Tory Tordal: Taro Yagur – Kampf um Tanybur

Markenlexikon

Fender

Ursprungsland: USA

Clarence Leonidas (Leo) Fender (1909 – 1991) wuchs auf einer Farm im Orange County in Kalifornien zwischen Anheim und Fullerton auf, wo seine Eltern Gemüse, Melonen und Orangen anbauten. Nach dem Ende seiner Schulzeit machte er eine Ausbildung zum Buchhalter. In diesem Job arbeitete er in den 1930er Jahren einige Zeit bei verschiedenen Firmen. Seine eigentliche Leidenschaft lag jedoch in der Elektrotechnik. Bereits als er noch zur Schule ging, reparierte er in seiner Freizeit Radiogeräte. Später baute er für lokale Bands Beschallungsanlagen.

1938 eröffnete er zusammen mit seiner Frau Esther in Fullerton ein Elektrogeschäft, das Beschallungsanlagen, Grammophone, Musikinstrumente, Noten, Radiogeräte, Schallplatten und Verstärker verkaufte. Außerdem bot er einen Reparaturservice an. Durch den Laden kam Fender auch in Kontakt mit vielen regionalen Musikern und Bands.

1945 gründete er zusammen mit Clayton Orr (Doc) Kauffman (1901 – 1990), dem ehemaligen Rickenbacker-Chefentwickler, den er in seinem Geschäft kennengelernt hatte, die Firma K&F, die elektrische Lap-Steel-Gitarren (Hawaii-Gitarren) mit massivem Korpus und Gitarren-Verstärker baute. Als Produktionsstätte diente eine Baracke hinter dem Geschäft. Nachdem sein Partner die Firma 1946 aufgrund der hohen Arbeitsbelastung verlassen hatte, benannte er das Unternehmen in Fender Electrical Instruments um. 1947 verkaufte er sein Radiogeschäft an Dale Hyatt. 1948 wurde die Produktion in größere Räumlichkeiten verlegt.

Die Gitarrenverstärker verkauften sich zwar gut, aber für Lap-Steel-Gitarren war der Markt begrenzt; sie kamen hauptsächlich in der traditionellen Hawaii-Musik und in der Country-Musik zum Einsatz, teilweise auch im Blues. Daher begann Leo Fender zusammen mit seinem Team (u. a. Freddie Tavares, George Fullerton) 1949/1950 mit der Entwicklung einer elektrischen Solid-Body-Gitarre (Broadcaster; ab 1951 Telecaster).

Gitarren mit massivem Holzkorpus und verschraubten Hälsen, die unerwünschte Rückkopplungen des hohlen Resonanzkörpers einer elektrisch verstärkten akustischen Gitarre verhindern sollten, waren in den 1930er und 1940er Jahren von verschiedenen Technikern, Musikern und Firmen entwickelt worden (Doc Kauffman, George Beauchamp, Les Paul, Merle Travis, Paul Bigsby, Rickenbacker), aber über den experimentellen Status noch nicht hinausgekommen. Im Prinzip handelte es sich dabei um ein neues Instrument, das bald eine dominierende Rolle in der populären Musik spielen sollte. Ein weiterer Meilenstein war 1951 die elektrische Bassgitarre (Fender Precision Bass), die den bis dahin verwendeten Kontrabass ablöste.

Fender
Fender

1954 gelang Fender mit der Stratocaster der ganz große Wurf. Dieses Modell, das als Konkurrenz zur Gibson Les Paul (1952) an den Start ging, hatte drei Single-Coil-Tonabnehmer und erstmals einen Vibrato-Hebel (von Fender als Tremolo-Hebel bezeichnet). Zudem ließ sie sich aufgrund eines veränderten Resonanzkörpers bequemer spielen als andere E-Gitarren. Um Beschädigungen der Klinkenbuchsen für das Gitarrenkabel zu verhindern, was damals wegen der noch nicht existierenden Gitarrenständer häufig vorkam, wurde die Klinkenbuchse von der Korpuszarge in ein ovales Blech auf die Gitarrendecke versetzt.

