geräte auch in mehrere westliche Länder (BRD, Dänemark, Frankreich, Niederlande, Österreich), wo sie meist sehr preiswert und teilweise unter anderen Markennamen in den Handel kamen.

1990 wurde das Kombinat Haushaltgeräte aufgelöst. DKK Scharfenstein existierte nun mit den Standorten Scharfenstein und Niederschmiedeberg als selbstständiges Unternehmen weiter, war allerdings der Treuhandanstalt unterstellt. Durch eine Zusammenarbeit mit der Umweltorganisation Greenpeace, die eine große Werbeaktion finanzierte, und dem Dortmunder Hygieneinstitut, das ein umweltschonendes Kältemittel aus Butan, Propan und anderen Gasen entwickelt hatte (Dortmunder Mischung), brachte DKK 1993 den ersten FCKW-freien Kühlschrank der Welt auf den Markt. Foron konnte jedoch kaum davon profitieren, da Greenpeace darauf bestanden hatte, die neue umweltfreundlichere Technologie nicht zu patentieren, damit sie möglichst schnell in Geräten aller Hersteller zum Einsatz kommen konnte. Die etablierten Hersteller, die die Dortmunder Mischung zuvor noch als zu gefährlich und und ineffizient abgelehnt hatten, um den Absatz ihrer eigenen Geräte mit dem klimaschädlichen Kältemittel R134a nicht zu gefährden, schwenkten nun schnell auf die neue Technologie um.

Foron versank bald danach in der Beudeutungslosigkeit. Der Versuch, sich als Anbieter von Nieschengeräten zu positionieren, schlug fehl. 1996 musste die Firma Insolvenz anmelden. Daraufhin ging das Unternehmen in den Besitz des niederländischen Unternehmens ATAG Kitchen über, das im Jahr 2000 ebenfalls insolvent war. Nächster Eigentümer der Marke Foron wurde der Waschmaschinenhersteller EBD (Erwin Bonn Duisburg), der zum italienischen Hausgerätehersteller Antonio Merloni gehörte. Für das Werk in Niederschmiedeberg fand sich jedoch kein Interessent, sodass die Produktion 2002 eingestellt werden musste. 2001 wurden die Merloni-Töchter EBD, Foron und Seppelfricke Seppelfricke zusammengeschlossen (EFS Hausgeräte Duisburg). Infolge der Weltwirtschaftkrise ging Antonio Merloni 2008 in die Insolvenz. 2009 war auch EFS zahlungsunfähig.

Text: Toralf Czartowski