Markenlexikon

Branche: Süßwaren

Ferrero

inkl. Duplo, Ferrero-Küsschen, Ferrero Rocher, Giotto, Hanuta, Kinder Bueno, Kinder Country, Kinder Schokolade, Kinder Überraschung, Milchschnitte, Mon Chéri, Nutella, Raffaello, Schokobons, Tic Tac, Yogurette

Italien

Not macht bekanntlich erfinderisch: Kurz nach dem Krieg kam der Konditormeister Pietro Ferrero (1898 – 1949) aus Alba, einem kleinen Ort zwischen Turin und Genua, auf die Idee, den teuren Import-Kakao mit Haselnüssen aus der norditalienischen Region Piemont zu strecken, um seine Kekse und Törtchen mit Schokocreme füllen zu können. Dem Erfolg tat dieser kleine Trick keinen Abbruch, ganz im Gegenteil. Die Kinder standen vor Ferreros Konditorei Schlange, um sich die Schoko-Nuss-Creme Pasta Gianduja (ab 1949 Suprema Gianduja) aufs Brot schmieren zu lassen. Der ab 1964 verwendete Name Nutella entstand in Anlehnung an das englische Wort »nut« (Nuss). Nach Deutschland kam Nutella 1965; zuvor hieß die Schokocreme hierzulande Cremalba.

Nach diesem Überraschungserfolg errichtete Michele Ferrero (1925 – 2015), der Sohn des Gründers, Produktionsstätten in Deutschland (1956), Frankreich (1958) und den USA (1969); der Firmensitz wurde 1964 nach Pino Torinese verlegt. In der Folgezeit brachte das Familienunternehmen ein neues Produkt nach dem anderen auf den Markt, was die Konkurrenz regelmäßig vor Neid erblassen ließ. Denn fast alles was aus dem Hause Ferrero kam, wurde dank innovativer Ideen und ständiger Werbung zum Erfolg, teilweise weltweit. Zu den bekanntesten Ferrero-Produkten zählen Mon Chéri (seit 1957), Hanuta (seit 1959), Duplo (seit 1964), Kinder-Cioccolato/Kinder Chocolate/Kinder-Schokolade (seit 1967), Ferrero-Küsschen (seit 1968), Tic Tac (seit 1969; (in Deutschland 1972), Yogurette (seit 1970), Kinder-Riegel (seit 1971), Kinder-Sorpresa/Kinder-Suprise/Kinder-Überraschung (seit 1974), Tic Tac Orange (1975), Milchschnitte (seit 1977), Rocher (seit 1981), Kinder-Country (seit 1989), Raffaello (seit 1990), Schokobons (seit 1992) und Giotto (seit 1996). Von Nutella gibt es inzwischen noch zwei zwei weitere Variationen: Nutella B-ready, ein Waffelriegel mit Nutella-Füllung (seit 2017), und Nutella Biscuit, ein Keks ebenfalls mit Nutella gefüllt (seit 2019).

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Ferrero

Allerdings versucht das Unternehmen seit langem einige seiner Produkte (Milchschnitte, Nutella) mit zweifelhaften Werbeaussagen (»Die extra Portion Milch«, »Enhält viel Eisen« usw.) als alltägliche und gesunde Nahrungsmittel für Kinder zu positionieren. Dies führt bei Verbraucherschützern vermehrt zu Kritik, da die Produkte – wie alle Süßwaren – hauptsächlich Zucker und Fett enthalten, teilweise sogar noch mehr als die der Mitbewerber. Der Versuch, das Wort »Kinder« als Marke für Schokoladenprodukte schützen zu lassen und anderen Hersteller wie Haribo (Kinder Kram) oder der Zott Molkerei (Kinderzeit Milchdessert) die Verwendung dieses Wortes zu verbieten, scheiterte mehrmals vor deutschen Gerichten (2004, 2007).

Ferrero gehört heute neben Nestlé (After Eight, Choclait Chips, Choco Crossies, Die Weisse, Kit Kat, Nuts, Rolo, Smarties), Mondelēz (Cadbury, Côte d'Or, Marabou, Milka, Oreo, Suchard, Toblerone) und Mars (Ballisto, Bounty, Dove, Maltesers, Mars, M&M's, Snickers, Wrigley, Twix) und Hershey zu den größten Süßwarenherstellern der Welt und befindet sich noch immer im Besitz der Gründerfamilie. Michele Ferrero galt lange Zeit als reichster Mann Italiens. Inzwischen wird das Unternehmen von seinem Sohn Giovanni geleitet. Der zweite Sohn von Michele Ferrero, Pietro, starb 2011 im Alter von 47 Jahren an einem Herzanfall beim Fahrradfahren in Südafrika.

Nachdem Ferrero jahrzehntelang ausschließlich aus eigener Kraft gewachsen war, wurden in den letzten Jahren erstmals auch andere Unternehmen gekauft: 2015 der britische Schokoladenhersteller Thornton plc, 2016 der belgische Keksproduzenten N.V. Biscuits Delacre S.A., 2017 der US-Schokoladen-Hersteller Fannie May Confections Brands Inc. und die Ferrara Candy Company (USA; Atomic Fireballs, Brach's, Chuckles, Jujyfruits, Lemonheads, Now and Later, Original Boston Baked Beans, Red Hots), 2018 das US-Süßwarengeschäft von Nestlé (Baby Ruth, Butterfinger, Everlasting Gobstopper, Laffy Taffy, Nestle Crunch, Nips, Raisinets, Skinny Cow, Spree) und 2019 der dänische Kekshersteller Kelsen Group A.S.

Text: Toralf Czartowski | Foto(s): Pixabay, T.Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 29.12.2019 | 21:10