Obwohl sich die billigere Telecaster noch lange besser verkaufte, vor allem bei Blues-, Country- und Jazz-Musikern, avancierte die Stratocaster mit ihrem hellen, gläsernen und scharfen Klang später zur meistgespielten E-Gitarre (Bruce Springsteen, Buddy Holly, Chris Rea, David Gilmour, Eric Clapton, Hank Marvin, Jeff Beck, Jimi Hendrix, Mark Knopfler, Mike Oldfield, Ritchie Blackmore, Richie Sambora, Rory Gallagher, Tom Petty, Yngwie Malmsteen) und wurde zum Vorbild für die E-Gitarren vieler anderer Hersteller. Alle drei Modelle (Precision Bass, Stratocaster, Telecaster) gibt es bis heute.

Mit der Jazzmaster versuchte Fender ab 1959, den warmen Klang der Gibson Les Paul nachzuahmen und damit auch Jazzmusiker anzusprechen. Sie wurde jedoch hauptsächlich im Rock ’n’ Roll und Surf-Rock eingesetzt, während Jazzmusiker bei ihren traditionellen Instrumenten von Gibson (Archetop-Gitarren, Les Paul) blieben. An die Verkaufserfolge von Stratocaster und Telecaster kam die Jazzmaster nie heran. 1982 stellte Fender die Produktion ein. Erst als Grunge- und Alternative-Rock-Musiker in den späten 1980er Jahren verstärkt gebrauchte Jazzmaster-Gitarren verwendeten, nahm man die Produktion 1990 wieder auf.

1959 kaufte Fender die Firma des Klavierlehrers Harold Rhodes (1910 – 2000), der zahlreiche Musikschulen in den USA betrieb und ein tragbares E-Piano entwickelt hatte. Das Fender-Rhodes, das in den 1960er Jahren bei Musikern wie Duke Ellington, Herbie Hancock, Miles Davis und Ray Charles außerordentlich beliebt war, wurde in verschiedenen Varianten bis Mitte der 1980er Jahre produziert, als die preiswerten japanischen Synthesizer und Keyboards auf den Markt kamen.

1965 verkaufte Leo Fender seine Firma aus gesundheitlichen Gründen an den Rundfunk-, Fernseh- und Musikkonzern CBS, blieb aber noch bis 1970 als Berater in seiner Firma. 1971 gründete er mit seinen früheren Angestellten Forrest White und Tom Walker die neue Firma Tri-Sonix (ab 1973 Music Man), die durch den Stingray-Bass bekannt wurde. Nach seinem Ausscheiden bei Music Man rief er 1980 mit George Fullerton und Dale Hyatt die Firma G&L Musical Instruments (G&L = George & Leo) ins Leben.

Ab Mitte der 1980er Jahre konzentrierte sich CBS wieder mehr auf sein Kerngeschäft (Fernseh- und Rundfunksender) und verkaufte alle anderen Aktivitäten (Musikinstrumente, Plattenlabel, Spielzeuge, Verlage). Den Markennamen Fender, die Patente und einige Restbestände übernahmen 1985 mehrere Fender-Angestellte unter Leitung des damaligen Fender-Präsidenten William Schultz, die daraufhin die neue Firma Fender Musical Instruments gründeten. Schultz hatte 1983 auch schon Rhodes von CBS gekauft. Kurz darauf nahm Fender eine neue Fabrik in Corona/California in Betrieb. 1987 kam noch ein weiteres Werk in Ensenada (Mexiko) hinzu. Der Markenname Rhodes wurde 1987 an den japanischen Synthesizer- und Keyboard-Hersteller Roland verkauft. 1991 verlegte Fender seinen Firmensitz von Corona nach Scottsdale/Arizona. Im selben Jahr starb Leo Fender. Er hatte selbst nie Gitarre spielen gelernt.

Text: Toralf Czartowski • Fotos: Unsplash.com, Pixabay.com, Public Domain

www.fender.com